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Android-Alternative Harmony OS Huawei bringt Betriebssystem erst in den Fernseher

Harmony OS: Huawei bringt Betriebssystem erst in den Fernseher Quelle: AP

Mit einer eigenen Android-Alternative namens Harmony OS will sich Huawei unabhängiger von Google machen. Harmony OS soll in allen Arten vernetzter Geräte laufen können. Huawei startet aber mit dem Smart-TV.

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Das erste Gerät von Huawei mit seiner hauseigenen Android-Alternative Harmony OS wird ein vernetzter Fernseher sein. Der chinesische Konzern stellte das Gerät der Tochtermarke Honor am Wochenende zum Abschluss seiner Entwicklerkonferenz vor. Der Fernseher Honor Vision TV mit 4K-Auflösung hat eine Bildschirmdiagonale von 55 Zoll und läuft mit chinesischen Chips.

Huawei hatte sein Betriebssystem Harmony OS vergangene Woche vorgestellt und betont, dass der Konzern jederzeit in der Lage sei, damit Googles Android in seinen Smartphones zu ersetzen. Dem Unternehmen droht der Verlust des Zugangs zu Android, weil er von US-Präsident Donald Trump unter Hinweis auf Sicherheitsbedenken auf eine schwarze Liste gesetzt wurde. Die Android-Sperre wurde zunächst bis Ende August ausgesetzt – wie es danach weitergeht, ist offen.

Huawei betont, dass Harmony OS in allen Arten vernetzter Geräte laufen soll. Die Software soll genauso wie das Google-System quelloffen für alle zugänglich sein. „Wir wollen ein globales Betriebssystem etablieren, das nicht nur von Huawei genutzt wird“, sagte Huawei-Manager Richard Yu bei der Vorstellung.

Verzweigte Familie der Betriebssysteme


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China ist der größte Smartphone-Markt der Welt – und das US-Vorgehen gegen Huawei hatte dort vor dem Hintergrund des Handelskonflikts zwischen den beiden Ländern auch eine Patriotismus-Welle bei der Technik-Auswahl ausgelöst. So wäre es denkbar, dass auch andere chinesische Smartphone-Anbieter auf ein einheimisches Betriebssystem umsteigen. Huawei ist beim Smartphone-Absatz die weltweite Nummer zwei nach Samsung, unter anderem auch dank der starken Position im Heimatmarkt.

Ein neues Betriebssystem zu etablieren, ist aber eine extreme Herausforderung. Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, genügend App-Entwickler für die neue Plattform zu gewinnen. So ist selbst der Software-Gigant Microsoft in der Vergangenheit daran gescheitert, sein Windows-Betriebssystem für Smartphones erfolgreich zu machen. Die App-Entwickler fokussierten sich auf iOS und Android. Andere Alternativen wie Firefox OS, webOS von Palm/HP oder das Blackberry-System wurden aus dem Markt gedrängt.

Ein zusätzliches Problem für Huawei im Westen wäre auch der Verlust des Zugangs zu vorinstallierten Google-Diensten auf den Smartphones, die in den USA und Europa populär sind. Denn hierzulande werden die Android-Geräte nahezu immer mit Apps wie Google Maps oder Gmail verkauft.

Harmony OS ist auch insofern ein Neuanfang, dass es im Gegensatz zu den meisten heutigen Plattformen nicht auf Betriebssystemen wie Unix oder Linux basiere, betonte Huawei. Der Konzern entwickelte es mit der Vision, dass die Software auf dem Geräte selbst relativ schmal sein kann, während ein großer Teil der Arbeit über schnelle Netze an Rechenzentren abgegeben wird. Harmony OS repräsentiere damit wahrhaft die nächste Generation von Betriebssystemen „für alle Szenarien“, schwärmte Yu.

Huawei will die App-Entwickler aber unter anderem damit locken, dass das Harmony-Betriebssystem übergreifend auf verschiedensten Geräten laufen kann und diverse Programmiersprachen unterstützt. Laut Yu begann die Entwicklung von Harmony bereits vor zwei Jahren. Medienberichten zufolge war das System zunächst für vernetzte Technik im sogenannten Internet der Dinge gedacht.

Huawei war von Trump Mitte Mai unter Hinweis auf Sicherheitsbedenken auf eine schwarze Liste gesetzt worden. Damit wurde dem Unternehmen der Zugang zu Technologie von US-Konzernen und dem amerikanischen Markt weitgehen versperrt. Die Aussicht, dass Huawei-Smartphones keine Updates des Android-Betriebssystems von Google mehr bekommen, erschwerte zeitweise auch die Verkäufe in Europa – auch wenn sich das Absatz inzwischen nach Angaben des Konzerns weitgehend erholt hat.

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