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Analyse zum Computerpionier IBM kämpft an allen Fronten zugleich

Zum 14. Mal in Folge meldet der IT-Konzern sinkende Umsätze. Die Gewinnprognose für das gesamte Jahr wird zurückgeschraubt. Die Investoren macht das nervös – mit Ausnahme von Warren Buffett.

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IBM befindet sich in einem existenziellen Wandel. Quelle: dpa

San Francisco Wenn sich bis zum Börsenbeginn an der Wall Street am Dienstag nichts ändert, dann hat Warren Buffett mal wieder einen schlechten Tag gehabt. Kursverluste von bis zu vier Prozent bei IBM haben dem Orakel von Omaha dann locker eine halbe Milliarde Dollar gekostet.

Soviel Federn musste Buffetts Aktienpaket von rund 79,5 Millionen IBM-Aktien lassen, nachdem der Technologie-Oldie aus Armonk zum 14. Mal in Folge fallende Umsätze meldete. Der Einstandskurs seines IBM-Pakets liege um 170 Dollar, erklärte Buffett im August noch gegenüber CNBC „Squak Box“. Am Montag war sein Paket nachbörslich nur noch 142 Dollar pro Aktie wert.

Was für die meisten der Aktionäre so besorgniserregend ist: Die Gewinnprognose für das gesamte Jahr wird zurückgeschraubt. Der Betriebsgewinn pro Aktie wird sich laut IBM jetzt irgendwo zwischen 14,75 und 15,75 Dollar einpendeln. Bislang war die interne Vorgabe zwischen 15,75 und 16,50 Dollar. Die frühere Untergrenze ist also jetzt Obergrenze.

IBM-Chefin setzt auf Komplettumbau

IBM befindet sich in einem existenziellen Wandel. Daran lässt auch Vorstandschefin Ginni Rometty keinen Zweifel. Konkurrenten wie Amazons Cloud-Dienst AWS melden Wachstumsraten von 81 Prozent, während IBM-Großkunden ihre Aufträge für neue IT-Infrastruktur immer weiter hinauszögern. Der Umsatz brach um 13,9 Prozent weg.

China, einst Wachstumshoffnung, lahmt. Der Umsatz hier ist im Quartal um 17 Prozent eingebrochen, räumte Finanzvorstand Martin Schroeter im Analystengespräch ein. Die Stärke des Dollars belastet zudem die internationalen Umsätze.

Konsequenterweise setzt Rometty auf Komplettumbau. Während das verbliebene Hardwaregeschäft immer stärker zusammenstaucht wird, sind Wachstum bei Cloud-Computing, Datenanalyse und predictive Computing (voraussagendes Computing) Romettys erklärtes Ziel.

Für den selbstlernende Supercomputer Watson ist eine Karriere in der Gesundheitsbranche geplant. Er soll Ärzten und Krankenhäusern Diagnosen erleichtern und aufgrund der Analyse gigantischer Datenmengen bessere Therapien zusammenstellen. Im August wurde die Akquisition von Merge Healthcare für eine Milliarde Dollar angekündigt. Das Unternehmen ist Experte in der Auswertung von medizinischen Bilddaten, so wie Röntgenaufnahmen. Merge muss jetzt die junge Sparte Health Analytics stärken.


Der Weg ist noch weit für IBM

Grundsätzlich heißt die Richtlinie: „Weg von der Hardware“. Während Konkurrent Dell für 67 Milliarden Dollar den Speicherhersteller EMC übernehmen will, kann Rometty die Hardware nicht schnell genug loswerden. Die billigen X86-Server hat bereits Lenovo gekauft, nur noch Mainframes und teure Hochleistungsserver sind im Programm für alte Kunden.

Die Chipfertigung ging im Oktober 2014 in einer der bizarrsten Übernahme der Geschichte an Globalfoundries. Rometty zahlte dem Aufkäufer 1,5 Milliarden Dollar, damit er die Sparte überhaupt nimmt. Chips werden bei IBM nur noch entwickelt und dann an Lizenznehmer vermarktet. Neben der schwächelnden Wirtschaft in China und dem starken Dollar waren laut Finanzchef Schroeter Schwächen bei den Bereichen Speicherhardware und Beratung für die Umsatzflaute verantwortlich. Kunden, die in die Cloud wechseln haben kaum noch Beratungsbedarf für riesige Systemintegrationsprojekte, wie sie die Spezialität IBMs sind.

IBM, das ist jetzt praktisch nur noch Research, Beratung, deep learning mit Watson und Cloud. Wie bei den alten Weggefährten Microsoft und Oracle ist der Weg zu neuen Ufern aber nicht leicht. IBM kämpft gegen Amazon, Salesforce.com und auch Google: Gerade erst hat der Suchmaschinenriese angekündigt seine Geschäftskunden-Apps für alle Interessenten kostenlos abzugeben, solange sie noch bei anderen Anbietern unter Vertrag sind. Ein klarer Schuss gegen IBMs Lotus Notes und Microsofts Office 365.

Der IBM-Umsatz im dritten Quartal 2015 sank insgesamt stärker als von Analysten erwartet um 13,9 Prozent auf 19,28 Milliarden Dollar. Sie hatten im Schnitt auf 19,62 Milliarden gehofft. Das Nettoeinkommen lag mit 2,965 Milliarden Dollar zwar optisch gigantisch über den 18 Millionen im Vorjahr. Doch damals musste der Konzern eine einmalige Belastung von 3,3 Milliarden Dollar verkraften. Bereinigt um Sonderposten liegt der Nettogewinn im Quartal mit drei Milliarden Dollar um 14 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Die Geschäftsbereiche der „strategischen Imperative“, der strategischen Wachstumsfelder, wozu Cloud, Big Data oder Business-Analytics gehören, sind bereinigt um Währungseinflüsse um 27 Prozent gestiegen. Doch der Weg ist noch weit. Der reine Umsatz aus der „Cloud as a Service“ also dem Cloud-Service aus dem Web auf Bestellung, was vergleichbar wäre mit Amazons Cloud-Geschäft, erreichte im Quartal eine „runrate“ auf zwölf Monate gesehen von 4,5 Milliarden Dollar. Der vergleichbare Wert bei Amazon ist aber bereits 7,3 Milliarden Dollar.

Wie lange die Konsolidierung bei IBM dauern wird, ist also schwer abzuschätzen. Einen Aktionär schreckt das aber zumindest nicht ab: Warren Buffett. „Ich denke in langen Zeiträumen“, erklärte er im August CNBC. Dann wird er am Ende einen schönen Gewinn sehen bei seiner IBM-Position, ist seine Überzeugung. Doch was ist langfristig?

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