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Apple Watch Apples neuer Kassenschlager

Die Apple Watch dürfte ein Kassenhit werden und Umsatz, Gewinn und Aktienkurs kräftig treiben. Gelingt dem oft als dröge empfundenen Tim Cook jetzt endlich ein Streich wie einst Steve Jobs?

Tim Cook enthüllt die Uhr
Apple TVAlle warten auf die Uhr – doch das Apple-Event beginnt mit Apple TV. Der Konzern aus Cupertino wird der exklusive Partner des HBO Streaming-Dienstes HBO Now. Angeboten wird HBO Now vorerst nur in den USA. Kostenpunkt: 14,99 Dollar pro Monat. Um das Angebot nutzen zu können, ist Apple TV, ein iPad oder ein iPhone nötig. Zudem wird Apple TV künftig günstiger. Die Box kostete bis dato 99 Dollar – fortan soll sie für 69 Dollar zu haben sein. Quelle: REUTERS
CarPlayIn den letzten Wochen wurde viel über Apples Pläne gesprochen, ein selbstfahrendes Auto zu bauen. Was Apple präsentiert: CarPlay. CarPlay macht es möglich, das iPhone-Interface im Auto zu nutzen. 40 neue Automodelle sollen bis Ende des Jahres auf den Markt kommen, die mit CarPlay kompatibel sind. Quelle: REUTERS
ResearchKitKünftig will Apple zudem ein klein wenig Mediziner sein. Wer möchte, kann sein iPhone zu einem medizinischen Tool machen – er benötigt nur die App ResearchKit. Krankheiten wie Asthma, Diabetes, Parkinson und Brustkrebs sollen durch die App analysiert werden können. Die Daten seien gesichert – Apple habe keine Einsicht, verspricht der Konzern. Ab nächsten Monat soll die App verfügbar sein. Quelle: AP
MacBooksAuch eine neue Generation von MacBooks stellte Tim Cook vor – goldene MacBooks. Das neue Modell wiegt nur 900 Gramm und ist an seinem dicksten Punkt 13,1 Millimeter dick. Damit ist es 24 Prozent dünner als sein Vorgängermodell. Es gibt ein 12-Zoll-Modell mit einem Retina-Display. 1299 Dollar soll es kosten. Das neue MacBook wird ab dem 10. April in den Läden sein. Quelle: REUTERS
Apple-WatchNachdem Tim Cook seine Zuschauer lange genug hat warten lassen, stellt er das vor, worauf alle warteten: Die Apple Watch. Das digitale Ziffernblatt ist austauschbar und der Nutzer kann selbst entscheiden, was er sehen will: Das Datum, die Uhrzeit, eine Stoppuhr, ein Hinweis auf das nächste Meeting. Die Gehäuse sind in verschiedenen Ausführungen zu haben: In Gold, Aluminium und Edelstahl. Quelle: REUTERS
Die Uhr kann den Herzschlag messen und Telefonate annehmen (ein Wunsch, den Tim Cook schon hegt, seitdem er fünf ist). Zudem ist sie ein vollwertiges Fitnessarmband, das seine Nutzer beispielsweise daran erinnert, zu trainieren. Über die Funktion „Digital Touch“ ist es möglich, die eigene Uhr mit der von Freunden zu verbinden und ihnen auf diese Weise zum Beispiel den Herzschlag zu schicken. Auf der Uhr soll auch Apple Pay funktionieren. Man muss sie nur an ein entsprechendes Terminal heranführen und sie vibriert, wenn die Transaktion vollzogen ist. So müsse man nicht extra das iPhone aus der Tasche holen. Quelle: REUTERS
Die Uhr kann zudem sämtliche Benachrichtigungen, die auf das iPhone geschickt werden, anzeigen. Weiter dient sie als Freisprechanlage, sobald sie via Wlan oder Bluetooth mit dem iPhone verbunden ist. Der Akku der Uhr soll 18 Stunden laufen. Wer Apps auf ihr installieren will, muss sich die Apple Watch App herunterladen, die für iOS 8.2 erhältlich ist. Der Download von iOS 8.2 ist ab heute möglich. Quelle: AP

Für Apple-Chef Tim Cook hängt vom Erfolg der Apple Watch mehr ab als nur die Antwort auf die Frage, ob es Leute gibt, die für einen kleinen Computer mit Internet-Zugang am Handgelenk 399 Euro bezahlen. Mit seiner Smartwatch, die im April in Deutschland auf den Markt kommen soll, drückt Cook dem Konzern erstmals seinen Stempel mit einem neuartigen Produkt auf – so, wie es die Anleger von seinem Vorgänger gewohnt waren, dem götzenhaft verehrten Steve Jobs. Mit dem oft als drögen Buchhalter verunglimpften Cook verbinden die Investoren hingegen bisher Dinge wie Aktienrückkaufprogramme und Dividenden.

