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Amazons Goldesel heißt Werner Vogels Dieser Mann bringt Jeff Bezos die Milliarden

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"Arschlöcher? Erdrücke sie mit Freundlichkeit."

Daran mangelt es ihm nicht. Vor 21 Jahren wanderte der Vater zweier erwachsener Töchter in die USA aus. Seit knapp zehn Jahren ist er Technologiechef von Amazon und damit wichtigster technischer Ratgeber von Bezos. Was allein schon eine Leistung ist. Denn der rastlose Multimilliardär gilt als anstrengend. Als jemand, der ständig Intelligenz und Kreativität seiner engsten Mitarbeiter hinterfragt und herausfordert. Vogels schätzt das. Amazon, so sagt er, „ist ein innovativer Konzern mit hohem Tempo, so eine Atmosphäre muss man natürlich mögen“. Da Bezos einen Abschluss in Informatik hat, verstehe er auch die technischen Dinge sehr genau. „Daher komme ich auch als Technikchef nicht so einfach davon“, witzelt Vogels.

Gut gelaunter Motorradfan

Vogels ist so blitzgescheit wie sein Chef, aber sympathisch, ungezwungen und nahbar, das freundliche Antlitz von Amazon. Er strahlt eine lässige Gemütlichkeit aus. Wie jemand, mit dem man gern nach Feierabend ein Bier trinkt und über seine Leidenschaften Fußball (Ajax Amsterdam), Musik (alles von Klassik bis Rock, seine Frau Annet musizierte einst mit der niederländischen Philharmonie) und Motorräder (BMW) debattiert. Dabei ist Vogels meist gut gelaunt oder gibt sich zumindest so.

Das mag an einer weiteren seiner vielen Lebensweisheiten liegen, die er freigiebig über den Kurznachrichtendienst Twitter (@werner) verbreitet. „Arschlöcher? Gemeine und negative Menschen? Erdrücke sie mit Freundlichkeit. Wirkt immer.“ Diese pragmatische Haltung hat ihn bisher vor Allüren bewahrt. Obwohl er längst ein Rockstar seiner Zunft ist. Oder in Vogels’ bescheidener Selbstbeschreibung „ein nach außen gewandter Technologe“.

Von ihm stammen größtenteils die technischen Grundlagen von AWS, vor allem die Kalkulationen zu Leistungsfähigkeit und Ausbau. Die Skalierbarkeit von Systemen ist sein Spezialgebiet, daran forschte er über zehn Jahre. Was spröde klingt, ist einer der wichtigsten Wettbewerbsvorteile von Amazon. Denn wenn Kunden wie Netflix auf einmal viel Leistung benötigen, schaltet der Cloud-Konzern blitzschnell seine Server zusammen. Die Nachfrage geschickt auf die Rechenzentren zu verteilen verbessert deren Auslastung und senkt die Kosten. Je mehr Computerpower vorhanden ist, desto besser klappt das. Größe zählt also doch. Der Kunde bezahlt nur das, was er wirklich benötigt.

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    Wegen dieser Expertise hatte Bezos Vogels von der Cornell-Universität abgeworben. Es lohnte sich für ihn. Im September 2004 als Forschungsdirektor eingestellt, wurde er schon im Januar 2005 zum Technologiechef befördert. Ein Jahr später startete Amazon seine Datenwolke, um vor allem kleineren Unternehmen via Internet flexiblen Zugriff auf Rechenleistung zu geben.

    Allmählich rücken Amazon die Wettbewerber auf die Pelle, vor allem Microsoft. Doch Vogels erweitert das eigene Angebot mit immer anspruchsvolleren und teureren Diensten, so wie jüngst zur Analyse riesiger Info-Mengen, Stichwort Big Data. Mit den so gewonnenen Einsichten können die Kunden neue Geschäftsideen entwickeln.

    Unruhestifter und Problemlöser

    Vogels versteht sich daher als kundiger Therapeut, der um die Welt reist und Konzernchefs aufmerksam lauscht, die durch das Internet ihr Geschäftsmodell bedroht sehen. Gemäß einer weiteren Weisheit Vogels: „Wir haben zwei Ohren und einen Mund. Mögen wir mehr zuhören und weniger reden.“

    So ist er Unruhestifter und Problemlöser in einem. „Ich sehe mich als Linderer von Schmerzen“, sagt er. „Denn“, so eine weitere seiner Erkenntnisse, „kein Server ist leichter zu verwalten als ein Server.“ Anders ausgedrückt: Am besten plagt man sich gar nicht erst mit eigenen Rechenzentren herum. So wie kaum noch jemand ein eigenes Kraftwerk für die Energieversorgung betreibt.

    IT



    Allerdings: „Viele Firmen haben in eigene Infrastruktur investiert, die wollen sie natürlich nicht so schnell aufgeben“, räumt Vogels ein. Computerpionier Michael Dell meint, dass es noch lange eine Kombination geben wird zwischen eigener Infrastruktur und öffentlicher Wolke. Schon um wichtige Daten zu schützen. Wenn dem so sei, werde sich Amazon anpassen, gibt sich Vogels gelassen. Letztlich werde aber alles in die Wolke wandern. Schon wegen des Internets der Dinge, das nahezu alle Gegenstände und Prozesse miteinander vernetzen wird und enorm viel Rechenleistung verlangt.

    Das Rezept gegen Datenklau ist für ihn, alle Informationen grundsätzlich zu verschlüsseln. All das bedeutet mehr Komplexität und mehr Schmerzen. Die Vogels mit seinen immer neuen Diensten in der Wolke lindern will. Oder das zumindest versprechen kann. Ein immerwährender Kreislauf – enorm gut für Amazons Geschäft.

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