Apple: Geht Tim Cooks riskante Apple-Strategie auf?
Im September stellt Apple ein neues iPhone Modell vor
Foto: imago imagesEs ist wieder Zeit für die jährliche iPhone-Spekulation. Sicher ist, dass Apple im September ein neues Modell vorstellen wird – diesmal das iPhone 15. Doch wann? Es könnte dieses Jahr schon am 6. September geschehen. Die meisten Beobachter wie etwa Mark Gurman von Bloomberg, der in der Zentrale in Cupertino gut verdrahtet ist, gehen von einem Vorstellungstermin am 12. oder 13. September aus, mit einer Auslieferung am 22. September.
Und mit was wird das iPhone 15 auftrumpfen? Laut Analyst Ming-Chi Kuo von TF International Securities, der sich auf Quellen bei Apple Zulieferern stützt und mit seinen Vorhersagen oft richtig liegt, wird es vor allem eine bessere Hauptkamera mit 48 Megapixeln sein. Deren Sensor dank besseren Design mehr Licht einfangen kann. Das würde vor allem bei Nacht- und Innenaufnahmen helfen. Eine neue Anordnung der Akkus sowie der neue A17 Bionic Chip könnten den Stromverbrauch um bis zu 35 Prozent drosseln und damit die Laufzeit verlängern.
Faltbare Handys wie bei Samsung oder Google? Damit rechnet derzeit niemand. Das scheint sich Apple-Chef Tim Cook aufzuheben, bis klar ist, wie stark die Nachfrage wirklich in dieser neuen Produktkategorie ist. Und vielleicht will er dieses Design auch erst bei iPads austesten, bevor er bei Apple heiligstem Produkt ansetzt.
Neue iPhone-Generation im September, leistungsfähigere Kamera, schnellerer Prozessor und besserer Akku? So richtig reißt das niemanden vom Hocker. Die ganz große Überraschung bei iPhones liegt schon neun Jahre zurück, als Cook das iPhone 6 präsentierte. Damals hatte sich der Apple-Chef dem Druck des Marktes gebeugt und offerierte iPhones mit größeren Displays. Sie wurden der Renner und der neue Standard.
Aber Cook muss auch keine Welten bewegen. Trotz der Kritik an seinem Stil, der auf behutsame Upgrades statt radikale Veränderungen setzt, sein Konzern ist gut damit gefahren. Obwohl das iPhone bereits vor sechzehn Jahren sein Debüt erlebte, ist es weiterhin Apples wichtigster Bestseller, macht 48,5 Prozent des Umsatzes aus.
Auch wenn das Wachstum schwächelt. Im vergangenen Quartal hat Apple weltweit für 39,7 Milliarden Dollar iPhones an den Kunden gebracht. Das war zwar knapp eine Milliarde Dollar weniger als im Vergleichszeitraum. Aber trotzdem eine beachtliche Leistung, da eine neue iPhone Generation vor der Tür steht und zudem Kunden ihr Geld wegen Angst vor einem Wirtschaftsabschwung stärker zusammenzuhalten.
Mehr noch: Der Smartphone-Markt ist weitgehend gesättigt, Nutzer behalten ihre Geräte länger. Laut dem Marktforschungsunternehmen IDC erreichte der Absatz von Smartphones sein Hoch bereits vor sieben Jahren. Im vierten Quartal 2016 wurden demnach weltweit 430 Millionen Smartphones verkauft. Seitdem ist die Zahl kontinuierlich gesunken. Im zweiten Quartal 2023 waren es nur noch 265 Millionen Stück. Marktführer bleibt Samsung mit 20,2 Prozent, gefolgt von Apple mit 16 Prozent. Einen raschen Anstieg wird es nicht geben. „Während sich die Lagerbestände normalisieren, hören wir Optimismus von den wichtigsten Herstellern und erwarten, dass der Markt bis zum Ende des Jahres und bis ins Jahr 2024 wieder wachsen wird“, sagt IDC Analystin Nabila Popal.
In Cupertino und an der Wall Street schrillen wegen des leicht schwächelnden iPhone Absatzes keine Alarmglocken. Das würde erst passieren, wenn die Konkurrenz auf Kosten von Apple Marktanteile bei hochpreisigen Smartphones gut macht und iPhone-Nutzer zum Wechsel auf Android bewegt. Doch danach sieht es nicht aus. Apple konnte beim Markanteil trotz geringer Verkäufe laut IDC sogar leicht zulegen – von 15,8 auf 16 Prozent. Während der von Samsung von 21,9 Prozent auf 20,2 Prozent nachgab.
Bei Kameras und Akkus – den wichtigsten Leistungsmerkmalen – weichen Apple und Hauptkonkurrent Samsung kaum voneinander ab. Zumindest in der Wahrnehmung der meisten Kunden. Die Unterschiede bei Funktionen oder Preis müssten schon erheblich sein, damit iOS-Nutzer sich die Mühe machen, auf ein neues Ökosystem umzusteigen und die Kniffe von Android erlernen. Was umgekehrt genauso gilt.
Der Smartphone-Markt ist derzeit festgefahren. Ob Brillen mit erweiterter Realität tatsächlich die Herausforderer sind, ist fraglich. Und selbst wenn, sind sie noch Jahre vom Masseneinsatz entfernt.
Cook kommt das entgegen. Für ihn ist am wichtigsten, dass seine bestehenden Kunden bei der Stange bleiben und möglichst viele der Dienste, die Apple anbietet, in Anspruch nehmen. Dafür müssen sie kein neues iPhone erwerben.
Und das läuft gut. „Wir haben ein Allzeit-Hoch bei Abonnenten“, prahlt Cook. Mittlerweile verwaltet Apple über eine Milliarde Abos für Dienste wie Apple Music, Apple News oder Apple TV+, die monatlich mindestens 9,99 Dollar hereinbringen. Im vergangenen Quartal kamen so 21,2 Milliarden Dollar zusammen.
Das ist zwar nur die Hälfte des Umsatzes mit iPhones. Doch die Margen sind weit höher, im Schnitt mehr als doppelt so viel wie bei Hardware. Mehr noch: Sie steigen stärker, je mehr Nutzer Dienste konsumieren. Bei Hardware hingegen sind die Skaleneffekte schneller ausgereizt.
Apple gelang es so, im vergangenen Geschäftsquartal trotz sinkendem Umsatz mehr an Gewinn zu generieren – 19,9 Milliarden Dollar, ein Plus von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Service-Umsatz trägt mittlerweile knapp 26 Prozent zum Gesamtumsatz bei und wächst weiter. Bleibt es dabei, könnte er das iPhones als wichtigsten Profitbringer ablösen. Cooks Service-Strategie geht auf.
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