1&1-Chef Witt „Vorgehen der Telekom ist inakzeptabel“

Exklusiv

Die privaten Telekommunikationsunternehmen werfen der Deutschen Telekom vor, durch den Ausbau neuer Glasfasernetze die Regeln des Wettbewerbs zu missachten.

Deutsche Telekom Quelle: dpa

Die Telekom wolle lieber durch Parallelnetze der Konkurrenz schaden statt vorhandene, schnelle Netze der Wettbewerber zu nutzen, kritisiert Martin Witt, Präsident des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), im Interview mit der WirtschaftsWoche.

„Wir stellen immer öfter fest, dass die Telekom auch dann, wenn der Wettbewerber schon eigene Glasfasern verlegt hat, eine eigene Glasfaserinfrastruktur parallel baut“, beklagt Witt, der auch Chef des Telekomunternehmens 1&1 und Vorstand von United Internet ist. „Die Telekom kauft derzeit grundsätzlich keine Leistungen von Wettbewerbern ein. Solange es noch völlig unterversorgte ländliche Regionen in Deutschland gibt, halte ich dieses Vorgehen für inakzeptabel.“

Die Telekom starte „gerade den durchschaubaren Versuch, ihr Netzausbaumonopol über superschnelle Anschlüsse zurückzuerobern“, so Witt weiter. „Das widerspricht den Grundregeln des liberalisierten Marktes und wirft uns wettbewerblich um Jahre zurück.“

Es gehe der Telekom darum, die Investitionen der Konkurrenz in teure Glasfasertechnik wertlos zu machen. „Es gibt in Deutschland genügend Konkurrenten, die in eigene Glasfaser-Infrastrukturen investiert haben. Deren Investition kann durch die jetzt vorgelegten Ausbaupläne der Telekom null und nichtig gemacht werden“, greift Witt die Telekom scharf an. „Im Nahbereich der Ortsvermittlungsstellen hätten dann nahezu sechs Millionen Haushalte keine infrastrukturbasierte Alternative zur Telekom mehr. Das führt zu einer Remonopolisierung, die wir nicht akzeptieren können.“

Anfang der Woche hatte die Telekom bei der Bundesnetzagentur beantragt, dass die Konkurrenz aus einem Teil der Ortsvermittlungsstellen ihre Übertragungstechniken wieder abbaut, um darüber schnelle 100-Megabit-Anschlüsse in weiteren 5,9 Millionen Haushalten anbieten zu können.

 

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