Amazon Echo und Alexa im Dauertest Das soll die Zukunft sein?

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Welche Dienste kann ich mit Alexa nutzen?

Das Einrichten erfolgt via App und ist kinderleicht. Mittlerweile gibt es dutzende der "Skills" genannten nachladbaren Zusatzfertigkeiten aus verschiedenen Bereichen. Taxis lassen sich via MyTaxi ordern, Kochrezepte von Chefkoch.de oder Fahrpläne per Bahn-App abrufen. Letzteres funktioniert allerdings nur holprig. Mitunter ist es einfach deutlich schneller, die gewünschten Aufgaben in der jeweiligen App einzutippen - statt sich durch die teils mehrstufigen Sprachbefehls-Ebenen zu hangeln.

Wer seine Termine mit dem Kalender von Google oder Microsoft managt, kann die Dienste ebenfalls als Skills bei Alexa andocken. Das klappt recht zuverlässig.

Beliebt sind Nachrichtenangebote, die auf Befehl die aktuellsten Entwicklungen wiedergeben. Aus verschiedenen Quellen wie etwa die Tagesschau in 100 Sekunden, N-TV oder Kicker kann man sich schnell sein persönliches Programm basteln. Auch die WirtschaftsWoche ist mit ihrem Nachrichten-Angebot und einem Konzern-Karriere-Spiel vertreten. Der persönliche Nachrichtensprecher, aktivierbar über Sprachbefehle wie "Alexa, sag mit die aktuelle Nachrichtenlage", ist tatsächlich praktisch – und hilft dabei zumindest selber klüger zu werden.

Nützlich und absurd: Die Amazon Skills

Wirklich spannend wird das Befehlen erst, wenn andere smarte Geräte im Haus sind, die sich per Sprache steuern lassen. Kompatibel sind etwa bekannte Hersteller von smarten Heizungssystemen wie Tado und innogy SmartHome, Steckdosen von TP-Link und Beleuchtungssysteme wie Philips Hue und Osram Lightify. Auch da aber gilt: Mindestens bei komplexeren Wünschen geht die Konfiguration über die Original-App oft leichter und schneller.

Wie gut ist die Spracherkennung?

Für den Deutschlandstart des Echo hat sich Amazon Zeit gelassen. In den USA und Kanada vertreibt Amazon die Geräte schon länger mit großem Erfolg. In Deutschland hatten zunächst nur ausgewählte Kunden die Chance Echo und Alexa auf Einladung zu testen. Geräte gingen insbesondere an Interessenten, die aufgrund des Wohnortes einen starken Akzent oder ungewöhnliche Grammatik versprachen. Echo und Alexa musste schließlich noch Deutsch lernen – in allen Facetten.  Nun hält Amazon die Spracherkennung für markttauglich. Die Rückmeldungen der Testkunden hätten wesentlich früher als erwartet das angepeilte Zufriedenheitsniveau erreicht, heißt es aus dem Entwicklerkreis bei Amazon.

Bei aller gemessenen Zufriedenheit: Missverständnisse und Fehler mit unklarer Ursachen bleiben dennoch auch nach dem offiziellen Vertriebsstart nicht aus. Mitunter wird ein eben noch erkannter Befehl zum Licht ausschalten Sekunden später nicht mehr akzeptiert. Aus einem Sleeptimer machte Alexa einmal einen Wecker (besonders unschön, Anm. des Autors). Alles in allem aber klappt die Sprachsteuerung auf Hochdeutsch aber erstaunlich gut.

Für Verwirrung sorgt gelegentlich der Wechsel zwischen Deutsch und Englisch - zum Beispiel bei Musiktiteln: Wer das Lied "4-15-13" hören will, muss nach "Four-Fifteen-Thirteen von den Dropkick Murphys" suchen. Mit etwas Glück - aber längst nicht immer - versteht Alexa die Bitte und antwortet fröhlich mit: "Vier-Fünfzehn-Dreizehn von den Dropkick Murphys".

Meist kleinere Probleme also - die aber der angestrebten WIRKLICH natürlichen Kommunikation zwischen Mensch und Maschine weiterhin im Weg stehen.

Für größeres Aufsehen sorgte hingegen eine Panne in den USA: In einem TV-Beitrag fielen die Worte "Alexa, bestell mir eine Puppenstube". Der Amazon-Assistent fühlte sich angesprochen – und löste in zahlreichen Haushalten den Bestellvorgang aus.

Braucht man das Gerät wirklich?

Die Vernetzung ist prima, um Gäste zu beeindrucken. "Alexa, dimme das Licht im Wohnzimmer", kombiniert mit "Alexa, spiele Musik" hat Charme. Staunen der Gäste ist gewiss – bei Menschen mit Angst vor der Datenkrake übrigens auch Entsetzen. 

Auch "Alexa, setze die Temperatur im Wohnzimmer auf 23 Grad", klingt cool. Wirklich praktisch ist das aber nur selten. Wenn es schnell gehen soll, ist der Druck auf den Lichtschalter ohnehin meist die bessere Wahl. Und wer bereits eine smarte Heizung daheim hat, die beispielsweise auf An- und Abwesenheiten ihrer Nutzer automatisch reagiert, der muss die Temperatur selten anpassen – auch nicht per Sprache.

Eine grundsätzliche Warnung: Wer sich wegen des smarten Assistenten nun auch ein Smart Home basteln will, muss sehr schnell sehr viel zahlen. Schon für ein Starterpaket des Lichtsystems Hue mit drei LED-Birnen werden 170 Euro fällig. Und das ist wirklich nur der Anfang. Heizung, Steckdosen, Klimaanlagen, Überwachungssystem – für entsprechendes Geld kann im Haus inzwischen viel ferngesteuert und, dank Alexa, angesprochen werden.

Andererseits, wer beispielsweise bereits seinen Unterhaltungszoo aus Satelliten-Empfänger, Pay-TV-Decoder, Flachfernseher und Wohnzimmer-Sound-System über eine der lernfähigen Fernsteuerungen von Logitech koordiniert kann - mithilfe eines entsprechenden Alexa-Skills die ganze Schaltorgie nun tatsächlich über den einen oder anderen kurzen Sprachbefehl managen.

Viele der möglichen Alexa-Funktionen braucht niemand regelmäßig. Kleine Annehmlichkeiten, wie das Licht mit vollen Händen per Sprache anschalten und die Musik einschalten, beschert der Echo aber auf jeden Fall.

Und den Entertainment-Faktor spricht dem Echo-Alexa-Gespann niemand ab. Wieder gilt: Das Potenzial ist groß. Weitere Funktionen werden mit Sicherheit folgen. In den USA lässt sich darüber bereits Pizza ordern – und laut Medienberichten könnte bald auch das Telefonieren möglich sein.

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