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IT im Mittelstand Schnell runter mit den Kosten

Die IT-Verantwortlichen im deutschen Mittelstand erwarten vorerst kaum Kürzungen in ihren Abteilungen. Sie haben die Kosten schon in der letzten Krise gesenkt und hoffen jetzt, weitere Einsparpotentiale im Unternehmen zu entdecken. Gespart wird vor unter anderem an externen IT-Dienstleistern.

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Die IT soll Mittelständlern bei der Kostensenkung helfen. Quelle: AP

DÜSSELDORF. Die Wirtschaftskrise verschont kaum ein deutsches Unternehmen - die Reaktionen darauf unterscheiden sich aber erheblich: Während die IT-Verantwortlichen in großen Firmen angesichts der wegbrechenden Umsätze die Ausgaben häufig stark drosseln, antworten ihre Kollegen in kleineren Unternehmen oft gelassener. "IT-Abteilungen im Mittelstand haben seit der letzten Krise bereits sehr viel gemacht, um die Kosten runter zu bringen", sagt Techconsult-Analyst Alexander Kubsch. Dadurch gebe es häufig kaum noch Einsparpotenzial.

Der Porzellanhersteller Villerroy & Boch betrachtet seine Hard- und Softwaresysteme seit Jahren als strategisches Werkzeug, mit dem die Kosten im Unternehmen heruntergefahren werden können. Ziel sei es, Kosten und Nutzen der IT so gut wie möglich zu gestalten, sagt Chief Information Officer (CIO) Thomas Ochs. Obwohl er das Budget mit seinem Finanzchef aushandeln muss, gebe es jetzt keine kurzfristigen Kürzungen. Die Herausforderung sei vielmehr, mithilfe der Informationstechnik noch weitere Einsparmöglichkeiten zu erschließen, so Ochs.

Die IT-Abteilung des Porzellanherstellers arbeitet als Profitcenter. "Wir müssen unsere Lösungen auf die Bedürfnisse der Abteilungen zuschneiden und sozusagen an die Kollegen verkaufen", berichtet Ochs. Dadurch sei er ständig unter Druck, so billig wie möglich zu sein.

Ähnlich ist das beim Armaturenhersteller Hans Grohe. "Unsere Kosten liegen bei einem Prozent des Umsatzes", sagt IT-Chef Carsten Tessmer. Die Technik werde vor allem eingesetzt, um die Prozesskosten in den weltweit verstreuten Werken zu senken. Daher sei sie in Zeiten der Krise noch wichtiger als im Aufschwung, betont Tessmer.

Daniela Brinker, IT-Chefin des Waschstraßenherstellers Washtec, steht stärker unter Druck als ihre Kollegen. Der Maschinen- und Anlagenbauer, der seine Technik in mehrere Länder - vor allem an Autohäuser - verkauft, hat zurzeit mit einem deutlichen Auftragsrückgang zu kämpfen. "Daher stehen natürlich alle Kosten auf dem Prüfstand", sagt Brinker.

Die IT-Chefin hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte zur Kostensenkung durchgeführt und dabei auf Angebote für eine flexible Nutzung der Resourcen gesetzt. So hat Washtec seine SAP-Infrastruktur an den Dienstleister T-Systems ausgelagert. Der Vorteil: Rechenleistung und Speicherplatz werden je nach Nutzung bezahlt. "Das bringt uns jetzt die Flexibilität, die wir in der Krise brauchen", sagt Brinker.

Besonders hart betroffen von dem Einbruch der Nachfrage in der Wirtschaft ist die Autobranche - und damit auch deren Zulieferer. "In unserem Industriebereich werden die IT-Kosten zurzeit drastisch reduziert", sagt Salim Siddiqi, CIO bei dem japanischen Automobilzulieferer Yazaki Europe mit Sitz in Köln. Er musste die IT-Fixkosten innerhalb eines halben Jahres um bis zu 20 Prozent kappen.

"Als erste Maßnahme haben wir laufende Verträge mit IT-Beratern und-Dienstleistern nachverhandelt, die noch über einen längeren Zeitraum laufen", sagt Siddiqi. Dabei seien bereits deutliche Einsparungen erreicht worden. Vor allem wurden Wartungs- und Serviceverträge auf deren Notwendigkeit überprüft und ihr Umfang, wenn möglich, reduziert. "Wir haben geschaut, wie kritisch die Anwendungen sind und ob wir nicht mir längeren Serviceintervallen die Kosten senken können", berichtet der Yazaki-Verantwortliche.

Darüber hinaus hat der CIO - ähnlich wie seine Kollegin von Washtec - frühzeitig modulare Lösungen entwickelt, die es ermöglichen, einzelne IT-Anwendungen flexibel an die jeweiligen Anforderungen anzupassen. "Wir können nun in Zeiten, in denen die Produktion gedrosselt wird und weniger IT-Ressourcen benötigt werden, unsere Anwendungen auf weniger Server betreiben und sehr schnell die Kosten senken", sagt der CIO.

Eine weitere Maßnahme zur Kostenreduktion, die bei fast allen Unternehmen beliebt ist, bestand darin, nicht zeitkritische IT-Projekte zu strecken. "Die Herausforderung bei allen Maßnahmen, die wie ergriffen haben, bestand darin, die IT auf einem Level zu halten, dass sie bei einem Anziehen der Konjunktur und der Nachfrage direkt wieder hochgefahren werden kann", sagt Siddiqi.

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