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Anleger enttäuscht von Quartalszahlen Twitter-Aktie stürzt ab

Spärliches Nutzerwachstum verschreckt Aktionäre. Ist der Kurznachrichtendienst doch nur ein Nischenprodukt?

Das Twitter-Logo ist an der NYSE zu sehen. Die Aktie rauschte nach Bekanntgabe der Geschäftszahlen nach unten. Quelle: REUTERS

So spektakulär Twitter im November beim Börsengang gestartet war, umso steiler ging es am Mittwoch nach der Vorlage der ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen nach unten. Nach Börsenschluss fiel die Aktie des Kurznachrichtendienstes um bis zu 18 Prozent – ein minus von etwa sechs Milliarden Dollar beim Börsenwert.

Anleger verschreckt, dass Twitter bei den Nutzerzahlen im vergangenen Quartal kaum zulegen konnte – und das trotz der weltweiten Schlagzeilen um den fulminanten Börsengang. Demnach kamen nur rund neun Millionen neue Nutzer hinzu, davon in den USA eine Million. Das ist das geringste Wachstum seit Bestehen. Insgesamt hat das Unternehmen nun weltweit 241 Millionen Nutzer, davon 54 Millionen in den USA. Facebook hat derzeit rund 1,2 Milliarden Nutzer weltweit. Auch die Zahl der sogenannten Timeline Views, die misst, wie stark Twitter Botschaften wahrgenommen werden, fiel um sieben Prozent gegenüber dem vorangegangenen Quartal. Schlecht für die Preise von Anzeigen, die Twitter verlangen kann.

Die US-Nutzerzahl ist besonders wichtig, weil Twitter in seinem Heimatland dank höherer Anzeigenraten wesentlich mehr pro Nutzer umsetzt – derzeit 2,89 Dollar pro Quartal versus 34 Cents bei der internationalen Klientel. Spärliches Wachstum bei den US-Nutzerzahlen wirkt sich deshalb überproportional auf den Umsatz aus.

Doch den Abgesang auf Twitter zu starten, wäre verfrüht. In der Hoffnung auf gute Quartalszahlen hatten Anleger die Aktie in den vergangenen Tagen auf 66 Dollar hochgeboten und den Börsenwert auf 36 Milliarden Dollar getrieben. Das entspricht mehr als dem 32-fachen seines für 2014 erwarteten Umsatzes von etwa 1,2 Milliarden Dollar. Facebook und Google wirken dagegen preiswert. Facebook wird für das 14-fache des prognostizierten Jahresumsatzes von 11 Milliarden Dollar gehandelt, Google etwa das Fünffache des Umsatzes von 70 Milliarden Dollar.

Hinzu kommt, das Mitte Februar und Anfang Mai Haltefristen für Twitter-Mitarbeiter und Management auslaufen und somit weitere rund 450 Millionen Aktien frei handelbar werden. Der Wind bläst also der Twitter-Aktie entgegen. Negative Nachrichten drücken so umso stärker auf den Kurs.

Börsenrummel schiebt Twitters Anzeigengeschäft an

Twitter-CEO Dick Costolo Quelle: AP

Das Paradoxe ist, dass Twitter-Chef Dick Costolo bis auf den schwächelnden Nutzerzuwachs und die schwindenden Timeline Views gute Zahlen beim Umsatz vorlegen konnte. Im Jahresendquartal setzte sein Unternehmen 243 Millionen Dollar um, ein stolzes Plus von 116 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Analysten hatten nur mit 218 Millionen Dollar gerechnet. Zumindest bei den Anzeigeneinnahmen konnte Twitter also vom Börsenrummel profitieren. Der Umsatz pro internationalen Nutzer stieg von 23 Cent auf 34 Cent, in den USA von 2,10 Dollar auf 2,89 Dollar. Dieser kräftige Anstieg kaschierte das spärliche Wachstum bei den Nutzerzahlen. Für das laufende Jahr stellt Costolo einen Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar in Aussicht. Beobachter erwarten sogar 1,4 Milliarden Dollar.

Doch das ändert nichts daran, dass Twitter immer noch mehr Geld verliert als es einnimmt – im Gegensatz der Konkurrenz von Facebook, Google und Yahoo, mit denen der Kurznachrichtendienst um Werbekunden konkurriert.

2013 waren es 645 Millionen Dollar Verlust bei einem Umsatz von 665 Millionen Dollar, im Jahr davor 79 Millionen Dollar Miese bei einem Umsatz von 316 Millionen Dollar. Die kräftige Steigerung beim Verlust liegt jedoch vornehmlich an den Kosten für Mitarbeiteraktien, die 521 Millionen Dollar ausmachten. Allerdings sind auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung deutlich gestiegen. Sie haben sich von 119 Millionen in 2012 auf 594 Millionen Dollar verfünffacht. Und dort wird Costolo wohl nachlegen müssen, um die Nutzerzahlen mittels attraktiverer Funktionen anzukurbeln. „Wir werden ein Twitter entwickeln, das für jedermann verständlich ist“, versprach Costolo im Gespräch mit Analysten.

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Bislang warb Twitter damit, bei den Nutzerzahlen noch kräftig Raum zum Wachsen zu haben. Doch es mehren sich Zweifel, wie attraktiv der Kurznachrichtendienst für die breite Allgemeinheit ist und es nicht doch eher um ein Nischenprodukt handelt.

Stimmt letzteres, würde das die Attraktivität der Plattform für Werbekunden schmälern und Twitter Wachstumsprobleme bereiten. Denn neunzig Prozent des Umsatzes wird mit Werbung erzielt.

Costolo muss also mit neuen Diensten aufwarten. Und gleichzeitig die Werbekunden hofieren. Einer handverlesenen Gruppe von Marketingchefs großer US-Konzerne hatte er jüngst Kommunikationskanäle mit ihren Kunden versprochen, die diese besser managen können.

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