Ariba-Übernahme SAP expandiert im Cloud-Computing

SAP hat mit der Ariba-Übernahme seine Aktivitäten auf den Bereich Cloud-Computing ausgebaut. Die Aktionäre reagierten zunächst nicht begeistert, die SAP-Aktie verlor im frühen Handel gut zwei Prozent.

SAP Logo Quelle: dpa

Der Softwarekonzern SAP setzt seine Expansion im Cloud-Computing fort und übernimmt mit Ariba den führenden Anbieter internetbasierter Handelsnetzwerke für 4,3 Milliarden Dollar (3,38 Milliarden Euro). Der Kauf solle mit einem Kredit von 2,4 Milliarden Euro und Eigenmitteln bestritten werden, teilte Europas größter Software-Hersteller nur wenige Stunden vor Beginn seiner Hauptversammlung am Mittwoch in Walldorf mit.

Aus der Übernahme von Ariba, einer weltweiten elektronischen Beschaffungsplattform für Unternehmen, ergebe sich eine "einzigartige Kombination", da SAP nahezu 200.000 Geschäftskunden zähle. Daraus ergebe sich eine "hohe Eintrittsbarriere" für Konkurrenten, die ebenfalls in diesen Markt strebten. Zusammen könnten SAP und Ariba beispielsweise die Beschaffung und den Vertrieb ihrer Kunden automatisieren, mit der Datenanalyse-Software Hana ließen sich zudem große Datenbestände schnell durchsuchen. Künftig könnten die Transaktionen auch auf mobilen Computern und Smartphones abgewickelt werden.

Erst im Februar hatte SAP den Cloud-Anbieter Success Factors für 2,5 Milliarden Euro übernommen.

So nutzen Dax-Konzerne die Cloud
AdidasAdidas setzt nach eigenen Angaben zunehmend auf Cloud Computing und dabei verstärkt auf Software as a Service (SaaS) ein - also Anwendungen, die nicht lokal installiert sind, sondern über das Netzwerk ausgeführt werden. Die Rechenkraft kommt aber immer noch aus der eigenen IT-Abteilung: "Cloud-Infrastruktur-Dienste nutzen wir eher wenig - hier sehe ich für kleinere Firmen mehr Potential", so Jan Brecht, CIO der Adidas-Gruppe. Dabei setzt Adidas nicht auf einen bestimmten SaaS-Anbieter, sondern lässt sie in Ausschreibungen gegen traditionelle Formen der Applikationsbereitstellung antreten. "Zunehmend gewinnen die SaaS-Anbieter nicht nur in Randgebieten wie Mobiltelefonabrechnung, Tankkartenabrechnung und Reisekostenabrechnung, sondern auch in Kernprozessen wie Logistik-Portal und Fracht-Management", so der Chief Information Officer. Quelle: dpa
Allianz meidet die externe CloudAls Versicherer ist Allianz bei ihrer IT besonders vorsichtig. Trotz unbestrittener Vorteile setzt der Technik-Chef der Allianz-Gruppe, Ralf Schneider, in sensiblen Bereichen nicht auf externe Dienstleister. "Cloud Services an den richtigen Stellen bringen Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen mit sich. Das ist unbestritten. Aber als Versicherer geben wir die Hoheit über unsere Kundendaten nicht aus der Hand. Datensicherheit und Datenschutz haben oberste Priorität", so Schneider. Daten und Anwendungen blieben in der eigenen Verantwortung und unter eigener Kontrolle. Quelle: dpa
Interner Dienstleister baut an Privater CloudIntern setzt die Allianz-Gruppe allerdings auf Cloud-Technologien. Dafür ist der interne Dienstleister AMOS IT zuständig. Weltweit verlagert das Unternehmen derzeit die IT-Infrastruktur in zentral gesteuerte Rechenzentren der AMOS. "In einem nächsten Schritt sollen auch die Applikationen, die auf den Rechnern laufen, von der AMOS IT betrieben werden", so die Sprecherin. Cloud-Services würden erheblich zu Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen beitragen. Quelle: dpa
Thyssen-Krupp: Viele Wegen führen zur CloudBei Thyssen-Krupp verfolgen die Unterabteilungen des Unternehmens jeweils eigene Strategien. "Derzeit gibt es im Thyssen-Krupp-Konzern viele dezentrale IT-Versorger. Eine Harmonisierung ist im Gange - jedoch nicht notwendigerweise verbunden mit physischer Zentralisierung", so ein Unternehmenssprecher. Im Konzern gäbe es einzelne Ansätze wie etwa cloud-basierte E-Mai-Farmen (seit etwa fünf Jahren im Einsatz) und ein bereits seit zehn Jahren cloud-basiertes Intranet. Public-Cloud-Ansätze würden nicht verfolgt. Vom Konzept ist auch Thyssen-Krupp überzeugt: "Clouds reduzieren nachweislich Kosten". Quelle: dapd
CommerzbankBei der Commerzbank wird die IT derzeit durch die Integration der Dresdner Bank umgebaut. Das Thema Cloud Computing rückt dadurch in den Hintergrund. "Wir prüfen regelmäßig die Entwicklungen am Markt und sind grundsätzlich offen für neue Lösungen", so eine Sprecherin.   Quelle: dpa
Munich ReFür die im Dax vertrene Munich Re hat die Ergo-Versicherungsgruppe die Fragen stellvertretend beantwortet. Aus Sicht der Ergo können die auf dem Markt verfügbaren Public-Cloud-Lösugen die besonderen Sicherheitsaufklagen, die Versicherer an den Schutz ihrer Kundendaten stellen, derzeit noch nicht erfüllen. "So sind die Fragen, wo und wie die Daten zu einem bestimmten Zeitpunkt gespeichert sind, ungeklärt", sagte ein Sprecher. Intern nutzt die Ergo nach eigenen Angaben aber bereits "Cloud-ähnliche Prinzipien zur Betriebsoptimierung". "In Bereichen, in denen keine besonderen Datensicherheitsniveaus notwendig sind, setzen wir heute schon auf extern gehostete öffentliche Cloud-Lösungen", so der Sprecher. Beispiele seien die Ideenforen von Itergo, die Vertriebe oder die neue Ergeo-Kundenwerkstatt Quelle: dpa
BASFDie Chemieriese setzt nach eigenen Angaben seit einigen Jahren auf Private-Cloud-Technologien, ein hybrides Cloud-Modell ist in Planung. "Mit der Private Cloud haben wir gute Erfahrungen gemacht", so ein Mirarbeiter des internen IT-Dienstleisters BASF IT Services. Die Private Cloud werde durch BAST IT Services bereitgestellt, für die hybride Cloud sei der Anbieter noch offen. "Für die Zukunft planen wir eine verstärkte Nutzung und werden insbesondere unsere PaaS-Leistungen (Platform as a Service) weiter ausbauen", so der IT-Mitarbeiter. Die Versprechen der Cloud-Techonologie habe sich voll erfüllt, insbesondere was die Bereitstellungszeit neuer Systeme angeht. "Diese hat sich von mehreren Wochen auf wenige Stunden verkürzt". Quelle: dpa

