Apple Das Imperium schlägt zurück

Apple legt am heutigen Abend die Zahlen für die letzten drei Monate des Jahres 2011 vor. Analysten prophezeien dem Unternehmen ein Bombenquartal – vor allem dank sprunghaft gestiegener iPhone-Verkäufe.

Die besten Smartphones im Überblick
Nokia Lumia 800/900 Quelle: REUTERS
A model displays HTC One X during a press conference in Taipei, Quelle: dapd
A worker moves an advertisement for the Samsung Galaxy SIII smartphone Quelle: REUTERS
Samsung Galaxy S2: Der Blick-FängerDer Vorgänger, das Samsung Galaxy S2, ging bereits weg wie warme Semmeln. Die Zehn-Millionen-Marke beim Verkauf hatte Samsung für Ende 2011 angepeilt, aber schon im September geschafft. Im April 2012 waren es bereits 20 Millionen verkaufte Geräte. Trotz des Riesendisplays ermöglicht das Top-Gerät knapp sechs Stunden Dauertelefonieren. Wegen seines Plastikgehäuses wirkt das extrem schlanke Handy allerdings nicht sehr wertig und fast schon zerbrechlich. Technik, Preis:Google Android 2.3 Elf-Zentimeter-Display 800 x 480 Bildpunkte neun Millimeter dick Acht-Megapixel-Kamera FullHD-Video Preis (online, ohne Vertrag): ab 440 Euro Quelle: Pressefoto
Huawei Ascend P1s Quelle: Pressebild
Apple iPhone 4 S - Das DesignerstückDas Gerät, an dem sich alle anderen messen lassen müssen, ist dagegen schon seit Oktober 2011 in Deutschland in den Läden. Obwohl das Smartphone "nur" die überarbeitete Version des iPhone 4 ist, rissen die Kunden es den Händlern nur so aus den Händen - sowohl in den USA als auch im Rest der Welt. In den ersten 24 Stunden gingen bei Apple mehr als eine Million Vorbestellungen für das 4S ein, die Deutsche Telekom warnte die Kunden schon vor Verzögerungen. Äußerlich ist das 4S nicht vom Modell 4 zu unterscheiden. Die Neuerungen stecken im Inneren. Wichtigste funktionale Verbesserung ist die Funktion Siri - ein persönlicher digitaler Assistent, der mit Stimmbefehlen gesteuert wird. Der neue A5-Doppel-Kern-Prozessor macht das Handy gegenüber den Vorgängern deutlich schneller. Allerdings sinkt die maximale Standby-Zeit des Gerätes um ein Drittel von 300 auf 200 Stunden. Die Kamera wurde deutlich verbessert und soll Videos in HD-Qualität aufnehmen können. Die Antenne ist nun ebenfalls deutlich leistungsfähiger. Technik, Preis:Apple iOS 5 Zehn-Zentimeter-Display 960 x 640 Bildpunkte Acht-Megapixel-Kamera mehr als 425.000 Apps Preis: 629 - 849 Euro (ohne Vertrag) Quelle: Pressefoto
Sony Xperia S Quelle: dapd
