Apple verliert Umsatz Die fetten Jahre sind vorbei

Erstmals seit 2001 beendet Apple das Geschäftsjahr mit einem Umsatzrückgang. Neue Wachstumsquellen jenseits des iPhones sind für Konzernchef Tim Cook weiter nicht in Sicht.

Apple-Chef Tim Cook Quelle: REUTERS

In solchen Momenten reagiert selbst der sonst souveräne Tim Cook schmallippig. Ob der Apple-Chef etwas zur langfristigen Strategie für die nächsten Jahre sagen könne, fragt ein Analyst in dem Telefonat mit Investoren nach der Präsentation der Quartalsergebnisse. Oder ob er momentan vor allem auf das reagiere, was so am Markt passiert.

Schon allein die Frage ist eine Frechheit. Zumindest aus der Perspektive von Apple. Schließlich fußt das Selbstbewusstsein des Konzerns darauf, sich wenig darum zu scheren, was die anderen tun, sondern vor allem die eigenen Visionen zu verfolgen. Entsprechend zugeknöpft antwortet Cook. „Wir haben sehr viel in der Pipeline, wie immer reden wir nicht darüber, aber wir sind zuversichtlich.”

Nicht so die Wall Street. Nach der Bekanntgabe der Zahlen sank Apples Kurs nachbörslich um mehr als zwei Prozent. Erstmals seit 2001, wo mit der Einführung des iPod der Aufstieg von Apple zur Tech-Macht mit den großen Visionen begann, schließt der Konzern das Geschäftsjahr mit einem Umsatzrückgang ab. Die fetten Jahre, in denen die iPhone-Verkäufe Apple zur wertvollsten Firma der Welt machten, sind vorbei.

Das hat Apple gezeigt
Da ist es also, das neue iPhone. Jetzt mit der Nummer 7 künftiges Statussymbol und Wegbegleiter für viele Fans, Cashcow für Apple. Mit der regelmäßigen Neuauflage seines Smartphones erwirtschaftet der Konzern gigantische Gewinne, zuletzt zeichnete sich aber eine Ermüdung ab. Groß pries der Konzern die Vorzüge und Neuerungen des iPhone 7 an. Tatsächlich sind einige nette Gimmicks dabei. Dass es für eine Neuauflage des einstigen Hypes reicht, ist unwahrscheinlich. Quelle: AP
Was sofort ins Auge fällt: Es gibt das iPhone in neuen Schwarz-Varianten: einmal glänzend ("Jet Black"), einmal matt ("Black"). Auch an der Bedienung ändert sich was: Der Home-Button ist nun nicht mehr real, er gibt ein Vibrations-Feedback. Das hat Apple schon bei der Smartwatch so gelöst. Ein Preisknaller ist das Smartphone weiterhin nicht: ab 649 US-Dollar geht es beim iPhone 7 los. Lieferbeginn ist übrigens am 16. September. Quelle: REUTERS
Die Kamera(s) des iPhone hat Apple deutlich verbessert. Neben den erwartbaren technischen Upgrades vor allem beim größeren iPhone 7 Plus (besserer Bildstabilisator, bessere Blende, mehr Megapixel) hat der Konzern seinem Vorzeige-Smartphone ein paar nette Tricks spendiert: Durch den Einsatz von einer Tele- und einer Weitwinkellinse können etwa besondere Porträts aufgenommen werden, mit einem scharfen Vorder- und einem verschwommenen Hintergrund. Diese Blur-Funktion gibt es aber nur für Nutzer des iPhone 7 Plus und auch das erst per Software-Update im Laufe des Jahres. Quelle: REUTERS
Auch auf die Ohren sollen die Apple-Jünger künftig besser bekommen: Nun gibt es Stereo-Lautsprecher. Zudem ersetzt der Lightning-Anschluss künftig die Kopfhörerbuchse. Der erwartbare Ärger, den diese Information im Vorfeld unter Kopfhörerbesitzern auslöste, war für Apple offenbar Grund genug, einen Adapter zur Verfügung zu stellen. Auch vorhandene Kopfhörer mit 3,5-mm-Klinkenanschluss können also ans iPhone angestöpselt werden. Quelle: REUTERS
Wer beim Musikhören keine Lust mehr auf Kabel hat, trägt künftig die drahtlosen AirPods im Ohr. Die Kosten: stattliche 159 Dollar. In den drahtlosen Kopfhörern steckt ein neuer, von Apple entwickelter Chip. Auch der zu Apple gehörende Kopfhörer-Spezialist Beats bringt drei neue Modelle mit dem so genannten W1-Chip. Dieser soll unter anderem eine bessere Tonqualität bringen. Quelle: REUTERS
Daneben gibt es weitere Verbesserungen. Wasser- und staubdicht nach dem IP67-Standard ist das Telefon jetzt. Der Prozessor ist schneller, das Display heller. Und um die Marketingfloskel des Abends wenigstens einmal zu nennen: Es ist das beste iPhone. EVER. Quelle: dpa
Auch das Upgrade der konzerneigenen Smartwatch Apple Watch konnte sich sehen lassen. Quelle: REUTERS
Anders als der Vorgänger ist die Uhr nicht nur gegen Wasserspritzer geschützt. Sie kann auch beim Schwimmen getragen werden und soll bis 50 Meter wasserdicht sein. Außerdem neu an Bord: GPS. Eine Sinnvolle Ergänzung für Jogger und Wanderer. Die Apple Watch Series 2 kommt auch in neuen Farben und Materialien, als weißes Keramikmodell zum Beispiel. Bei der Präsentation hat sich Apple ins Zeug gelegt. Aus gutem Grund: Luft nach oben ist bei den Verkaufszahlen schließlich: So sehr sich Tim Cook auch bemühte, den Erfolg der Apple Watch zu feiern, sie ist nach einhelliger Expertenmeinung hinter den Erwartungen geblieben. Genaue Zahlen hat Cook auch bei der Vorstellung der zweiten Generation nicht genannt. Quelle: REUTERS
Achja, der Prozessor der „Apple Watch Series 2“ ist natürlich schneller, der Grafikprozessor leistungsstärker. Überraschender: Neben der Apple Watch 2 (ab 369 Dollar) wird es auch den Vorgänger in einer technisch aufgebohrten Version (ab 269 Dollar) als Einstiegsmodell und in Zusammenarbeit mit Nike eine Apple Watch Nike Plus geben. Quelle: REUTERS
Im Rahmen der Show eher Beiwerk: Für Anhänger der Bürosoftware iWork soll gemeinsames Arbeiten künftig einfacher werden. In Zukunft sollen die Nutzer auch von unterschiedlichen Geräten an einem Dokument arbeiten können – und zwar parallel. Quelle: dpa
Ein kleines Bonbon hatte der iKonzern noch für Spieler im Gepäck: Super Mario wird künftig auf dem iPhone spielbar sein. Dass der beliebte Jump-and-Run-Held von Nintendo künftig auf Apple-Geräten läuft und springt, darf durchaus als kleine Sensation gewertet werden. Erstmals schafft es die Figur auf eine Plattform außerhalb des Nintendo-Universums. Quelle: REUTERS

