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IT-Konzerne Oracle und Sun: Fragwürdige Synergien

Der amerikanische Softwarekonzern Oracle will den US-Hersteller von Server-Computern Sun Microsystems für rund 7,4 Milliarden Dollar schlucken. Erst in der vergangenen Woche hatte der Verwaltungsrat von Sun die wochenlangen Verhandlungen mit IBM wegen eines angeblich zu niedrigen Kaufpreises für gescheitert erklärt; der Deal war laut Branchenkreisen auf rund sieben Milliarden Dollar taxiert.

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Michael Kroker

Welch überraschende Wende beim Poker um einen Käufer für Sun: Neben IBM wurde auch Erzrivale HP immer wieder als möglicher Übernehmer genannt. Beide IT-Giganten hätte Sun mit seinen Servern, dem Betriebssystem Solaris und der Programmiersprache Java gut ergänzt – und insbesondere wertvolle langjährige Kundenbeziehungen für die jeweilige IT-Dienstleistungssparte mitgebracht.

Nun aber soll der Softwarekonzern Oracle das Überleben von Sun sichern. Und die Ziele von Oracle-Chef Larry Ellison sind enorm ehrgeizig: Schon im ersten Jahr nach der Übernahme soll Sun zum Gewinn von Oracle beitragen. Mittelfristig erwartet Ellison beim operativen Gewinn ein Plus von 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr. Dass dies sehr ambitioniert ist, beweist ein Blick in die mittlere Vergangenheit: So schrieb Sun in fünf der vergangenen acht Jahren Verluste.

Wie Ellison und sein Management-Team diese Synergien heben wollen, ließen sie bei der eilig anberaumten Telefonkonferenz am Montagnachmittag dieser Woche weitgehend offen. Noch stärker integrierte Systeme aus Sun-Rechnern und Oracle-Datenbanken wolle man künftig anbieten. Darüber hinaus hatten die Oberen von Oracle und Sun bestenfalls Beruhigungspillen parat: Oracle verfüge durch die vielfältigen Übernahmen der vergangenen Jahre – darunter Peoplesoft, Siebel und Hyperion – über große Erfahrungen, ein fremdes Unternehmen schnell und effizient zu integrieren. Das werde auch mit Sun wieder gelingen.

Schnelle Synergien nicht sichtbar

Genau das ist freilich mehr als fraglich: Denn zum einen waren Oracles Kaufziele allesamt Softwarekonzerne mit einem starken Fokus auf Unternehmenskunden. Trotz unterschiedlicher Unternehmenskulturen konnten Ellisons Mannen so jeweils schnell Synergien heben – insbesondere auch deshalb, weil Unternehmenssoftware in der Regel mit langfristigen Wartungsverträgen verkauft wird, die direkt kontinuierliche wie margenstarke Zusatzumträge abwerfen.

Sun dagegen ist trotz vieler Bemühungen seit dem Platzen der Dotcom-Blase immer noch stark auf die selbstentwickelte Hardware fokussiert. Doch die Entwicklung eigener Prozessoren und Bauteile für die Sun-Server verschlingt Jahr für Jahr einen nicht unbeträchtlichen Teil des Forschungs- und Entwicklungsbudgets. Das Synergiepotenzial ist hier nahe Null, schlicht weil Oracle bisher keinerlei Hardware-Aktivitäten im Portfolio hat, die man mit Sun zusammen legen und dadurch Kosten sparen könnte.

Hilfsdienst unter Freunden?

Ähnliche Fragezeichen gibt es bei geplanten integrierten Angeboten. Schon heute laufe Oracles marktführende Datenbank häufiger auf Suns Betriebssystem Solaris als auf jedem anderen Computersystem, wie Ellison höchstpersönlich während der Telefonkonferenz herausstellte. Genau das ist aber der Punkt: Die Unternehmen wählen die Kombination beider Produkte doch schon heute, weil sie von Zuverlässigkeit und Performance überzeugt sind. Wen soll eine vermeintlich oder tatsächlich noch bessere Integration dann überhaupt noch ansprechen?

Fragen, die Oracle-Chef Ellison und Sun-Gründer und -Aufsichtsratschef Scott McNealy in den kommenden Wochen genau beantworten müssen. Sonst hat der heute angekündigte Deal einstweilen den Beigeschmack eines Hilfsdienstes unter Freunden – McNealy und Ellison gelten seit langem als Silicon-Valley-Kampfgefährten.

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