Anhaltender Kundenschwund Preiskampf im Mobilfunk setzt Vodafone zu

Auf dem deutschen Mobilfunkmarkt kämpft Vodafone um seine Stellung in der Branche und gegen den anhaltenden Kundenschwund. Der Wettbewerb drückt auf die Erlöse. Milliarden-Investitionen sollen die Wende bringen.

Das sind die besten Mobilfunknetze
Platz 4: E-Plus, BASE, SimyoE-Plus hat auch im jüngsten Test der „Chip“ abermals das mit Abstand schlechteste Netz – daran hat bislang auch die „umfassendste Netzausbauinitiative der Unternehmensgeschichte“ nichts geändert, die E-Plus nach dem Desaster des Netz-Tests von 2011 versprochen hatte. Beim Telefonieren schnitt das E-Plus-Netz dagegen nicht ganz so schlecht ab – immerhin Platz drei. Düster sieht es jedoch bei der Datennetzqualität aus. E-Plus erreicht im Chip-Test 42,3 – das ist die Note 4,7 und damit klar mangelhaft. Auch die Gesamtwertung für Internet und Sprachqualität fällt mit 53,8 Punkten und der Note 3,9 nicht besser aus. E-Plus bleibt das mit großem Abstand schlechteste Netz Deutschlands. Um das herauszufinden waren die Tester mehrere Wochen lang zu Fuß, im öffentlichen Nahverkehr, mit dem Auto und im Zug unterwegs, um möglichst realistische Ergebnisse zu erhalten. Noch nicht berücksichtigt wurde das LTE-Netz, bei dem der Aufbau noch andauert. Neben E-Plus selbst nutzen unter anderem die Marken BASE, Simyo, Blau, Aldi Talk, Ay Yildiz und n-tv Go in Deutschland das E-Plus-Netz. Quelle: dpa
Platz 3: Telefónica O2O2 gibt im Test der „Chip“ ein gemischtes Bild ab: Während sich die Münchener bei der Sprachqualität verbessern konnten, schnitten sie bei der Qualität der Internet-Verbindung mehr als zehn Punkte schlechter ab als 2011 – Smartphone-Boom sei Dank. Allerdings wurden auch die Testkriterien für das mobile Internet verschärft. Beim Telefonieren erreicht O2 mit 73,2 Punkten Platz zwei und die Note 2,6. Beim mobilen Internet erreicht O2 nur 52,6 Punkte und damit Note 3,9. Der Abstand zu Deutscher Telekom und Vodafone ist damit in der Gesamtwertung gewachsen. Den dritten Platz erreicht O2 mit einer Gesamtwertung von 62,1 Punkten. O2 ist dabei vor allem in Regionen außerhalb der Innenstädte schwach. In dünn besiedelten Gebieten gelang es den Testern im Schnitt nur in der Hälfte der Fälle, eine normale Website unter 40 Sekunden aufzurufen. Die deutlich verschlechterte Datenqualität bei O2 hat auch schon Nutzer-Proteste provoziert. Unter http://wir-sind-einzelfall.de haben sich bereits mehrere Tausend Nutzer über die schlechte Datenqualität beschwert. Neben O2 nutzen auch die Marken Fonic, Klarmobil, Lidl Mobile, Tchibo, Simply, Türk Telekom und bestimmte Tarife von DiscoTel und DiscoPlus das O2-Netz. Quelle: dpa
Platz 2: VodafoneVodafone spielt bei der Internet-Netzqualität in Deutschlands Premium-Liga mit – das Gesamtergebnis ist mit weitem Abstand besser als bei E-Plus und O2. Während der drittplatzierte O2 im Vergleich zum Netztest von 2011 zurückgefallen ist, konnte Vodafone sich verbessern. In der Gesamtwertung erreicht Vodafone 71,9 Punkte und damit die Note 2,7. Allerdings zeigt sich bei Vodafone ein sehr gemischtes Bild: Bei keinem anderen Netzanbieter schlugen so viele Anrufversuche im Testzeitraum fehl, was mit Netzproblemen in der Stuttgarter Fußgängerzone während des Tests zusammenhängt. Auch wenn diese nicht in die Wertung eingeflossen wären, hätte Vodafone bei der Telefon-Netz-Qualität von allen Anbietern am schlechtesten abgeschnitten. Vodafone fiel vor allem durch besonders viele Aussetzer bei der Sprachqualität von Telefonaten auf. Beim mobilen Internet glänzt Vodafone dagegen. Trotz verschärfter Testkriterien konnte sich Vodafone hier um fünf Punkte verbessern – und rückt damit in die Nähe der Telekom. In ganzen 96 Prozent der Fälle gelang es, eine Website innerhalb von 40 Sekunden vollständig zu lohnen – über alle Regionen in Deutschland verteilt. Das Vodafone-Netz gibt es unter anderem auch unter den Marken DiscoTel (nur bestimmte Tarife), Edeka Mobil, Fyve, Tui, Bildmobil und Otelo. Quelle: dpa
Platz 1: Deutsche Telekom/CongstarWie bereits im Vorjahr kennt der Netztest der „Chip“ einen klaren Sieger: Die Telekom erreicht bei Internet- wie Sprachqualität den Spitzenplatz. Satte 80,2 Punkte erreicht die Telekom in der Gesamtwertung, das reicht für die Gesamtnote 2,2. In der Stadt wie auf dem Land waren Sprachqualität und Empfang für das Telefonieren gleichermaßen überzeugend. Nur in der Härtedisziplin Zugfahren sahen die Messergebnisse deutlich schlechter aus – allerdings immer noch deutlich besser als bei allen Konkurrenten. Auch beim mobilen Internet konnte sich die Telekom gegenüber dem guten Vorjahreswert nochmals etwas verbessern. Nur beim Upload ist Vodafone in Innenstädten etwas schneller. In allen anderen getesteten Regionen kann die Telekom Vodafone aber nach wie vor ausstechen. „Die Telekom führt das Feld in fast allen Einzelwertungen an und zeigt über alle Messungen hinweg eine bessere Erfolgsquote als die Konkurrenten“, schreibt die „Chip“. Die Nutzung des Telekom-Netzes muss übrigens nicht teuer sein: Die Telekom-Tochter Congstar nutzt ebenfalls das Telekom-Mobilfunknetz wie unter anderem die Discounter billiger.de, Callmobile, Ja Mobil, PennyMobil und Turkcell. Quelle: dpa
Schwachstelle ZugFazit des Tests über alle Anbieter hinweg: Der Boom bei Smartphones und Tablet-Computern macht den Mobilfunknetzen zu schaffen. „Die Netze werden immer voller, die Zuverlässigkeit sinkt“, berichtete die Zeitschrift. Im mobilen Internet sind mehr Verbindungsabbrüche festgestellt worden als im Vorjahr. Zudem gibt es dem Test zufolge immer noch Regionen, die nur schlecht an die Mobilfunknetze sind. Das spüren besonders die Fahrgäste der Bahn und die Bewohner von vergleichsweise gering besiedelter Regionen. Hier gibt es die Hoffnung, dass die neuen Mobilfunknetze mit dem schnellen LTE-Standard für Verbesserungen sorgen. Bei allen Netzbetreibern hat es im Vergleich zum Vorjahr mehr Probleme beim Telefonieren im Zug gegeben. „Gerade in Regionalbahnen gleichen Telefongespräche oftmals einem Glücksspiel“, schreiben die Tester. Alle Details des Tests finden Sie auf chip.de. Quelle: dpa

