Abo-Modell Youtube wird unabhängiger von Werbeeinnahmen

Youtube könnte es künftig auch ohne Werbung geben – für ein monatliches Entgelt. Wie teuer das wird, ist noch nicht klar. Die Video-Produzenten sollen einen Teil der Gebühren erhalten.

Auf einem Laptop ist das Internet-Videoportal YouTube zu sehen Quelle: dpa

Youtube läuft künftig auch ohne Werbung. Die Videoplattform teilte ihren Partnern heute mit, dass sie eine anzeigenfreie Version anbieten möchte. Der Service soll zudem einen Offline-Zugang enthalten. Für die werbefreie Version wird allerdings eine monatliche Gebühr fällig – der genaue Betrag ist noch nicht bekannt.

„Durch die Einführung eines neuen Abodienstes werden wir eine neue Umsatzquelle schaffen, die deine zunehmenden Werbeeinnahmen ergänzen wird“, heißt es in der Mitteilung. Die Youtube-Partner, die die Inhalte für die Videoplattform erstellen, werden bisher an den Werbeeinnahmen von Youtube beteiligt. Künftig sollen sie auch einen Teil der Abo-Gebühren erhalten. Verteilt werden sollen die Einnahmen ähnlich wie die Werbeeinnahmen: 45 Prozent erhält Youtube, 55 Prozent erhalten die Video-Produzenten.

Die Unternehmen mit den meisten Views auf Youtube

Mit dem Schritt in dieses „unerforschte Terrain“, so die Mitteilung, dürfte die Google-Tochter zudem stärker in Konkurrenz zu Streaming-Diensten wie Netflix treten. Der US-Streaminganbieter hat mehr als 38 Millionen zahlende Kunden. Die können zu einem Flatrate-Tarif Serien und Filme schauen, wann immer ihnen danach ist – ohne Werbeunterbrechungen.

Zwar bietet Netflix im Gegensatz zu Youtube hochprofessionelle Produktionen – aber auch die Youtuber-Szene professionalisiert sich zunehmend. So will Youtube die Verweildauer erhöhen – die ist bei Netflix fünf Mal höher. Darauf zielt auch das Abonnement-Modell ab.

Den Anstoß für die Professionalisierung gab Youtube 2011. Damals zeigte die Videoplattform, dass sie auch Premium kann und stellte für seine Partner Studios zur Verfügung und kaufte Hollywood-Filme ein, die exklusiv auf Youtube liefen und nicht im Kino zu sehen waren.

Zudem will Youtube unabhängiger von Werbeeinnahmen werden. Die sind aktuell die Haupteinnahmequelle von Youtube, reichen jedoch nicht, um die Ausgaben zu decken. Obwohl Youtube im Februar einen Rekordumsatz einfuhr – insgesamt vier Milliarden Dollar soll er laut Insidern betragen haben – bleibt das Portal ein Verlustbringer für den Mutterkonzern Google.

Niedrige Einnahmen trotz attraktiver Zielgruppe

Das ist auf den ersten Blick erstaunlich, schließlich ist Youtube mit mehr als einer Milliarde Nutzer die drittbeliebteste Website der Welt – nach Google und Facebook. Zudem gilt die Youtube-Zielgruppe als äußerst attraktiv für Werbetreibende. Laut einer Ipsos-Studie ist die Hälfte der Nutzer älter als 35 und zwei Drittel verfügen über ein mittleres oder hohes Einkommen.

Trotz der attraktiven Zielgruppe bleibt ein Problem: Werbung auf dem Videonetzwerk bringt dem Konzern deutlich weniger Geld pro 1000 erreichter Konsumenten als TV-Werbung. Und das, obwohl Youtube vielfältigere Möglichkeiten bietet und die Werbung dort zielgerichteter ausspielbar und besser messbar ist als TV-Werbung.

Dass Youtube künftig Gewinne abwirft, ist für Google wichtig. Denn Klicktextanzeigen, wie Nutzer sie etwa bei der Google-Suche finden, bieten für den Konzern kaum noch Wachstumspotenzial. Diesen Markt beherrscht der Suchriese schon jetzt fast vollständig. Daher sollen neue Umsatzkanäle über Youtube erschlossen werden.

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Die Änderungen der AGB sollen ab dem 15. Juni 2015 in Kraft treten – wann das Abonnement-Modell selbst aktiviert wird, ist noch unklar. Klar ist aber: Wer Youtube weiterhin kostenlos nutzen will, kann das auch künftig – das Abonnement soll eine Alternative zum herkömmlichen Angebot sein.

Bereits Ende vergangenen Jahres kündigte Youtube mit Music Key einen ersten kostenpflichtigen Dienst für die USA, Frankreich, Großbritannien und einige andere Länder an. Für 7,99 US-Dollar pro Monat sollen Abonnenten des Musik-Streaming-Dienstes von Werbung verschont bleiben und eine höhere Klangqualität genießen können.

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