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Apple-Quartalszahlen Der unglaubliche Geldregen des Tim Cook

Apple sprengt alle Dimensionen: Noch nie hat ein Unternehmen in einem Quartal so viel verdient wie der Smartphone-Hersteller. Und die Aussichten sind weiter gut. Doch alles hängt am iPhone.

Was Apple Watch und iPhone 6 drauf haben
Hommage von Tim Cook an Apple-Gründer Steve Jobs: Im Flint Center wurde schon vor 30 Jahren der Mac präsentiert. Hier stellte nun Cook Anfang September 2014 die neuesten Apple-Produkte vor. Quelle: Matthias Hohensee
apple watch Quelle: Matthias Hohensee
Bedienung der Apple Watch Quelle: Matthias Hohensee
Smartwatch Apple Watch am Handgelenk Quelle: Matthias Hohensee
Moto 360 und Apple Watch im Vergleich Quelle: Matthias Hohensee
Akku der Apple Watch ist schwach auf der Brust Quelle: Matthias Hohensee
Apple Watch Quelle: Matthias Hohensee

So viel hat noch niemals ein Unternehmen in einem Quartal verdient. Mit einem Nettoertrag von 18 Milliarden Dollar im Weihnachtsquartal 2014 sprengt Apple alle Dimensionen. Das ist vor allem für die Aktionäre ein Grund zur Freude. Im April, so Apple, am Dienstag bei Vorlage der Quartalszahlen, werde man das laufende Ausschüttungsprogramm „überdenken“. Mit anderen Worten, mehr Aktienrückkäufe und Dividenden sind in Sicht. Der Kurs stieg nachbörslich um bis zu fünf Prozent.

Lange hatte sich Apple geweigert, irgendetwas von seinen Notgroschen abzugeben. Erst 2013 brachte massiver Druck von Aktionärsaktivisten und ein kollabierender Aktienkurs Vorstandschef Tim Cook zum Einlenken. Zunächst versprach er zögerlich, 45 Milliarden Dollar auszuschütten, was nur Gelächter hervorrief. Am Ende gab es einen Aktiensplitt 7:1 und ein Aktienrückkauf- und Dividendenprogramm von 130 Milliarden Dollar bis Ende 2015. Doch das Finanzpolster hat jetzt mit 178 Milliarden Dollar ein neues Rekordniveau erreicht, obwohl es eigentlich längt sinken sollte. Doch der Umsatz stieg – um 30 Prozent auf 74,6 Milliarden Dollar.

Selbst für das laufende Quartal wird, verglichen mit dem Vorjahr, wieder mit einem Umsatzplus auf 52 bis 55 Milliarden Dollar gerechnet, ungeachtet eines starken Gegenwinds vom Devisenmarkt. 65 Prozent des Umsatzes kommt aus dem Ausland. Doch Apple-Kunden stehen in Treue fest.

Die Kultfirma aus Cupertino scheint immun gegen alle Rückschläge. Das mächtige Nokia ist gestürzt, Microsoft bekommt mit seinen Lumias keinen Fuß auf den Boden, Samsung verliert Marktanteile. Nur Apple brummt: Selbst in China hat laut Marktforscher Canalys Apple die Koreaner als Nummer eins im Smartphonemarkt entthront. Analysten waren sicher, ohne ein preiswertes iPhone werde das in China nie gelingen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Es wurde erreicht mit dem iPhone 6 und einem durchschnittlichen Preis pro Stück von fast 700 Dollar.

Marktanteile Smartphone Betriebssystem weltweit

Wie ein Uhrwerk stießen die asiatischen Hersteller rund um die Uhr iPhones aus. Pro Stunde gingen 34.000 Stück an die Kunden, 24 Stunden am Tag, Monat für Monat, so Vorstandschef Tim Cook. Am Ende waren es 74,5 Millionen nach 51 Millionen im Vorjahr, was die „kühnsten Erwartungen“ übertroffen habe. Ist jetzt Ende der Fahnenstange? Wohl kaum, so Cook, der optimistisch auf das laufende Quartal blickt. Auf die Frage eines Analysten, wie es denn mit Upgrade-Käufen von älteren Modellen aussehe, antwortete dies sei „gerade mal“ zweistellig im Prozentbereich, da sei „enormes Potenzial“. Viele Kunden stecken halt noch in teuren Zweijahres-Verträgen mit iPhone 5 fest.

