Apple setzt Spotify unter Druck Das Endspiel um die Ohren beginnt

Apple steigt in das Streaminggeschäft ein. Das ist gut für die Pop- und Rock-Fans, die mehr fürs Geld bekommen. Und es ist brandgefährlich für den Marktführer Spotify und weitere Anbieter wie Deezer und Napster.

Spotify-Chef Ek steht einer ungemütlichen Zukunft gegenüber. Apple steigt ins Steaminggeschäft ein und könnte einlussreiche Künstler binden. Quelle: Getty Images

Wieder ein Jahr mit Rekordwachstum – eigentlich hat Spotify-Chef Daniel Ek allen Grund, vor Selbstbewusstsein zu strotzen. Sein Online-Dienst für Musik auf Abruf, Streaming genannt, ist mit 60 Millionen Kunden weltweit der größte Anbieter. Und er will kräftig weiterwachsen, mit ganz neuen Angeboten.

Sein Unternehmen mit Sitz in Stockholm soll nicht länger nur Musik von Superstars wie Rihanna, dem Elektrobarden Ed Sheeran oder auch Klassikdiven wie Cecilia Bartoli in die Ohren der Fans senden, sondern auch Videos und Nachrichten anbieten.

Mit einer Phalanx von Partnern, angefangen beim Unterhaltungsriesen Disney, dem Verlagsimperium Condé Nast bis hin zum Bayerischen Rundfunk, will er Spotify vom reinen Klangkörper umbauen zum Rund-um-die-Uhr-Begleiter, der seine Nutzer je nach Laune und Tageszeit passgenau mit Musik, Infos und Tipps versorgt.

Die Superlative des Musik-Streamings
Dr. Dre Quelle: AP
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Sam Smith Quelle: dpa
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Doch als der Schwede Ek vor zwei Wochen in der New Yorker Zentrale von Spotify auf die Bühne trat, um all das zu verkünden, wirkte der 32-Jährige so gar nicht wie ein Eroberer. Er sagte zwar: „Wir treiben den Wandel im Musikgeschäft.“ Seine leicht verkrampften Arme und die angespannten Schultern verrieten aber: Er ist nicht länger Treiber, er ist Getriebener.

Apples Musikdienst

Kein Wunder. Denn ab Montag dürfte ein schwerreicher und erfahrener Revolutionär Eks Geschäft deutlich ungemütlicher machen: Apple, nichts weniger als der weltweit mit Abstand größte Händler für digitale Unterhaltung jeder Art – Musik, Filme, Spiele.

Konzernchef Tim Cook, das hat unter anderem Sonys Musik-Chef Doug Morris verraten, wird bei der Entwicklerkonferenz in San Francisco den Einstieg in den boomenden Markt für Musik auf Abruf verkünden. Und den vor einem Jahr gekauften Streamingservice Beats wohl unter der Apfelmarke mit einer weltweiten Werbewelle neu starten.

Wer am Musikstreaming verdient

Für Streamingdienste wie Spotify verspricht das eine ungemütliche Zukunft. Trotz großer Anhängerschaft schreiben bereits heute alle rote Zahlen. Allein in den vergangenen zwölf Monaten hat mehr als ein halbes Dutzend Anbieter in Europa aufgegeben, so wie im April die deutsche Simfy. „Steigt Apple nun mit einem attraktiven Preis ein, wird es noch enger“, erklärt Clemens Schwaiger, bei der Beratung Arthur D. Little weltweit für das Geschäft mit digitalen Medien verantwortlich. „Das Endspiel beginnt.“

Apple startet somit die zweite Angriffswelle auf den Musikmarkt. Der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs hatte das Musikgeschäft mit dem iTunes-Laden vor 14 Jahren bereits einmal umgewälzt. Heute tummeln sich dort rund 800 Millionen Kunden und kaufen Musikstücke, um sie auf ihre iPhones, iPods und Rechner herunterzuladen.

„Apples Schritt ins Streaming wird die Musikbranche von Grund auf verändern“, erwartet Stefan Zarges, Chefredakteur des Branchenmagazins „Musikmarkt“ und Chef des gleichnamigen Verlags. Die Fans bekommen, zumindest zunächst, mehr für ihr Geld. Plattenkonzerne erhalten vorerst höhere Einnahmen – später vielleicht aber durch Apple neue Konkurrenz beim Vermarkten von Künstlern.

Der deutsche Musikmarkt im Wandel

Was genau Apple plant, ist wie immer geheim. „Selbst gegenüber langjährigen Geschäftspartnern sind die seit Monaten sehr verschlossen in Bezug auf den neuen Service“, weiß Michael Pohl, Geschäftsführer der Kontor New Media GmbH, ein führender Digitalvertrieb aus Hamburg.

So viel zeichnet sich ab: Anders als Spotify und Deezer aus Frankreich bietet Apple keinen werbefinanzierten Dienst, sondern nur einen Premiumservice ohne Reklameunterbrechungen und die Möglichkeit, Musik für Zeiten ohne Internet-Verbindung zu speichern. Der könnte pro Monat einen Euro billiger sein als die zehn Euro, die Spotify und Deezer verlangen. „Wenn kein Wettbewerbshüter protestiert, können es auch zwei werden“, glaubt ein Musikmanager.

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