5G-Netz für 1&1: Ein Sieg für Dommermuth – trotz schlechter Ausgangslage
United-Internet-Chef Ralph Dommermuth.
Foto: PresseDer Deal ist eine kleine Sensation in der deutschen Telekommunikationsbranche: Kunden des Anbieters 1&1 dürfen ab Herbst 2024 das Netz von Vodafone nutzen, und zwar in bester Qualität. Entsprechend heftig reagierte die Börse. Der Aktienkurs der 1&1-Muttergesellschaft United Internet schnellte in der Spitze um 20 Prozent nach oben.
Wie hat United-Internet-Chef Ralph Dommermuth das hinbekommen?
Sowohl Vodafone als auch Telefónica hatten sich bislang geweigert, Drittanbieter auf ihr neuestes, schnellstes Netz zu lassen. Sie wollten ihr gerade erst teuer aufgebautes 5G-Netz nicht über Serviceprovider wie 1&1 oder Freenet verramschen, sondern ihren Vertragskunden exklusiv anbieten. Deshalb gewährte Telefónica, Dommermuths 1&1-Kunden bislang auch nur Zugang zum 4G-Netz. Der Vertrag läuft noch bis Herbst 2024
Wieso nun der Sinneswandel bei Vodafone? „Es ist ein Zeichen von Vodafones schwacher Position“, sagt ein Branchenkenner. Im Mobilfunkgeschäft verliert das Unternehmen Marktanteile – und das, obwohl es oft mit 1-Euro-Angeboten für Premium-Handys auf Kundenfang geht. Vodafone ist inzwischen nur noch auf Platz drei der großen deutschen Netzbetreiber, hatte früher aber lange Platz zwei inne. Durch den Deal mit 1&1 ändert sich das. Nach und nach werden elf Millionen 1&1-Kunden von Teléfonicas O2 zum Vodafone-Netz wechseln.
Laut Insidern spielte eine Person bei dem Deal eine wichtige Rolle: Seit Ende 2022 arbeitet Fritz Joussen als Berater für United Internet und damit für die Muttergesellschaft von 1&1. Joussen kennt Vodafone gut. Der Ex-Chef des Tourismus-Konzerns Tui fing 1994 bei Mannesmann Mobilfunk an und blieb auch nach der Übernahme durch Vodafone von 2000 bis 2012 an der Spitze der deutschen Gesellschaft. Aus Joussens Zeit bei Vodafone sind aktuell noch die Technik-Chefin Tanja Richter und der Firmenkunden-Chef Alexander Saul in der Geschäftsleitung.
Auf verlorenem Posten
Dommermuth verhandelte schon lange sowohl mit Telefónica als auch mit Vodafone über den 5G-Zugang. Joussen und sein altes Vodafone-Netzwerk haben wohl am Ende entscheidend dazu beigetragen, dass Dommermuth sich mit Vodafone einig wurde.
Der Ex-Tui-Chef und Ex-Mannesmann-Manager Friedrich Joussen soll sein altes Vodafone-Netzwerk genutzt haben, um 1&1-Chef Dommermuth beim Deal zu helfen. (Archivbild von 2014)
Foto: dpaZu der Zeit, als er Joussen engagierte, stand United-Internet-Chef Ralph Dommermuth extrem unter Druck: Der Aufbau seines eigenen 5G-Mobilfunknetzes drohte zu scheitern. Statt der von der Netzagentur zum Jahresende 2022 geforderten 1000 Antennentürme standen gerade einmal eine Handvoll in der deutschen Landschaft.
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Dommermuths Kunden blieb das 5G-Netz verschlossen. Wie aber sollte 1&1 neue Kunden gewinnen, wenn die sich in weiten Teilen Deutschlands mit einem Netz zweiter Klasse hätten zufrieden geben müssen?
Doch Dommermuth ist als guter Dealmaker bekannt, als einer, der nachts um drei noch einmal nachverhandelt, wenn die Pressemitteilung für den kommenden Morgen eigentlich schon geschrieben ist. Und so schaffte er es, diesmal mit Hilfe von Joussen, aus einem fast schon aussichtslosen Wettkampf noch als Sieger hervorzugehen.
Das mit Vodafone geschlossene Abkommen sieht vor, dass Dommermuths Kunden 18 Jahre lang über Vodafones 5G-Netz surfen und telefonieren dürfen. Vodafone erhält einen Festpreis für jeden Prozentpunkt an Netzleistung, die Dommermuths Kunden in Anspruch nehmen. Die Preise werden jährlich neu festgesetzt.
Dommermuths Kunden kann es nun egal sein, wie lange es dauert, bis er ein eigenes Netz aufgebaut hat. Ihnen ist gewiss, dass sie die Vodafone-Qualität erhalten – zum 1&1-Preis.
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