Sie könnten rechtzeitig einspringen, wenn das Interesse in Schwellenländern wie Brasilien und China nachlässt. Hier sei die Nachfrage, besonders in China mit einem Plus von über 100 Prozent, „phänomenal“ gewesen. Überhaupt setzt Cook auf Wechsler vom konkurrierenden Android von Google und Neukunden: „Es gibt eine Menge Menschen auf der Welt, die noch nie ein Smartphone hatten“, so Cook. „Man glaubt das nicht, wenn man in den USA wohnt, aber es ist so.“

Ein Wachstumspotenzial, das Cook braucht. Mit 68 Prozent des Konzernumsatzes ist die Abhängigkeit vom iPhone so groß wie nie. Ein unerwarteter Wechsel im Verbrauchergeschmack, wie er Nokia in den Ruin trieb, darf da nicht eintreten. Oder wenn, dann muss Apple die Trends setzen.

Welche Innovationen Apple sich sichert
Akkulaufzeit neu verwaltenApple hat ein neues Patent angemeldet, dass eine neue clevere Funktion beschreibt. Diese merkt sich über die Geoinformationen den Ort, an dem der Nutzer sein Smartphone in der Regel auflädt. Je nach Akkustand und Entfernung zu der gespeicherten Position, werden im Smartphone Funktionen abgeschaltet, um die Stromversorgung bis zur Energiequelle zu sichern. So würden zum Beispiel bestimmte Apps, die selten benutzt werden und im Hintergrund Strom ziehen ausgestellt, um so den Akku zu schonen.
Patente für den iPenNachdem Steve Jobs den Stift für das iPad und das iPhone immer abgelehnt hatte, setzt Samsung voll auf die Möglichkeiten eines intelligenten Stylus. Vor allem Architekten, Ingenieure und Zeichner wissen die Funktion zu schätzen. Auch Drittanbieter haben versucht die Apple-Produkte mit ihren Stiften zu erweitern. Nun legt Apple offensichtlich nach und setzt voll auf Gesten. Laut Patentantrag soll der sogenannte iPen angeblich erkennen, wie er gehalten wird und diese Informationen über Orientierungssensoren direkt an das Tablet übermitteln. Auf diesem Weg könnte der Zeichner zum Beispiel die Strichbreite einstellen – ganz wie beim Halten eines Füllers. Insgesamt soll Apple laut der  Website Patentlyapple bereits über 20 Patente für Stylus-Geräte bekommen haben. Etliche davon dienen wohl auch nur der Absicherung der Rechte. Ob daraus am Ende auch wirklich ein Stift wird, ist bisher noch nicht klar. Quelle: dpa
Kopfhörer mit SensorenApple hat in den USA ein Patent für neue Kopfhörer eingereicht und genehmigt bekommen. Die neuen "In-Ear" sollen mit Sensoren ausgestattet werden, die Körpertemperatur, Puls und Schweißabsonderung messen und die Daten speichern. Der Vorteil gegenüber Fitnessarmbändern: Die Kopfhörer sind kein Extra-Gadget, sie werden von den meisten Sportlern sowieso am Körper getragen. Erstmals hat sich Apple mit so einer Anwendung vor über sieben Jahren beschäftigt, wie der Patentantrag zeigt. Neben der Tracking-Funktion sollen die Sensoren auch Kopfnicken erkennen. Über diesen Weg ließe sich zum Beispiel die Musik steuern. Quelle: WirtschaftsWoche Online
Beim Mac und iPad anklopfenEs wäre eine spannende Erweiterung der Tastatur - zumindest hat Apple einen Patentantrag genehmigt bekommen, in dem beschrieben wird, wie Tablet und Notebook auf akustische Signale reagieren. Gemeint ist zum Beispiel das Kratzen oder Klopfen am Gehäuse der Geräte. Sensoren im Gerät sollen die Töne erfassen und sie zur Auswertung an den Prozessor schicken, der sie interpretiert. Erleichtern könnte die Technik das Markieren von Texten oder das Aufrufen eines Kontextmenüs. Quelle: REUTERS
Krumme Sensoren auf dem iPhoneApple hat in den USA das Patent für gekrümmte Touch-Sensoren zugesprochen bekommen. Die Herstellung der gekrümmten Sensoren ist aufwendig. Zunächst werden die Sensoren als Rohling mit einer leitenden Filmschicht und dem Deckmaterial in flacher Form angefertigt. Durch gleichmäßige Wärmezufuhr wird das Material gekrümmt. So stellen die Handybauer außerdem sicher, dass die Sensoroberfläche den gleichen Abstand zum Deckmaterial behält. Nur so ist die Touch-Oberfläche in der Mitte wie am Rand empfindlich. Quelle: REUTERS
Solardeckel für das MacbookFür einen ganz neuen Notebookdeckel hat Apple in den USA ein Patent erhalten. Der Deckel soll mit einer Solarzelle den Akku des Computers laden und gleichzeitig als zweiter Display mit Touchscreen arbeiten. Bekannt ist die Technik bereits als elektrochromes Glas in Form eines Sonnen- oder Sichtschutzes im Kfz-Bau. Auch als Trennwand in Büros wird die Technik eingesetzt - allerdings ohne die Displayfunktion. Klappt man das Macbook künftig zu, könnten also auf der Außenseite trotzdem Verkehrsinformationen oder Statusupdates aus sozialen Netzwerken eingeblendet werden. Inwieweit das Patent jedoch wirklich zu einem konkreten Produkt wird, ist derzeit noch fraglich. Quelle: dpa
iWatch aus der Entfernung aufladenSamsung hat mit der Computeruhr Galaxy Gear vorgelegt, nun will Apple nachziehen. Angeblich arbeitet der Konzern bereits seit Jahren mit einer hundert Mitarbeiter starken Mannschaft an dem Gadget fürs Handgelenk. Ein Patentantrag gibt den Gerüchten neuen Aufwind, wie das chinesische Magazin ctech berichtet. Demnach soll sich der Akku der iWatch sogar über mehrere Meter hinweg aufladen lassen. Somit ließe sich das Gadget über den Apple-Laptop oder -Computer laden, ohne es abzunehmen. Quelle: REUTERS

