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Amazon, Microsoft, SAP & Co. Der beherzte Marsch in die Internet-Wolke

Die Quartalsberichte mehrerer IT-Schwergewichte in dieser Woche zeigen: Die Transformation der Software-Branche in Richtung Cloud vollzieht sich rasant.

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Die Wolke steht symbolisch für Cloud Computing - Neudeutsch für Mietsoftware über das Internet. Quelle: dpa

Dass Cloud Computing – also die Bereitstellung von Mietsoftware per Internet-Zugriff – eines der heißesten Trendthemen der IT überhaupt ist, haben Marktbeobachter seit langem vorhergesagt: So prognostizierte etwa das amerikanische IT-Analyseunternehmen IDC erst Anfang Oktober, dass die weltweiten Umsätze allein mit Cloud-Infrastruktur – also Hard- und Software zur Bereitstellung von Cloud-Diensten – bis 2019 von heute fast 33 auf dann rund 53 Milliarden Euro wachsen sollen. Dies entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 15 Prozent.

Noch größer sind bereits heute die Umsätze mit sogenannten Public-Cloud-Diensten, das sind über das freie Internet nutzbare Dienste – im Gegensatz zu solchen in firmeninternen Intranets. Hier sollen die IT-Anbieter rund um den Globus laut IDC-Prognose in diesem Jahr bereits satte 70 Milliarden Dollar umsetzen.

Dass derlei Vorhersagen nicht, nun ja, aus der Luft gegriffen sind, hat sich in dieser Woche recht eindrucksvoll gezeigt: Gleich eine ganze Reihe von IT-Schwergewichten haben ihre jüngsten Quartalszahlen vorgelegt. Dabei eint Unternehmen wie etwa der Unternehmenssoftware-Anbieter SAP, der Office-Gigant Microsoft und der Internet-Händler Amazon auf den ersten Blick wenig. Bei Lichte betrachtet profitieren sie aktuell alle gemeinsam davon, früher als manche anderen Konkurrenten den Schwenk in Richtung Cloud vollzogen zu haben.

Das volle Potential der Cloud

Zum Beispiel SAP: Konzernchef Bill McDermott treibt den Wandel zum Cloud-Anbieter bereits seit Frühjahr 2014 energisch voran. Dazu zählen zum einen diverse milliardenschwere Übernahmen wie etwa SuccessFactors, Ariba und zuletzt Concur. Zum anderen aber auch der Um- und Abbau von Personal.

Im jüngst abgelaufenen dritten Quartal konnte McDermott erste Früchte seiner Bemühungen ernten. So kletterten die Cloud-Umsätze von SAP zwischen Juli und September um satte 116 Prozent auf nunmehr 600 Millionen Euro. Damit kommt das Geschäft mit der Internet-Wolke immerhin bereits auf einen Anteil von zwölf Prozent am Gesamtumsatz von SAP. Im dritten Quartal des Vorjahres waren es erst 6,5 Prozent.

Der Kampf um die deutsche Cloud geht in eine neue Runde

Oder Amazon: Die Bezos-Company gilt als einer der Pioniere im Cloud-Geschäft – bereits seit 2006 vermietet der Online-Händler eigene Rechnerkapazitäten in der Sparte Amazon Web Services (AWS). Bis heute gilt AWS als schnellstwachsendes Software-Geschäft in der IT-Geschichte überhaupt.

Ein Trend, der weiter anhält: Allein im dritten Quartal kletterte der AWS-Umsatz um fast 80 Prozent auf knapp 2,1 Milliarden Dollar. Mehr noch – die Sparte ist inzwischen hoch profitabel: So blieben bei AWS unterm Strich 521 Millionen Dollar operativer Gewinn hängen – anders ausgedrückt: Die operative Marge liegt nunmehr bereits bei 25 Prozent.

Ähnlich beachtliche Erfolge kann auch der Software-Gigant Microsoft verbuchen: Auch bei den Redmondern war das kommerzielle Cloud-Business im jüngsten Geschäftsquartal ein wichtiger Wachstumstreiber. So liegt die sogenannte „run rate“ in der Cloud-Sparte von Microsoft inzwischen bei stolzen 8,2 Milliarden Dollar. Diese Kennziffer beschreibt den Umsatz auf Sicht von zwölf Monate, der sich ergäbe, könnte das Unternehmen die Quartalserlöse in gleicher Höhe über das komplette Jahr fortschreiben. Mit diesem Wert würde Microsoft sogar den Erzrivalen AWS schlagen, dessen „run rate“ aktuell bei 7,3 Milliarden Dollar liegt.

IT



All dies zeigt, wie schnell wachsend – und letztlich auch lukrativ Cloud-Dienste für die IT-Branche insgesamt geworden sind. Wenig verwunderlich, dass sich auch andere Anbieter ihren Teil vom Kuchen abschneiden wollen. Erst gestern kündigte etwa die Deutsche Telekom eine umfassende Kooperation mit dem chinesischen Hardware-Hersteller Huawei an.

Die Zusammenarbeit soll der Telekom-IT-Sparte T-Systems im Konkurrenzkampf mit den Amerikanern helfen: So planen die Bonner insbesondere, dem großen Rivalen Amazon Kunden abzujagen. Auch der bereits seit längerem anhaltende Kampf speziell um die deutsche Cloud geht damit in eine neue Runde.

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