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App in die Fabrik Jetzt entern die IT-Konzerne das App-Geschäft

IT-Konzerne wie IBM und SAP rollen das bisher von Entwicklern und Kreativen dominierte Geschäft mit Anwendungen für Mobilgeräte auf. Business-Apps gelten aktuell als eines der heißesten Themen der Branche.

Mit der App in die Fabriken: Business-Apps gelten aktuell als eines der heißesten Themen der Branche. Quelle: Getty Images

Die 400 Service-Techniker, die im Auftrag von Coca-Cola in Deutschland mehr als 250.000 Kühler und Zapfanlagen warten, bekommen alle Infos über Wartungen, Ersatzteile und Reparaturen per App auf einem Android-Gerät.

Rund 1200 Verkaufsmitarbeiter des Getränkeriesen bekommen per iPad-App Routenvorschläge und sehen in einer Art digitalem Cockpit die relevanten Kundeninformationen auf einen Blick. Und mehrere Hunderttausend Verkaufsstellen von Coca-Cola können ihre Bestellungen jetzt per App im E-Commerce-Portal aufgeben. Früher flatterten jeden Tag zwischen 14.000 und 17.000 Bestellungen per Fax oder telefonisch ins Unternehmen – die Coca-Cola-Mitarbeiter mussten die Daten dann noch einmal gesondert in die Informationstechnik-Systeme eingegeben.

Der mit einem Tagesabsatz von rund zehn Millionen Litern größte Getränkeanbieter hierzulande hat seine IT seit 2013 radikal umgebaut – und setzt dabei insbesondere auf Smartphone- und Tablet-Apps: „Unsere Vision ist, dass relevante Informationen die richtigen Mitarbeiter finden und nicht Mitarbeiter aufwendig nach Informationen suchen müssen“, sagt Marcus Franke, Leiter Informationstechnik von Coca-Cola Deutschland in Berlin.

So werden die fünf bekanntesten Büro-Apps bewertet
EvernoteEin neues Tool misst die Zufriedenheit der User mit verschiedenen Apps. Dazu werden bestimmte Qualitätsstandards wie Inhalt, Eleganz, Kompatibilität, Preis, Datenschutz zusammengefasst. Für jede Kategorie wird schließlich ein Score ermittelt. Ein Algorithmus filtert wertvolle Bewertungen und Rezensionen nach Schlüsselattributen. Ziel dahinter ist es, Unternehmen und Entwicklern aufzuzeigen, wie die App beim Nutzer ankommt und sie gegebenenfalls zu optimieren. Evernote schneidet im Vergleich beispielsweise gut ab. Allerdings nur bei Android Nutzern. iOS-Nutzer bewerten die App durchschnittlich. Der allgemeine Applause Score liegt unter iOS-Nutzern bei 66 von 100 Punkten. Am besten schneidet die Kategorie Datenschutz ab. Bei einem Score von 73 Punkten ist das der beste Wert. Das Erscheinungsbild der App überzeugt die Nutzer allerdings nicht sonderlich. Hier liegt der Score lediglich bei 51 Punkten. Android-Nutzer sind mit der App Evernote hingegen ziemlich zufrieden, worauf ein Applause Score von 80 Punkten schließen lässt. Keines der analysierten Attribute verhält sich auf einem unterdurchschnittlichen Stand. Mit einem Score von 80 schneidet die App auch in Punkto Eleganz überdurchschnittlich ab. Quelle: Screenshot
WunderlistJe nach App wird die Relevanz der einzelnen Kategorien unterschiedlich hervorgehoben. Wunderlist bietet beispielsweise hohe Scores in den Kategorien Usability und Performance, was auch nicht sonderlich unwichtig im Bereich der Büro-Organisation ist. Insgesamt schneidet Wunderlist recht gut ab. Der generelle Score liegt bei iOS-Nutzern bei 75. Bei Android-Nutzern pendelt sich der Wert auf 67 ein. Sicherheitsbedenken der Anwender sollten die Betreiber der App allerdings nachdenklich stimmen. In beiden Fällen liegen die Score-Werte jeweils deutlich unter dem Durchschnitt. In Sachen Kompatibilität sind sich beide Nutzer-Gruppen einig: der Score liegt hier jeweils bei 58 Punkten und ist recht dicht am Durchschnittswert angesiedelt. Das Preis-Leistungsverhältnis wird von beiden Nutzern als ausreichend bis gut eingeschätzt. Quelle: Screenshot
Any.doAny.do ist unter den iOS-Nutzern die Büro-App mit dem höchsten Applause Score insgesamt. Er liegt hier bei 77 Punkten. Dicht dahinter folgt die App Wunderlist mit 75 Punkten. Bei Android-Nutzern ist Any.do mit 65 Punkten im guten Mittelfeld angesiedelt. Die Scores der einzelnen Kategorien verhalten sich in Bezug auf Performance, Zufriedenheit und Usability bei beiden Anwendungen über den Durchschnittswerten. Nur der Preis fällt sowohl bei iOS und Android weit zurück. Im Gegensatz zu 66 für iOS und 67 für Android erreicht der Score beider Anwendungen jeweils nur 46 Punkte. Quelle: Screenshot
Google DriveDie App Google Drive besticht nun nicht sonderlich durch allgemeine Zufriedenheit der Nutzer, wie die Analysen von Applause Analytics verraten. Der generelle Score für iOS liegt bei 47, für Android mit 60 ein wenig höher. Nutzer iOS-Anwendungen sind mit der Sicherheit der App gar nicht zufrieden. Hier gibt es anscheinend erheblichen Verbesserungsbedarf, wenn man sich den Score von 14 anschaut. Angemerkt sei auch die große Kluft im Verhältnis zu Android-Nutzern. Hier liegt der Score von 54 sogar über dem Durchschnitt. Der durchschnittliche Applause Score für Apps in Deutschland liegt für iOS bei 64.37, für Android bei 67.59. Die Zahl der durch Applause Analytics untersuchten Apps in Deutschland liegt für iOS bei 1.054.934, für Android wurden 1.615.071 Apps untersucht. Insgesamt hat Applause Analytics 6.993.748 Rezensionen von iOS-Anwendern und 10.315.650 Rezensionen von Android-Nutzern untersucht. Quelle: Screenshot
Microsoft OneNoteDie App Microsoft OneNote erfüllt die Erwartungen der Nutzer in vielerlei Hinsicht nicht und bildet somit das Schlusslicht der fünf bekanntesten Büro-Apps. Der generelle Applause Score für iOS liegt bei 56, für Android bei 44. Besonders der Sicherheits-Faktor ist hier wieder auffällig. Die Scores liegen bei iOS-Usern bei 29, durchschnittlich erhält diese Kategorie jedoch einen Score von 54. Im Falle von Android sieht die Bilanz nicht besser aus. Der Score von 24 liegt zur Hälfte unter dem Durchschnittswert von 48.   Da Analytics lediglich Werte ausgibt, die auf Basis aussagekräftiger Rezensionen und einer Fülle von Bewertungen gemacht werden können, sind fehlende Daten zu bestimmten Attributen kein Hinweis auf Fehler. Im Fall von Microsoft OneNote wurde beispielsweise von Android-Nutzern nicht ausreichend Information zur Eleganz gegeben. Der Vergleich verschiedener Apps könnte dem User mit Hilfe von Applause Analytics wesentlich leichter fallen. Quelle: Screenshot

