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Apple-Entwicklerkonferenz Die wirklich großen Ankündigungen fehlen

Viel Trubel um wenig, möchte man das gestrige Marketing-Feuerwerk von Apple umschreiben. Spannend ist vor allem der – erwartete – Angriff von Apple auf Google Maps bei der Smartphone-Navigation.

MacBook Pro mit Retina Display Quelle: rtr

Im Rückblick erscheint die 2011er Entwicklerkonferenz WWDC (Worldwide Developer Conference) von Apple als ein ganz besonderes Event, schließlich markiert sie die letzte öffentliche Keynote des im vergangenen Oktober verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs. Dieses Mal obliegt die Rolle des Anchorman dem seit August 2011 an der Apple-Spitze stehenden Tim Cook. Doch bevor der loslegt, ist es an Apples im iPhone 4s eingebauter Sprach-App Siri, die im Moscone Center in San Francisco versammelte Entwicklergemeinde in Stimmung zu bringen.

Das gelingt dem Software-Roboter mit der weiblichen Stimme ganz gut – trotz ihres eigenen trockenen Eingeständnisses, Emotionen seien ihr selber noch gar nicht programmiert worden. So fragt sie unter anderem, wie viele Entwickler man benötige, um eine Glühbirne auszuwechseln – um die Antwort gleich selber nachzulegen. “Keine – das ist ein Hardware-Problem.” Auch die Konkurrenten Samsung und Google bekommen – ganz Apple-untypisch, ihr Fett weg – was soll’s, Siri ist halt nur eine App.

Die wichtigsten Neuheiten bei Apple
Der Star der morgendlichen Apple-Präsentation, die um 19 Uhr mitteleuropäischer Zeit in San Francisco stattfand: Das neue Macbook Pro. Das iPad von Apple hat viele Verbraucher von klassischen Notebooks und Desktop-Computern weggelockt. Mit dem neuen Gerät will der Konzern zeigen, dass er auch mit seinen Laptops noch Begeisterung wecken kann. Quelle: dapd
Wichtigstes Feature des neuen Modells: ein Retina-Display mit einer Auflösung von 2800 x 1800 Pixeln. Mit Retina bezeichnet Apple alle Bildschirme seit dem iPhone 4, deren Pixel bei einem alltäglichen Betrachtungsabstand mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen sind. Das neue Macbook Pro bietet vier Mal so viele Pixel wie der Vorgänger. Quelle: dapd
Ein weiteres Vorteil gegenüber den alten Modellen: Das Display ist zwar immer noch „glossy“ - glänzt also durch brillante Farben, weil es nicht mattiert wurde. Es soll dabei aber 75 Prozent weniger Sonnenlicht reflektieren - also weniger störende Reflektionen haben. Auf dem Bildschirm mit 15 Zoll Diagonale (38 cm) bringt mit 2800 x 1800 Pixeln deutlich mehr Pixel unter als als bei einem Full-HD-Fernseher mit seinen 1920 mal 1080 Pixeln. Damit die Auflösung auch ausgenutzt wird, müssen allerdings einige Programme daran angepasst werden. Zu den bereits angepassten Programmen gehören Photoshop, AutoCAD und das Spiel Diablo 3. Quelle: dpa
Das neue Macbook Pro ist etwa ein Viertel dünner als das Vorgängermodell. „Es ist der beste Computer, den wir je gebaut haben“, sagte Chefdesigner Jony Ive in einem eingespielten Video. Ein ausgeklügeltes Element sind etwa asymmetrische Flügel an den internen Ventilatoren, damit sich deren Geräusch auf ein breites Frequenzspektrum verteilt und damit kaum hörbar wird. Soviel Liebe zum Detail hat aber auch ihren Preis: Die günstigste Konfiguration kostet in Deutschland 2279 Euro. Die kompaktere Laptop-Reihe Macbook Air bekommt unter anderem einen neuen Prozessor von Intel, bessere Grafik und schnellere Anschlüsse des Formats USB 3. Quelle: Reuters
In iOS 6 setzt Apple noch stärker als bisher auf Siri und bügelt mehrere oft kritisierte Mankos aus. So kann man mit Hilfe von Siri jetzt per Stimmbefehl auch Apps starten. Auch Facebook hört aufs Wort. Die Integration im Auto wird verbessert mit Modellen unter anderem von BMW, Mercedes und Audi. Sprachen wie Spanisch und verschiedene Chinesisch-Varianten erweitern den Nutzer-Kreis. Und der „persönliche Assistent“ kommt nun auch auf das iPad-Tablet. Quelle: Reuters
Wie erwartet wurden Details zum nächsten Mac-Betriebssystem OS X „Moutain Lion“ vorgestellt. Mit der neuen Software sollen mehr populäre Elemente von iOS den Weg auf die Macs finden, etwa beim Umgang mit Erinnerungen, Notizen, Mitteilungen. Außerdem wird Apples Online-Speicherdienst iCloud stärker eingebunden, die Macs bekommen eine eingebaute Diktier-Funktion. Die neue Funktion „Power Nap“ hält die Macs auch im Standby-Zustand auf dem Laufenden. „Mountain Lion“ („Berglöwe“ oder „Puma“) kommt im kommenden Monat auf den Markt. Apple erneuert die Mac-Software kurz vor dem für Herbst erwarteten Start des Microsoft-Systems Windows 8. Obwohl der Marktanteil des Mac seit Jahren steigt, dominiert Windows weiter klar das PC-Geschäft. Quelle: dapd
Neu mit iOS 6: Ein eigenenr Kartendienst, der Google Maps ablösen soll. Die Apple-Karten sollen mit dreidimensionalen Ansichten von Städten sowie aktuellen Verkehrsmeldungen punkten und über den Sprach-Assistenten Siri zu bedienen sein. Apples Maps hat den Bewertungsdienst Yelp integriert. Außerdem zeigt es auch Staus an. Dazu nutzt es anonymisierte Daten der iPhone-Nutzer. Quelle: dapd
Apple-Chef Tim Cook Quelle: dpa