Motorola Atrix: Duales SystemMit dem Top-Modell Atrix markiert Motorola den Anspruch, an alte Technikstärken anzuknüpfen. So liefert der Prozessor mit rekordverdächtigen zwei Gigahertz Leistung Rechenpower satt. Trotz des extrem hellen Displays hält das wegen der umfangreichen Ausstattung etwas klobig geratene Telefon rund acht Stunden durch. Wer will, der verwandelt das Handy über ein Erweiterungsmodul mit Akku und integrierter Tastatur in eine Art Laptop light. Technik, Preis:Google Android 2.2 Zehn-Zentimeter-Display 960 x 540 Bildpunkte WLAN-Hotspot Fingerabdrucksensor Preis (online, ohne Vertrag): ab 350 Euro Quelle: Pressefoto
HTC Sensation: Das Block-KraftwerkDas Gehäuse aus dem Alublock gefräst, das Touch-Display aus gehärtetem Spezialglas – HTCs High-End-Handy präsentiert sich als robustes, opulent ausgestattetes Büro- Werkzeug, das dafür mit 150 Gramm etwas schwerer wiegt. Neben E-Mail- und Web-Zugriffen ermöglicht das Gerät auch Zugriffe auf HTCs Online-Filmverleih „Watch“. Die Ausdauer allerdings ist mit vier Stunden Dauergespräch eher mittelmäßig. Technik, Preis:Google Android 2.3 Doppelkern-Prozessor Elf-Zentimeter-Display 960 x 540 Bildpunkte Acht-Megapixel-Kamera FullHD-Video Preis (online, ohne Vertrag): ab 425 Euro Quelle: Pressefoto
Sony Ericsson Xperia arc: Der Bogen-FunkeÜber das Design lässt sich streiten, nicht aber darüber, dass Sony Ericsson mit dem elegant geschwungenen und nur 117 Gramm schweren Top-Modell ein echter Hingucker gelungen ist, der sich von der Masse der Android-Boliden deutlich abhebt. Der integrierte HDMI-Anschluss macht deutlich, dass das Gerät auch als Zuspieler für Flachbild-Fernseher gedacht – und dank der integrierten Acht-Megapixel-Kamera mit HD-Ready-Auflösung auch geeignet ist. Allerdings reicht auch hier die Qualität der Handy-Optik nur numerisch an die regulärer Digitalkameras heran. Technik, Preis:Android 2.3 10,8-Zentimeter-Display 854 x 480 Bildpunkte Acht-Megapixel-Kamera HDMI-Anschluss und Adapter Preis (online, ohne Vertrag): ab 320 Euro Quelle: Pressefoto
Samsung Omnia 7: Das Fenster-FonSamsungs Edel-Handy Omnia 7 gehörte zum Start der neuen Microsoft-Handysoftware "Windows Phone 7" vor Jahresfrist zum Besten, was die Windows-Handywelt zu bieten hatten. Das Display des Omnia W. ist mit knapp 9,5 Zentimetern für ein Top-Handy zwar knapp unterdurchschnittlich groß, glänzt aber wegen der Amoled-Technologie mit besonders leuchtstarken Farben und guten Kontrasten. Technik, Preis:Windows Phone 7.5 Mango 1,4 Gigahertz-Prozessor 9,5-Zentimeter-Display 800 x 480 Bildpunkte Fünf-Megapixel-Kamera Preis (online, ohne Vertrag): ab 385 Euro Quelle: Pressefoto