Das soll ab April mit der Smartwatch „Watch“ gelingen. Obwohl spät dran, und mit starker Konkurrenz von Samsung über Motorola bis Pebble, hofft Cook in bewährter Manier einfach das Feld von hinten aufzurollen. Bessere Qualität, Stil und mehr Nutzen will er bieten. Er könne „ohne die Watch schon gar nicht mehr leben“, gibt er an. Analysten erwarten Verkäufe zwischen 50 und 100 Millionen Stück bis Jahresende. Das sei zum Teil schlicht als Funktion der unzähligen iPhones, die jetzt im Markt sind. Wer zum Beispiel mit seinem iPhone 5 noch zufrieden ist, der gönnt sich vielleicht eine Uhr statt eines iPhone 6.

Die Schwäche des iPads fällt da kaum noch ins Gewicht. Mit 21 Millionen Tablets ging es im Weihnachtsquartal trotz Modelloffensive weiter bergab, 26 Millionen waren es im Vorjahr. Der Markt ist gesättigt, die Android-Billigkonkurrenz ist attraktiv und in Amerikas Schulen wird in Google-Laptops statt iPads investiert. Sie sind einfach billiger und produktiver. Cook selbst räumt ein, man werde kurzfristig keine „wundersame Erholung“ der Verkäufe erleben. Aber langfristig bleibt er positiv. Die Rate der Erstkäufer sei weiter sehr hoch. Und wenn viele Menschen erstmals ein Produkt kauften, dann könne „der Markt nicht gesättigt sein“.

Besser läuft es bei Mac-Computern, die mit 5,5 Millionen Stück nicht nur 14 Prozent über Vorjahr liegen, sondern schlicht den Trend der Branche schlagen. Marktforscher wie Gartner oder IDC sehen bestenfalls eine Stagnation im PC-Segment.

Die Umsätze der Tech-Giganten



Die Grafik zeigt die Umsatz-Entwicklung von Apple, Amazon, Microsoft, Yahoo und Google in Milliarden US-Dollar.

Quelle: Unternehmen, Statista

Was das Füllhorn für die Aktionäre angeht, bleibt es gut gefüllt. Die Dividende mit 0,47 Cents pro Aktie bleibt erst einmal unverändert. Insgesamt habe man 103 Milliarden US-Dollar an die Aktionäre zurückgezahlt, alleine 57 Milliarden in den vergangenen zwölf Monaten. Allerdings verblasst dies vor der Tatsache, dass alleine im Weihnachtsquartal der Geldberg um 33,7 Milliarden Dollar angewachsen ist.

Nur an einer Legende ist zu sehen, dass auch das moderne Apple am Ende den Lebenszyklen der Branche unterliegt. Der iPod, mit dem 2001 der Wiederaufstieg aus der Asche und der folgende Siegeszug begann, ist heute Geschichte. Er wird seit diesem Quartal nur noch unter „Sonstige Produkte“ ausgewiesen, zusammen mit Randaktivitäten wie Apple TV oder Kopfhörern. Aber die Transition ist diesmal noch gelungen. Das iPhone hat den Staffelstab vom iPod übernommen und rennt und rennt und rennt ….

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