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Apfel-Design Patentprozess legt Apple-Geheimnisse offen

Im kalifornischen Patentprozess von Apple und Samsung spielt die juristische Schlacht bisher eher eine Nebenrolle. Viel interessanter ist die einzigartige Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen von Apple zu werfen.

Ein Bild aus dem Patentprozess: Samsungs Anwalt Bill Price befragt Apples Marketing-Chef Phil Schiller im Zeugenstand. Quelle: REUTERS

Apple war seit Jahren nicht nur eines der erfolgreichsten Unternehmen der Welt, sondern auch verschlossen wie kaum ein anderes. Die Designabteilung ist ein Hochsicherheitstrakt, die Mitarbeiter erzählen einander nicht, woran sie arbeiten, jedes Produkt soll bis zur großen Vorstellung ein Mysterium bleiben - so führte es der geheimniskrämerische Gründer Steve Jobs ein. Doch jetzt lüftet der Patentprozess gegen Samsung ein Apple-Geheimnis nach dem anderen und schafft einige Mythen aus der Welt.

100 Seiten Bilder von iPhone- und iPad-Prototypen sind jetzt allgemein zugänglich und zeigen, wie mühsam sich die Apple-Designer zur endgültigen Form der Geräte durchgekämpft haben. Man weiß nun, dass Apple sehr wohl wie alle anderen auch Kundenbefragungen durchführt, anstelle den Nutzern mit einem Anflug von Arroganz das vorzusetzen, was man für richtig hält. Und dass der Konzern in Wirklichkeit schon über ein kleineres iPad nachdachte, als Jobs Geräte dieser Größe grundsätzlich zu „Totgeburten“ erklärte.

Wie das iPhone entstanden ist
Der Patentstreit zwischen Apple und Samsung führte dazu, dass Apple Prototypen und Skizzen aus der Entstehungsgeschichte des iPad und iPhones bekannt gegeben hatte. In der Entstehungsgeschichte dieser Geräte hatte Apple deutlich innovativere und bessere Zeiten erlebt. Quelle: dpa
Der südkoreanische Konkurrent habe die bewusste Entscheidung getroffen, die Apple-Geräte im Detail zu kopieren, sagte Anwalt Harold McElhinny in der Eröffnungs-Erklärung. Als Beleg demonstrierte er den Geschworenen Fotos von Samsung-Geräten vor und nach der Vorstellung des iPhone.
Die Südkoreaner konterten, Apple habe iPhone und iPad auf fremden Ideen aufgebaut und das Design sei gar nicht so innovativ gewesen. Als Beispiele nennen die Südkoreaner unter anderem das zeitgleich vorgestellte „Prada“-Handy von LG und haben sich zuletzt besonders auf eine angebliche Sony-Spur eingeschossen. Im Februar 2006 soll Apple Manager Tony Fadell Steve Jobs und Apple-Chefdesigner Jonathan Ive auf Sonys Designsprache aufmerksam gemacht haben, in der Folge sei der japanische Designer Shin Nishibori mit der Gestaltung von Entwürfen beauftragt worden.
Im Prozess wurden auch viele Prototypen von Apple gezeigt - ein interessantes Detail ist der iPod-Schriftzug darauf.
Als erster Zeuge erzählte Apple-Designer Christopher Stringer, der Kern des Design-Teams sei nur etwa 15 Personen stark und entwickele neue Ideen gemeinsam an einem großen „Küchentisch“.
Das iPhone zu konstruieren und zu bauen sei eine erhebliche technische Herausforderung gewesen, sagte er. Dabei seien viele Ideen verworfen worden, bis schließlich eine „perfekte“ Form gefunden worden sei.
Ein besonders stark abweichender Entwurf ist dieser achteckige Prototyp.

E-Mails von Steve Jobs

Die Informationen stammen aus den Unmengen an Material, das Apple im Zuge des Verfahrens an Samsung übergeben musste. Allein von Jobs sind mehr als 2000 E-Mails darunter - was die Anwälte der Südkoreaner für immer noch zu wenig halten.

Jetzt gelangen sie über Samsung als Beweismittel in die Prozess-Unterlagen, die in den USA grundsätzlich offen zugänglich sind.

Die Seiten versuchten zwar, die Papiere großzügig für vertraulich erklären zu lassen, scheiterten aber an Richterin Lucy Koh und einem Antrag der Nachrichtenagentur Reuters. Samsung will mit den gezielt platzierten Apple-Informationen belegen, dass der US-Rivale auch die Konkurrenz im Auge behalte und sich bei iPhone und iPad von fremden Design-Ideen inspirieren ließ.

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