Vor gerade einmal einem Vierteljahr gab es erste düstere Wolken über dem bis dahin stets boomenden Smartphone-Geschäft von Apple: Im dritten Quartal 2011 hatte sich der koreanische Rivale Samsung mit rund 28 Millionen Geräten an die Spitze des weltweiten Smartphone-Geschäfts geschoben, während Apples iPhone-Absatz von zuvor 20 Millionen auf 17 Millionen Handys eingebrochen war.

iPhone 4s löst Ansturm aus

Wie es scheint, konnte Apple im Weihnachtsquartal kontern – und zwar gewaltig: Laut Schätzung des amerikanischen Marktforschers NPD Group stieg der US-Marktanteil des iPhone allein in den Monaten Oktober und November von 26 auf stolze 43 Prozent. Gleichzeitig bracht der bis dahin viele Quartale unangefochtene Marktführer Android von 60 auf 47 Prozent ein. Wie sehr das Führungsduo dem Rest der Branche das Leben schwer macht, erwies sich erst gestern: Überraschend gaben die beiden Chefs des gebeutelten Blackerry-Erfinders RIM ihren Rückzug bekannt; der deutsche Ex-Siemensianer Thorsten Heins soll nun die Sanierung durchziehen.

Das Imperium schlägt zurück, sozusagen. Hauptgrund für die unerwartete Aufwärtsbewegung von Apple: Das Anfang Oktober veröffentlichte iPhone 4s hat offenbar einen erneuten Sturm auf die Apple-Läden ausgelöst. Allein am ersten Wochenende konnte Apple mehr als vier Millionen Geräte absetzen. Dies erklärt gleichzeitig den unerwartet starken Rückgang im dritten Quartal: In Erwartung einer iPhone-Neuauflage haben viele Konsumenten ihren Kauf verschoben.

Das iPhone und die Folgen
Fünf Jahre iPhoneDie Präsentationen von Steve Jobs brachten viele Überraschungen, doch diese war ein besonderer Paukenschlag: Auf der MacWorld Conference in San Francisco präsentierte Apple-Chef Steve Jobs am 9. Januar 2007 zum ersten Mal einem breiten Publikum das iPhone. Es vereint Telefon, Kamera und MP3-Player in einem einzelnen Gerät. "Today Apple is going to reinvent the phone", erklärte Jobs und sollte mit dieser großspurigen Aussage Recht behalten. Zwar hatten andere Unternehmen in den Jahren zuvor ähnliche Produkte auf dem Markt gebracht, doch nur Apple gelang es mit seinem neuen Mobiltelefon den gesamten Handymarkt neu zu erfinden. Vor allem der Verzicht auf eine klassische Tastatur war revolutionär und sollte zahlreiche Nachahmer finden. Die Tragweite dieser Neuerfindung ist heute auf dem Markt für mobile Gadgets nicht zu übersehen. Quelle: AP
Fünf Jahre nach dem Aufkommen des iPhones ist der Mobilfunkmarkt heiß umkämpft. Neue Player sind entstanden. Sie haben sich beim Branchenprimus Apple nicht nur Form und Farbe abgeschaut, sondern kopieren gemeinsam mit der von Google bereitgestellter Betriebssoftware Android die Touchscreen-Bedienung sowie das App-Modell und den Vertrieb dieser neuen Software über sogenannte App-Stores. Und sie haben Erfolg. So steigt zum Beispiel der koreanische Hersteller Samsung 2011 nach Berechnungen des US-Marktforschers IDC zum weltgrößten Smartphone-Hersteller auf. Der südkoreanische Konzern überholte mit 23,6 Millionen ausgelieferten Computer-Telefonen deutlich das iPhone von Apple. Samsung hielt demnach ein Fünftel des Weltmarktes. Es ist ein quantitativer Sprung mit Superlativen, denn noch im Jahr 2010 lag Samsung erst bei einem Anteil von 8,8 Prozent. Samsung profitierte vom Erfolg seiner Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android. Die Plattform wird von diversen Herstellern genutzt und ist die klare Nummer eins im Smartphone-Markt vor Apples iOS-System. Quelle: dapd
aMit HTC aus Taiwan entstand aus dem Stand heraus ein neuer Hersteller, der heute im Smartphone Segment eine bedeutende Rolle spielt. Dem Android-Partner gelang es 2011 gleich 12,7 Millionen Geräte zu verkaufen. Damit stieg der Marktanteil auf 10,8 Prozent Marktanteil und katapultierte HTC auf Platz vier der Herstellerliste. Noch im Jahr 2010 verkauften die Taiwanesen gerade einmal 5,9 Millionen Geräte. Quelle: REUTERS