Der Branchenriese Vodafone fällt auf dem deutschen Mobilfunkmarkt in der Gunst der Kunden zurück. Aufgrund eines anhaltenden, erbitterten Preiswettbewerbs sind die Erlöse um 10 Prozent geschrumpft, teilte Vodafone Deutschland am Donnerstag in Düsseldorf mit. Im reinen Mobilfunkgeschäft lagen die Einbußen bei 8 Prozent. Einschließlich des Festnetzgeschäfts und der Erlöse beim Kauf von Kabel Deutschland lag der Umsatz im Zeitraum September bis Ende Dezember 2013 bei 2,6 Milliarden Euro.

Vodafones britischer Mutterkonzern hat in seinem Europageschäft mit einer Flaute zu kämpfen. Neben Deutschland sanken die Umsätze auch in Italien und dem Heimatmarkt Großbritannien. Vodafone Deutschland ist die wichtigste europäischen Tochter des britischen Mobilfunkriesen.

Der Chef von Vodafone Deutschland, Jens Schulte-Bockum, zeigte sich dennoch zuversichtlich: „Die Talsohle ist durchschritten“. Vodafone gewinne so viele Kunden wie seit zwei Jahren nicht mehr. So erhöhte sich im dritten Quartal die Zahl der Vertragskunden um 123.000 gegenüber den vorigen drei Monaten. Insgesamt lag die Zahl aller Vodafone-Kunden Ende 2013 mit 32,2 Millionen um 1,7 Millionen unter der entsprechenden Zahl des Vorjahres. Dabei seien aber viele inaktive Kunden ausgebucht worden. Marktführer T-Mobile hatte Ende September vergangenen Jahres knapp 38 Millionen Teilnehmer in seinem Netz. E-Plus meldete vor wenigen Tagen den Anstieg auf 25 Millionen.

Schulte-Bockum will den Negativtrend nun mit milliardenschweren Investitionen brechen. In den nächsten zwei Geschäftsjahren sollen knapp 4 Milliarden Euro in Netzausbau und Service in Deutschland fließen. Besser und schneller werden sollen die Netze nicht nur in den 100 größten deutschen Städten, sondern auch entlang aller Autobahnen und auf 25.000 Kilometer entlang des Schienennetzes. Auch ein breitere Tarifauswahl sollen helfen, Vodafone auf Kurs zu bringen.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Insgesamt verbuchte der Vodafone-Konzern im dritten Quartal einen Umsatzrückgang von 4,8 Prozent in seinem Kerngeschäft. Der Umsatz für die drei Monate sank auf 9,8 Milliarden britische Pfund (11,8 Milliarden Euro). Dabei mussten die Briten vor allem in Italien Federn lassen, wo die Erlöse um 16 Prozent schrumpften. Wie das Unternehmen in London mitteilte, waren dagegen die Zahlen in der Türkei mit knapp 4 Prozent und in Indien mit mehr als 13 Prozent positiv. Trotz Umsatzeinbußen bekräftigte Vodafone seine Ergebnisprognosen. Danach soll der bereinigte operative Gewinn am zum Ende des Geschäftsjahres am 31. März bei rund 5 Milliarden Pfund liegen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%