Die Zeichen aber stehen gut, dass auch Cook einen Verlaufsschlager à la iPod oder iPhone produziert. Die Apple Watch hat etwas, was bisher allen Bestsellern von Apple gemeinsam war: Sie erleichtert den Kunden das Leben. Alltägliche Handgriffe wie die Suche nach dem Handy in Jacken und Manteltaschen werden überflüssig. Man schaut auf die Uhr und sieht, wer anruft oder schreibt. Mit einem Tipp auf das Display lässt sich ein Anruf ablehnen oder eine Nachricht löschen.

Die Köpfe hinter Apple

Sicher: Auch die Smartuhren anderer Hersteller können Ähnliches. Aber sie haben ihre Grenzen immer dort, wo die Systeme verschiedener Anbieter zusammenspielen müssen. So können etwa die Besitzer einer Smartwatch des Herstellers Pebble auf dem digitalen Zifferblatt sehen, wenn eine Mail für sie angekommen ist; sie müssen aber erst an ihren Computer, an ihr Handy oder Tablet gehen, um darauf antworten zu können. Weil die Apple Watch über die iCloud (Apples Datenwolke, in der jeder Kunde sich mit jedem Apple-Gerät anmelden kann) mit den anderen Apple-Geräten verbunden ist, hat die Uhr einen entscheidenden Vorteil. Apple-Kunden können per Sprachsteuerung eine Antwort direkt in die Apple Watch sprechen oder per Knopfdruck kurze, vorgefertigte Standardantworten schicken.

Seit der Vorstellung ist nun auch klar, dass man Apples Uhr jeden Abend laden muss; bei den Smartwatches der meisten anderen Hersteller ist das so. Da die meisten Smartwatch-Träger das Laden in ihre tägliche Routine einbauen wie das Zähneputzen, sollte das kein Verkaufshindernis sein.

Mit 178 Milliarden Dollar könnte Apple...

Derweil versuchen die Analysten an der Wall Street, das Umsatz- und Gewinnpotenzial des möglichen Verkaufsschlagers vorherzuberechnen. Klar ist: Es dürfte erheblich sein und den Aktienkurs bei sonst gleichen Bedingungen antreiben. Rod Hall, der Apple für die Investmentbank JP Morgan Chase analysiert, veröffentlichte eine eher offensive Schätzung: Er glaubt, Apple werde in diesem Jahr 26 Millionen Uhren verkaufen und den Absatz schon 2016 auf 55 Millionen Stück steigern. Auf den Gesamtkonzern gesehen, wäre das eine Umsatzsteigerung von fast 23 Milliarden Dollar oder zehn Prozent für 2016.

Der Erfolg eines Luxusmodells von Apple in einer Branche, in der etwa die Modelle des Schweizer Herstellers Patek Philippe von 16.000 Dollar aufwärts kosten, ist keine ausgemachte Sache – und nicht nur eine Frage des Markennamens: Teure Uhren sind mit einem hoch entwickelten Uhrwerk ausgestattet, in dem viel Handarbeit und teils jahrhundertealtes Wissen stecken, wogegen die Apple Watch wohl in allen Varianten das gleiche, billige Computer-Innenleben hat. Hall schätzt, dass Apple daher 95 Prozent des Uhrenumsatzes mit den billigeren Modellen machen wird.

In Arbeit
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In Basel findet vom 19. März an die wichtigste Ausstellung mechanischer Uhren statt, die Baselworld. Es wird interessant sein, zu sehen, wie Luxusuhrenhersteller wie die Swatch Group – die Marken wie Breguet und Blancpain produziert – auf die Herausforderung durch Apple reagieren.

Mit einem attraktiven Äußeren, neuartigen Funktionen und seiner Marketing- und Vertriebspower könnte Apple wieder einmal einer Produktgattung zum Durchbruch verhelfen, von der die Menschheit vorher gar nicht wusste, dass man sie unbedingt braucht.

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