Der einstige Branchenprimus und Vorreiter in Sachen Mobiles Internet Research In Motion war in den vergangenen Jahren vor allem mit sich selbst beschäftigt. Der Marktanteil des Blackberry rutschte 2011 von 15 auf 10 Prozent ab. Auch in Unternehmen, in dem das einstige Lieblingsspielzeug der Manager seine wichtigste Bastion hatte, laufen die iPhones Blackberry den Rang ab. Im Herbst 2011 machte RIM wegen tagelangen Verbindungsproblemen Schlagzeilen, zuletzt spekulierte man über eine feindliche Übernahme durch Nokia oder Microsoft. Quelle: dpa
Der finnische Hersteller Nokia hat auch das Nachsehen. Zwar ist Nokia nach wie vor der weltgrößte Handyhersteller, noch vor Apple oder Samsung. Doch im Smartphone-Segment haben die Finnen bisher massiv Anteile abgeben müssen. Der Marktanteil des langjährigen Branchenprimus entsprach im Jahr 2011 gerade 14,2 Prozent, ein Jahr davor waren es noch 32 Prozent. Nun setzt der finnische Handy-Riese Hoffnung auf seine Kooperation mit Microsoft - das Betriebssystem Windows Phone soll das Geschäft wiederbeleben. Quelle: Reuters
Mittlerweile hat Apple die fünfte Generation seines iPhones auf dem Markt gebracht. Das iPhone 4S verfügt über Spracherkennung und eine 8-Megapixelkamera. Das Mobiltelefon kam in den Tagen nach dem Tod von Steve Jobs in die Ladenregale und verkaufte sich nach Unternehmensangaben in den ersten drei Tagen über vier Millionen Mal. Das ist Rekord - die Vorgängermodelle gingen nur halb so schnell über die Ladentheke. Der Enthusiasmus der Apple-Fans war nötig, denn der Marktanteil ist mit 14,5 Prozent im dritten Quartal 2011 zum ersten Mal seit langem gesunken. Im Jahr 2010 waren es noch 17 Prozent für Apple. Insgesamt wuchs der Smartphone-Markt nach IDC-Zahlen im dritten Quartal 2011 um 42,6 Prozent auf 118,1 Millionen Geräte. Quelle: REUTERS
Das iPhone lieferte den Entwicklern und Designern in Cupertino die Vorlage, um weitere Produkte zu entwickeln. So brachte Apple 2010 das iPad heraus. Den Tablet-Markt führt Apple seitdem an: 2011 verkaufte das Unternehmen aus Kalifornien im dritten Quartal 11,1 Millionen Exemplare, das entspricht einem Marktanteil von 61,5 Prozent. Samsung treibt die Verfolgungsjagd auch in diesem Bereich voran. Es spricht also viele dafür, dass Apple mit dem iPad auch den Tablet-Markt neugegründet hat. Und dort auf Teufel komm raus seine Anteile schützen wird. Notfalls auch mit juristischer Hilfe: Vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf erwirkte Apple im September 2010 wegen der äußeren Ähnlichkeit des Samsung Galaxy Tab 10.1 mit dem iPad ein bundesweites Verkaufsverbot für das Konkurrenzgerät aus Südkorea. Quelle: dpa

Purer Optimismus

Im gesamten, bis Ende Dezember laufenden Quartal dürfte das Plus noch überzeugender aussehen, schätzen Analysten. Laut eines Berichts des amerikanischen Wirtschaftsmagazin “Fortune” erwarten 22 befragte professionelle Wall-Street-Analysten im Schnitt einen Absatz von knapp 30 Millionen iPhones zwischen September und Dezember – das wäre ein Plus auf Jahressicht von stolzen 83 Prozent.

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Noch optimistischer sind 15 unabhängige Analysten, bei denen Autor Philipp Elmer-Dewitt ebenfalls Schätzungen einholte. Sie sehen den Quartalsabsatz gemittelt bei 33,4 Millionen iPhones – das wäre sogar mehr als eine Verdopplung gegenüber dem letzten Quartal im Jahr 2010. Dass dieser Fall eintritt, ist laut Elmer-Dewitt gar nicht so ungewiss: In der Vergangenheit wären die Prognosen der unabhängigen Analysten meist akkurater gewesen als die ihrer professionellen Widerparts. Wer dieses Mal recht behält, erfahren wir beim späteren Conference Call von Apple.

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