Wie SAP weiter mitteilte, wird die US-Tochter der Walldorfer 45 Dollar je Ariba-Aktie zahlen. Der Verwaltungsrat habe die Akquisition bereits einstimmig gebilligt, hieß es. Das Geschäft müsse aber unter anderem noch von den Ariba-Aktionären und den zuständigen Kartellbehörden abgesegnet werden. Der Abschluss der Transaktion werde dann für das dritte Quartal erwartet.

Die Anleger haben am Mittwoch auf den ersten Blick wenig begeistert auf den jüngsten Einkauf von SAP reagiert. Die Aktien rutschten in einem schwachen Gesamtmarkt um gut zwei Prozent auf 46,78 Euro ins Minus. Händler kritisierten, dass die Übernahme zu teuer sei. "Das ist teuer, aber macht Sinn", fassten dagegen die Analysten der Bank of America Merrill Lynch ihren Kommentar zu der Übernahme zusammen. Die Aktien von Ariba legten am Dienstag an der Nasdaq um 19 Prozent auf 44,87 Dollar zu und erreichten damit fast genau den von SAP gebotenen Preis. Auch UBS sieht in der Übernahme eine gute strategische Entscheidung. Allerdings sei die
Akquisition nicht gerade günstig. Exane BNP sieht SAP zwar auch auf dem richtigen Weg, aber sorgt sich ungeachtet der Übernahme weiter über die Cloud-Strategie der Softwareschmiede. DZ-Bank-Analyst Oliver Finger zeigt sich wenig überrascht von dem Angebot. "Wir würden eine Gegenofferte eines Wettbewerbers nicht komplett ausschließen, da Ariba einer der strategischen Player im Cloud-Markt ist", fügte Finger hinzu.

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