Der Neue Mega-Trend in der App-Industrie

All die verschiedenen Coke-Apps basieren auf einer Software des Anbieters Salesforce. „Es gibt vermutlich keinen Anbieter, der bereits so viele mobile Apps auf den Markt gebracht hat wie wir“, sagt Sales­force-Europachef Joachim Schreiner.

Damit ist Salesforce einer der Vorreiter eines neuen Mega-Trends in der App-Industrie. Bislang dominieren im Geschäft mit den Miniprogrammen für Smartphones und Tablets vor allem Anwendungen für Endkunden – von Spiele-Apps über Navigationsprogramme bis hin zu digitalen Fotoalben. Nun setzen sich auch Apps für Geschäftskunden durch. „Business-to-Business-Apps sind aktuell eines der heißesten IT-Themen“, sagt Lynn Thorenz, Research Director beim IT-Analysehaus IDC in Frankfurt.

Und der Trend bringt neue Player ins Spiel: Waren Apps für Privatkunden die Domäne von kleinen Entwicklern und Kreativen, rollen bei Business-Apps jetzt IT-Riesen wie IBM, SAP oder Salesforce den Markt auf. Das hat sich in der vergangenen Woche erneut gezeigt: Für einen Betrag zwischen 100 und 200 Millionen Euro übernimmt Microsoft das Berliner Startup 6Wunderkinder. Dessen populäre App für To-Do-Listen namens Wunderlist richtet sich vor allem an Geschäftskunden. Grund für das Vorpreschen der Konzerne: Sie verfügen über die notwendige Expertise, um solche Profi-Apps mit den im Hintergrund laufenden Systemen der jeweiligen Unternehmens-IT zu verknüpfen.

