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Apple Die neuen Gesichter des Steve Jobs

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Was von „Becoming Steve Jobs“ zu halten ist

Keine Frage: Die Kritik an Isaacsons Buch „Steve Jobs“ aus der Apple-Chefetage ist maßlos überzogen. Auch weil der Autor, ein renommierter und erfahrener Biograf, die notwendige Distanz hatte. Die Nörgelei ist vielmehr auf den Ärger zurückzuführen, dass Apple nicht wie sonst alles kontrollieren kann - insbesondere die Darstellung seines wichtigsten Gründers.

Aber auch wenn „Becoming Steve Jobs“ auf größeres Wohlwollen stößt und von Apple selbst gelobt wird, eine Lobhuddelei ist der neuste Blick auf Jobs Lebenswerk deswegen nicht.

Dafür steht schon der Hauptautor Schlender, der sie gemeinsam mit Tetzeli, seinem langjährigen Kollegen beim US-Wirtschaftsmagazin "Fortune", verfasste. Schlender, der über ein Vierteljahrhundert die Karriere des Apple-Gründers für das "Wall Street Journal" und "Fortune" beobachtete, ist ein angesehener Journalist.


Zwar ist er ein enger Freund der Familie Jobs, die er mit seinen eigenen Kindern zu Lebzeiten des Apple-Gründers regelmäßig in deren Wohnhaus in Palo Alto besuchte. Doch durch diese langjährige Nähe kennt er die Person Steve Jobs besonders gut.

Und damit auch dessen Schattenseiten. Nachdem "Fortune" in einer Titelstory darüber berichtete, dass Jobs neben seinem symbolischen Gehalt von einem Dollar mehr als üppige Aktienoptionen bezog, machte sich dieser nicht nur darüber lustig, indem er dem Wirtschaftsmagazin den Kauf seiner Optionen zum Vorzugspreis anbot.

Ein schlechtes Geschäft - zumindest zum Zeitpunkt der Offerte. Denn die Optionen waren damals weniger wert als ihr vertraglich vereinbarter Preis, also unter Wasser. Doch Jobs rächte sich nicht nur durch öffentlichen Spott, sondern auch durch Liebesentzug.

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Der Apple-Chef, der US-Publikationen wie dem "Wall Street Journal", "Newsweek", "Time" und der "New York Times" frühzeitig Informationen über neue Produkte zukommen ließ, strich dieses Privileg für "Fortune". Schlender konnte ihn trotz langjähriger Freundschaft lange nicht umstimmen. Später fühlte er sich von Jobs persönlich ungerecht behandelt.

Das alles trug Schlender ihm so sehr nach, dass er sogar Jobs Wunsch ausschlug, diesen während dessen Krankheit zu Hause zu besuchen. Stattdessen beklagte er sich lauthals über die miese Behandlung durch Apple.

Wenige Monate später starb Jobs. Schlender, dem angeblich nicht bewusst war, wie nah sein Freund dem Tod stand, bereut seine bockige Reaktion noch heute.

Fazit: „Becoming Steve Jobs“ ist eine lesenswerte neue Biographie des Apple-Gründers, besonders weil sie im Gegensatz zu Isaacsons Werk mit Abstand zum Tod von Jobs geschrieben ist und deshalb einige seiner Weggefährten offener über ihn redeten. Schlender verschweigt Jobs menschliche Schwächen zwar nicht, versucht sie aber aus der Situation heraus zu erklären. Manchmal wirkt ihr Relativieren etwas aufgesetzt, fast wie nachträglich in ein fertiges Manuskript eingefügt. Das ist ein Manko des Buches.

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