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Internetphänomen Twitter Vom Wahn im Web zum Wirtschaftsfaktor

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Dass Facebook und Twitter nicht zusammenkamen, hat zwei Gründe. Erstens wollte Facebook den Kaufpreis von einer halben Milliarde Dollar hauptsächlich mit eigenen Aktien bezahlen. Deren Bewertung hielten die Twitter-Gründer und ihre Geldgeber jedoch für viel zu hoch. Zweitens hatte Facebook behauptet, dass Twitter noch nicht erprobt genug sei, und beklagte die hohen Kosten durch die Weiterleitung von Twitter-Nachrichten auf Mobiltelefone. In den USA hat Twitter diese Ausgaben mittlerweile durch günstigere Verträge mit US-Mobiltelefongesellschaften reduziert.

Die Verhandlungen haben Twitter offenbar nur noch interessanter gemacht. Das Startup kann sich vor potenziellen Investoren kaum retten: „Ich kriege jeden Tag Angebote“, sagt Stone.

Und das, obwohl sich das junge Unternehmen bereits mächtiger Angreifer erwehren muss. Facebook-Chef Zuckerberg etwa hat erkannt, dass Twitter seinem Unternehmen gefährlich werden könnte. Denn bei Facebook können nur Bekannte, die eine sogenannte Freundschaftsanfrage bestätigt haben, Informationen austauschen. Bei Twitter hingegen kann jeder Nachrichten abonnieren, ohne die Genehmigung des Absenders einholen zu müssen. Zuckerberg hat bereits reagiert: Über eine neue sogenannte Fanseite können Facebook-Nutzer – ähnlich wie bei Twitter – der Welt mitteilen, was sie gerade machen. Dabei können sie in die Nachrichten auch Fotos einklinken, was bei Twitter nicht geht.

Auch von anderer Seite wird Twitter angegriffen, zum Beispiel von Yammer. Der amerikanische Dienst funktioniert wie Twitter mit einem Unterschied: Die Nutzer können in geschlossenen Gruppen kommunizieren. So können Teams, die an verschiedenen Orten arbeiten, sich gegenseitig über den Stand ihrer Projekte informieren, Ideen sammeln oder Veranstaltungen vorbereiten. Twitter selbst erlaubt keine geschlossenen Benutzergruppen und ist deswegen für die Kommunikation in Unternehmen ungeeignet. Denn viele der ausgetauschten Informationen sind geheim und haben auf der offenen Twitter-Plattform nichts zu suchen. Yammer verdient, zumindest nach eigenen Angaben, mit dem Dienst bereits Geld.

Eigentlich war Twitter nur ein Zeitvertreib

Das Geldverdienen ist allerdings nicht die Berufung von Ober-Twitterer Stone. Er sieht sich als Künstler, ist Grafiker und Programmierer. Zwei Bücher hat er übers Bloggen verfasst, das Tagebuch-Schreiben im Internet. Deshalb machte Stone begeistert mit, als der preisgekrönte Programmierer Jack Dorsey 2006 auf die Idee kam, einen Mitteilungsdienst zu schaffen, dessen Nachrichten jeder Interessent empfangen kann, ohne sich vorher beim Absender registrieren zu müssen.

In knapp zwei Wochen entwickelten Stone und Dorsey einen Prototypen. Eigentlich war Twitter nur ein Zeitvertreib, weil ihr Startup Odeo, eine Video- und Audiosuchmaschine, nicht vom Fleck kam. Twitter hingegen verbreitete sich wie ein Virus. Zunächst testeten Freunde die Erfindung, dann deren Bekannte, Kollegen, Familien, Studienfreunde und Bekannte im Ausland – und schon war der Geist aus der Flasche und raste um den Erdball.

Längst können die Magier aus San Francisco nicht mehr kontrollieren, was sie vor gut zwei Jahren schufen. Wenn der US-Präsident vereidigt wird, ein Unfall passiert, Britney Spears gesichtet wird oder ein Amokläufer durchdreht, irgendjemand ist immer mit Handy oder Notebook in der Nähe, zwitschert seine Eindrücke in die Welt hinaus und animiert andere zum Weiterzwitschern.

Nur die Technik, so scheint es, kann das Wachstum der Twitter-Gemeinde in den kommenden Monaten bremsen. Vor allem in Stoßzeiten bricht die Twitter-Plattform immer wieder zusammen. Die Server sind zu klein, um den explodierenden Andrang zu bewältigen.

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