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Investmentbanker Auf der Jagd nach dem nächsten Bonus

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Der einst hochbezahlte Spezialist Kevin Watson bereut seinen Abschied bei der Investmentbank Bear Stearns nicht Quelle: Chris Gloag für WirtschaftsWoche

Am Ende der Gier-Spirale standen die, die sich nun gerne als Opfer darstellen: die Kunden. Immer vorne mit dabei: die Abgesandten diverser deutscher Landesbanken. Auch Privatbanken seien dankbare Abnehmer gewesen, die riskanten Papiere wären anschließend im Depot ihrer Kunden gelandet. „Die wollten bei den Großen mitspielen“, erinnert sich Plummerer.

„Sie haben vier oder fünf Investmentbanken gegeneinander antreten lassen und sich anschließend für das renditestärkste Produkt entschieden.“ Wobei sie selbst einfachste Grundregeln ignorierten. „Dass hohe Rendite auch hohes Risiko bedeutet, schien ihnen nicht klar zu sein.“ Die Blindheit wurde ausgenutzt. „Da hieß es oft: ,Mach‘ es noch komplizierter, dann nehmen es die Landesbanken‘“, erinnert sich ein anderer Banker.

Ehemalige Banker probieren Neues

Im Sommer 2007 ist die Spirale zum Stillstand gekommen. Viele Banker haben die Branche seitdem verlassen, einige aus Überzeugung, die meisten notgedrungen. Manche trauern den goldenen Zeiten nach, andere freuen sich über den radikalen Bruch mit der Vergangenheit.

So berichten die elitären Londoner Profi-Kochschulen Le Cordon Bleu und Leith’s School of Food and Wine von steigendem Interesse an ihren Kursen. Kirsten Hunter, die 29 Jahre lang in verschiedenen Funktionen bei der britischen Großbank HSBC war, will ihren Lebensunterhalt künftig bei einer Chartergesellschaft für Yachten verdienen.

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    Die Ex-Citigroup-Bankerin Wiltrud Heiss gründete mit drei weiteren Partnern im vergangenen Herbst die Private-Equity-Gesellschaft Prolimity. Sie konzentriert sich auf Beteiligungen sowie die Sanierung und Restrukturierung mittelständischer Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Prolimity hat 20 Investments geprüft, nun wird die erste Beteiligung vorbereitet.

    Prolimity bietet auch normales Beratungsgeschäft sowie die Vermittlung von Interimsmanagern an, die vorübergehend bei Unternehmen operative Verantwortung übernehmen. „Damit verdienen wir schon Geld“, sagt Heiss. Fünf Jahre hatte sie bei der Citigroup gearbeitet, zuletzt in London, vorher neun Jahre bei der Deutschen Bank. Ihren Job verlor sie im Juni 2008.

    „Die alten Zeiten waren von der Gier nach hohen Renditen und von Risikoblindheit gekennzeichnet – das wird sich in Zukunft so nicht mehr wiederholen“, sagt Heiss. Wenig Verständnis hat sie für arbeitslose Banker mit Beamtenmentalität, die „nur darauf hoffen, dass sie ins Büro zurückkönnen. Die haben doch alle Geld und können etwas Neues ausprobieren“.

    In Zukunft wird weniger Geld zu verdienen sein

    Das tun in England einige Ex-Investmentbanker mit mathematisch-naturwissenschaftlichem Hintergrund: Sie werden Lehrer. Die britische Regierung bietet dafür Umschulungen an, die nur sechs Monate dauern. Der 45-jährige Kevin Watson – einst hochbezahlter Spezialist bei Bear Stearns – ist nun Physiklehrer an einem Gymnasium in Rickmansworth in der Grafschaft Hertfordshire und sieht sich als Beweis dafür, dass es ein Leben nach der City gibt: „Das gute Gehalt war super, aber ich habe meine Kinder nie gesehen.“

    Marc Smith (Name geändert) hat vor zwei Monaten seine gut bezahlte Position als Abteilungsleiter bei einer Investmentbank in London gekündigt. In einer E-Mail an Freunde und Bekannte schrieb er: „Ich mache nicht gerne Dinge, für die ich keine Leidenschaft empfinde.“ Das Gespräch mit seinem Chef sei kurz gewesen, erzählt er. Er sei nicht mehr motiviert und würde gerne das Abfindungsangebot annehmen, das die Bank ihren Führungskräften unterbreitet habe. „Ich konnte ihm ja schlecht sagen: Ihr seid alle auf dem Holzweg – die Welt hat sich verändert, und Investmentbanking wird nie mehr das sein, was es mal war.“

    Smith hat in acht Jahren als Investmentbanker die verschiedensten Typen kennengelernt: intelligente, verantwortungsvolle Finanzexperten, aber auch solche, mit denen er nichts mehr zu tun haben will. „Das sind Rennpferde, die nicht schauen, was um sie herum passiert, und die an nichts anderes als Geld denken.“

    Womit er künftig sein Geld verdient, weiß er noch nicht. „Ich hatte schon am Tag nach meiner Kündigung mehrere Angebote von Kunden“ – auch anderen Banken. Zu einer großen Investmentbank werde er wohl nicht mehr gehen. „ Wir wissen nicht, wo die Regulierung hingeht und ob man hinterher überhaupt noch innovative Produkte entwickeln darf, die ja auch sehr gut sein können.“ Und, da ist er ehrlich: „Es wird viel weniger Geld zu verdienen geben.“

    Lesen Sie auf der nächsten Seite weiter, welche Investmentbanken von neuen Modellen in Zukunft profitieren werden.

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