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Alphabet übertrifft Erwartungen Google steckt den Kopf in die Cloud

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Das Geheimnis des Zukunftslabors "X Lab": Die Projekte "killen"

Im „X Lab“, dem Zukunftslabor des Konzerns, das selbst Daniel Düsentrieb in helles Erstaunen versetzen würde, werden Dinge erforscht, bei denen jedem der Beteiligten klar ist, dass viele von ihnen irgendwann mit einem mehr oder weniger großen Knall implodieren werden.

Die Sparte weitete im Quartal trotz der strengen Oberaufsicht von Larry Page und der knausrigen Buchhaltung von Finanzchefin Ruth Porat den operativen Verlust spürbar aus – von 660 Millionen Dollar im Vorjahresquartal auf 859 Millionen. Im gesamten Vorjahr gab es einen operativen Fehlbetrag von 3,6 Milliarden Dollar. In diesem Jahr geht es stramm auf die vier Milliarden Dollar zu, wenn keine durchgreifenden Verbesserungen erzielt werden.

Alphabet weiß, was sich hier zusammenbraut. Schon Anfang 2016 erklärte der Chef der X Labs in einem Blog-Eintrag, was das wahre Geheimnis des Erfolges ist: Die Projekte „killen“. Was nicht „fliegt“, wird kurzerhand zugemacht, wenn kein Durchbruch in Sicht ist. X Labs werde „vernünftig unvernünftig“ sein, versprach er Mitte Juli noch einmal.

Denn die Investoren könnten zunehmend nervös werden. Deshalb erfolgte bereits die Zerlegung des Konzerns in eine Holding, Alphabet, unter der die anderen Unternehmen wie Google angesiedelt sind. Nun liegen die Kosten der Zukunftsabenteuer transparent auf dem Tisch.

Die Struktur mit zwei getrennten Aktienstämmen, von der einer den Gründern praktisch die alleinige Steuerungsgewalt verleiht, ist zwar ein hervorragender Schutz gegen feindliche Übernahmen oder fordernde Aktionärs-Aktivisten. Aber selbst Giganten wie Apple mussten sich am Ende einem Carl Icahn beugen, der Sonderausschüttungen, Dividenden und ein gigantisches Aktienrückkaufprogramm verlangte und bekam.

Früher haben die Aktivisten die Tech-Aktien gemieden, sie waren volatil, schwer einzuschätzen und oft im Wachstumsmodus, der viel Geld verschlang. Aber Unternehmen wie Yahoo (30 Milliarden Dollar gebunden in Alibaba-Aktien), Apple (damals über 200 Milliarden Dollar Vermögen) oder auch Google sind Kandidaten für kurzfristig ausschüttungsorientierte Aktivisten. Sie fordern, natürlich nur zum Besten der anderen Aktionäre, eine Rückführung der angehäuften Gelder.

Das steht im Kleingedruckten bei Amazon, Facebook und Co.
Amazon Quelle: REUTERS
Apple Quelle: REUTERS
Deezer Quelle: dpa
Ebay Quelle: REUTERS
Facebook Quelle: dpa
Google Quelle: dpa
Microsoft Quelle: dpa

Die Story hinter Alphabet: ein extrem profitables Anzeigengeschäft, das Milliarden von Dollar pro Jahr in dubiosen Projekten versenkt, die man auch an die Aktionäre ausschütten könnte. Immerhin beläuft sich das liquide Vermögen des Konzerns jetzt auf 78 Milliarden Dollar. Das sind neun Milliarden mehr als ein Jahr zuvor.

Doch wenn das Cloud-Geschäft jetzt dafür sorgt, dass aus dem „One-Trick-Pony“ Google endlich ein „Zwei-Trick-Pony“ wird, sollten sich Aktivisten bei solchen Kurssteigerungen die Zähne ausbeißen.

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