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Aufständische Aktionärsgruppe Blackberry-Chef soll seinen Hut nehmen

Die Lage bei RIM spitzt sich zu. Erst die miesen Quartalszahlen, und dann muss der Blackberry-Hersteller auch noch die Einführung des neues Modell verschieben. Einige Aktionäre wollen nun Chef Thorsten Heins loswerden.

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RIM-Chef Thorsten Heins während einer Präsentation. Quelle: dapd

New York/San Francisco/Ottawa Beim Blackberry-Hersteller RIM spitzt sich die Lage zu. Vergangenen Freitag brach der Aktienkurs um 19 Prozent ein. Die ehemals das Smartphone-Geschäft dominierende Firma hatte einen Quartalsverlust von mehr als 500 Millionen Dollar ausgewiesen und den Start des als Hoffnungsträger gepriesenen neuen Telefonmodells auf 2013 verschoben.

Aktionäre und Analysten befürchten nun, dass der Bargeldbestand der Firma von 2,2 Milliarden Dollar schnell aufgebraucht sein könnte. "Ich glaube, es ist vorbei. Die Tage von RIM als Konzern sind gezählt", sagte Vic Alboini, Chef des Hedge-Fonds Jaguar Financials, im Handelsblatt-Interview.

Alboini führt eine Gruppe von Aktionären an, die nach eigenen Angaben knapp zehn Prozent an dem Konzern halten. "Die Quartalszahlen und die Verschiebung des neuen Gerätes waren ein Desaster, Punkt", sagte Alboini und fügte hinzu: "Vor diesem Hintergrund sollte Vorstandschef Thorsten Heins zurücktreten." Er sei ein guter Ingenieur, aber habe keine Erfahrung in der Restrukturierung einer Firma. Eine Sprecherin des früheren Siemens-Managers Heins, der erst im Januar 2012 RIM-Chef wurde, wies die Forderung zurück. Heins habe mit der Restrukturierung der Firma begonnen und werde die Kosten deutlich senken.

Die kanadische Firma RIM hat mit ihren Handys der Marke Blackberry den Mobilfunkmarkt revolutioniert. Sie waren die Ersten, die in großem Stil E-Mails auf einem Mobiltelefon verfügbar machten. Lange Zeit war das handliche Gerät das Statussymbol von Topmanagern. Die Situation änderte sich jedoch, als Apple 2007 mit dem - im Gegensatz zum Blackberry - multimediafähigen iPhone auf den Markt kam. RIM fand auf diese neue Konkurrenz bis heute keine überzeugende Antwort. Das neue Blackberry, das dem iPhone Paroli bieten soll, wird nun erst Anfang 2013 statt wie ursprünglich geplant im Herbst 2012 auf den Markt kommen.


RIM weist Sorgen zurück

An der Börse ist der Konzern nach dem Absturz jetzt nur noch 3,8 Milliarden Dollar wert - kaum ein Zwanzigstel der Höchstbewertung im Jahr 2008.

Einige Analysten zweifeln daran, dass das neue Smartphone-Modell noch rechtzeitig kommt, um den Konzern als Ganzes zu retten. So erklärten die Experten der Bank of America am Freitag, sie glaubten nicht mehr daran, dass RIM sich eine eigene Softwarewelt aufbauen könne wie die, die das iPhone zum Erfolgsgerät machte.

RIM bestreitet dies und weist die Sorge von Aktionären zurück, der Bargeldbestand könnte durch Investitionen in das neue Gerät bald aufgebraucht sein. In der jüngsten Analystenkonferenz nach den Quartalszahlen hatte das RIM-Management diese Furcht als unbegründet verworfen.

Heins, der erst im Januar auf die beiden Gründer Jim Balsillie und Mike Lazaridis gefolgt war, weigerte sich nach seinem Amtsantritt zunächst, eine Aufspaltung von RIM in Erwägung zu ziehen. Diskutiert worden war etwa der Verkauf der Patente oder der Hardware-Sparte. Doch Heins vollzog eine Kehrtwende und erklärte, weitere Optionen zu prüfen. Ein Verkauf allein der Patente könnte nach Analystenschätzungen fünf Milliarden Dollar bringen. Das wären 30 Prozent mehr, als die ganze Firma derzeit an der Börse wert ist.

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