Danach übernimmt Cook den ernsten Part. Der Apple-Boss kündigt unter anderem neue MacBook-Laptops mit leistungsfähigeren Intel-Prozessoren sowie neue Highend-Modelle des MacBook Pro an, letztere erstmals mit dem vom iPad 3 bekannten hochauflösenden Retina-Display ausgestattet – und ab einem Mindestpreis (sic!) von stolzen 2199 Dollar erhältlich. Dazu ein Update für das Mac-Betriebssystem MacOS namens Mountain Lion sowie die neue Version der iPhone- und iPad-Software iOS 6 – beide mit allerlei neuen Funktionen. Ach ja, die Quassel-App Siri gibt’s dann jetzt auch fürs iPad. So weit, so gut - und so dennoch zu einem großen Teil vorab erwartet.

Trotz des ganzen Marketing-Feuerwerks bin ich aber ein wenig enttäuscht, muss ich zugeben. Ja gewiss, die tiefere Facebook-Integration in iOS 6 ist ja ganz nett, aber wenn man das mit dem zugegebenermaßen deutlich weniger verbreiteten Windows Phone vergleicht, ist das meines Erachtens nicht eben revolutionär. Informationen zum iPhone 5 oder zum seit Monaten gerüchteweise im Bau befindlichen Apple-Fernseher – Fehlanzeige! “Die Woche, auf die wir alle gewartet haben”, wie es im Konferenz-Logo Apple-typisch unbescheiden heißt, ist es jedenfalls nicht.

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Am ehesten gilt das noch für das neue, Apple-eigene Kartenmaterial für iOS 6. Denn das markiert eine eindeutige, neuerliche – aber ebenfalls erwartete – Kriegserklärung an die Adresse von Google, deren Google-Maps-App bisher die führende Landkarten-Lösung auch für iPhone und iPad ist. Die App verfügt unter anderem über einen 3D-Modus, der virtuelle dreidimensionale Flüge über Städte ermöglicht (wobei nicht bekannt ist, ob das zunächst nur auf US-Städte begrenzt ist).  So oder so: Der sich immer stärker intensivierende Schlagabtausch zwischen Apple und Google im Mobilsektor dürfte auch in den kommenden Monaten eines der spannendsten Kampffelder der gesamten IT-Industrie darstellen.

Und wie sehr hat Sie die gestrigen Ankündigungen von Apple begeistert?

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