Im dritten Quartal in Folge muss der Hersteller nun sinkende Umsätze verbuchen, diesmal sanken sie um neun Prozent auf 46,9 Milliarden Dollar. Die Nettoeinnahmen fielen um 19 Prozent auf neun Milliarden Dollar (1,67 Dollar pro Aktie) von 11,1 Milliarden Dollar (1,96 Dollar pro Aktie) im Vorjahr.

Es rächt sich immer mehr, dass fast zwei Drittel der Einnahmen am iPhone hängen. Im vierten Quartal verkaufte Apple nur 45,5 Millionen iPhone, 2,5 Millionen Stück weniger als im Jahr zuvor. Die Nachfrage ist gesättigt, besonders in Teilen Chinas, wo Apple im Vorjahresquartal Zuwächse von bis zu 99 Prozent verzeichnete, lassen die Verkäufe nach.

Ob Apple von dem Desaster um die brennenden Galaxy Note 7 von Samsung profitieren könne, das der Aktie zwischenzeitlich zu einem Höhenflug verhalf, werde sich erst in den kommenden Wochen zeigen, erklärt Thomas Husson, Analyst bei Forrester. „Die Marke Samsung ist beschädigt. Doch Kunden vergessen schnell.“

Auf Hardware allein ist kein Verlass

Apple hofft auf die neue Gerätegeneration. iPhone 7 und „besonders“ das iPhone 7 Plus erfreuen sich „starker Nachfrage“, erklärte Cook. Für das laufende Quartal, in den das wichtige Weihnachtsgeschäft fällt, erwartet er wieder steigende Umsätze von zwischen 76 und 78 Milliarden Dollar. Im Vorjahr lag der Wert bei 75,9 Milliarden Dollar.

Auf die Hardware allein jedoch wird sich der Apple-Chef nicht verlassen können. Die iPad-Verkäufe bleiben konstant auf niedrigem Niveau, werden nach einer Prognose der Analysten von eMarketer bis Ende 2016 noch weiter sinken. Die Verkaufszahlen der Kategorie „Other Products“, zu denen die Apple Watch gehört, fielen um 22 Prozent im Vorjahresvergleich, die der Mac-Rechner um 17 Prozent. Das Segment will der Konzern mit der Einführung neuer Produkte am Donnerstag ankurbeln.

Wirklich zugelegt hat bei Apple der Bereich „Services“, dessen Erträge um 24 Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar stiegen. „Services wird 2017 so groß sein wie eine Fortune 100-Firma“, bekräftigt Cook. Zu dem Bereich gehören Apple Cloud, Music, Apps Bezahldienst Apple Pay, aber auch das Internet der Dinge. Forrester-Analyst Husson prognostiziert Apple hier „signifikante“ Erlöse. „Langfristig wird die Sparte jedoch nicht groß genug werden, um das iPhone zu ersetzen.“

Von eigenen Plänen zur Konstruktion eines autonomen Autos im Geheimprojekt „Titan“ hatte sich Apple zuletzt offenbar verabschiedet. Auch an diesem Tag äußerte sich Cook dazu nur ausweichend. „Wir suchen immer nach Wegen, die Erfahrung für unsere Kunden quer über verschieden Produkte hinweg zu verbessern“, erklärte er. „Für das Auto wird sehr viel Technologie verfügbar sein, die den Bereich revolutionieren wird.“

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