Die größten Softwarehersteller der Welt
Platz 10: Salesforce.comCEO Marc R. Benioff schafft es mit Salesforce gerade eben in die Top Ten der umsatzstärksten Softwareunternehmen. Die Firma setzte 2013 3,8 Milliarden Dollar mit Software um. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 33,3 Prozent und macht das Unternehmen zum wachstumsstärksten innerhalb der Top Ten - damit ging es um zwei Plätze nach oben. Salesforce.com bezeichnet sich selbst als Pionier für Cloud Computing im Bereich Geschäftsanwendungen und wirbt damit, dass Unternehmen so die Kosten etwa für Hardware und IT-Management reduzieren können. Salesforce.com wurde 1999 aus der Wiege gehoben und sitzt in München, Düsseldorf und Darmstadt. Datenquelle: Erhebung der Umsatzzahlen von Gartner Quelle: REUTERS
Platz 9: CA TechnologiesEinen Platz abwärts ging es für CA Technologies. Mit 4,2 Milliarden Dollar Umsatz mit Software-Verkäufen 2013 liegt die Wachstumsrate bei -2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Unternehmen bietet IT-Management-Software und -Lösungen an. Rund 14.000 Mitarbeiter sind bei CA angestellt, davon 5300 Entwickler. Gegründet wurde CA 1976 und hat heute 150 Niederlassungen in mehr als 45 Ländern. Neben Unternehmen zählt CA Technologies auch Behörden und Bildungseinrichtungen zu seinen Kunden. Quelle: Gemeinfrei
Platz 8: VMwareMit einer Wachstumsrate von 14,1 Prozent im Vergleich zu 2012 ging es für VMware um einen Rang nach oben. 2013 machte die Firma 4,8 Milliarden Dollar Umsatz mit Software. Im Bild: Der Vorstandsvorsitzende Pat Gelsinger, der 2012 zum Unternehmen stieß. VMware ist ein amerikanisches Unternehmen, das Software im Bereich der Virtualisierung entwickelt. Gegründet wurde es 1998, heute arbeiten rund 13.000 Menschen bei VMware. Die Firma mit Sitz in Palo Alto ist international aktiv. Das bekannteste Produkt ist VMware Workstation, das mehrere parallel laufende Betriebssysteme (Windows, Linux und andere) auf einem Rechner ermöglicht. Quelle: dpa
Platz 7: Hewlett-PackardKonstant auf Rang sieben kann sich HP halten. Mit 4,9 Milliarden Dollar Software-Umsatz sank die Wachstumsrate leicht um -2,7 Prozent. Der 1939 gegründete und weltweit tätige Konzern beschäftigt rund 317.500 Mitarbeiter und sitzt in Palo Alto. Es ist eines der größten US-Technologieunternehmen und war einst das erste seiner Art im Silicon Valley. Die Produktpalette reicht von Softwarelösungen über Server bis zu Notebooks. Quelle: AP
Platz 6: EMCEbenfalls auf dem gleichen Platz wie im Vorjahr bleibt EMC. Das Unternehmen legte eine Wachstumsrate von 4,9 Prozent im Vergleich zu 2012 hin und kam 2013 auf einen Umsatz von 5,6 Milliarden Dollar mit Software-Verkäufen. Der IT-Konzern setzt auf Cloud Computing und unterstützt nach eigenen Angaben andere Firmen dabei, ihre Informationen zu speichern, zu managen, zu schützen und zu analysieren. EMC ist in mehr als 100 Ländern und quer durch alle Branchen aktiv. Weltweit beschäftigt EMC etwa 60.000 Mitarbeiter und hat 400 Vertriebsniederlassungen. Quelle: AP
Platz 5: SymantecStabiler Software-Umsatz auch beim fünftplatzierten Symantec. Wie im Vorjahr machte das US-Unternehmen 6,4 Milliarden Dollar. Im Bild: Symantec-CEO Steve Bennett. Die Firma wurde 1982 gegründet und sitzt in Mountain View in der Nähe des Silicon Valley. Nach eigenen Angaben betreibt Symantec Niederlassungen in 40 Ländern und beschäftigt rund 18.500 Mitarbeiter. Das bekannteste Produkt der Firma ist wohl das Anti-Viren-Programm Norton AntiVirus. Quelle: REUTERS
Platz 4: SAPDas deutsche Unternehmen steht wie 2012 auf Rang vier, verzeichnete aber eine Wachstumsrate von 9,5 Prozent. 18,5 Milliarden Dollar Umsatz machte der Konzern 2013 mit seinen Software-Produkten. 1972 gegründet und mit Sitz in Walldorf beschäftigt SAP heute rund 65.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen macht Software für die Abwicklung sämtlicher Geschäftsprozesse (Buchführung, Vertrieb, Lagerhaltung etc.). Quelle: dpa

Spätfolge des ersten iPhones

Damit steht der Milliardenmarkt vor dem nächsten Entwicklungsschub. Ausgelöst hat den App-Hype der kalifornische Computerbauer Apple, als er im Sommer 2007 sein iPhone auf den Markt brachte. Auf dem liefen gar keine Anwendungen von Drittanbietern. Unter dem Druck der Nutzer, die das iPhone immer häufiger knackten, um eigene Software aufzu­spielen, ersann Apple sein Store-Konzept, das 2008 startete. Im App Sore von Apple dürfen Entwickler ihre Kreationen wie in ein weltweites Schaufenster einstellen. Kauft jemand eine mobile Anwendung, kassiert Apple 30 Prozent des Kaufpreises als Provision.

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