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AWS-Chef Andy Jassy „Deutschen Firmen ist wichtig, wo Daten gespeichert werden”

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„Ein eigenes Datenzentrum macht keinen Sinn“

Wie begegnen Sie Warnungen, dass Amazon bei der Internet-Infrastruktur zu mächtig und damit so systemrelevant wie einige Banken wird, die deswegen vom Steuerzahler gerettet werden mussten?
Da es sich um einen Billionenmarkt handelt, wird es allein schon deswegen sehr viele Anbieter geben. Allerdings nicht mehrere Dutzend, weil man eine gewisse Größenordnung und eine große Bandbreite von Funktionen benötigt, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Vor- und Nachteile des Cloud Computing

Stimmt es nicht, dass Amazon Web Services so eine Art Hotel California ist, wie es die Rocker von Eagles besingen? Wenn man einmal eingecheckt ist, kommt man nicht mehr heraus?
Nein. Da achten schon unsere Kunden darauf, dass sie nicht auf einen Anbieter festgelegt und damit abhängig von ihm sind. Wir haben glücklicherweise nur wenige Kunden, die uns verlassen haben...

...wie den Computerspielanbieter Zynga.
Wobei Zynga, nachdem sie zwischenzeitlich ein eigenes Datenzentrum aufgebaut hatten, inzwischen wieder zu uns zurückgekommen sind. Aber es geht, auch bei Unternehmen die von anderen aufgekauft wurden und im Rahmen der Zusammenlegung den Cloud-Anbieter wechseln mussten. Es ist viel leichter als bei den alten Softwareanbietern wie etwa Oracle, die ihre Kunden mit Lizenzverträgen knebelten.

Mit dem Silicon-Valley-Softwarekonzern Oracle sind Sie gerade heftig im Schlagabtausch. Wollen Sie dessen Datenbanken ersetzen?
Wir orientieren uns an den Bedürfnissen unserer Kunden. Und vielen von denen waren die Verträge mit kommerziellen Datenbankanbietern leid. Deshalb haben wir auf Open-Source-Alternativen wie MySQL und PostgreSQL gesetzt. Und dann mit Aurora ein Angebot entwickelt, das auch von der Leistung her mithalten kann. Es ist der am schnellsten wachsende Service in der Geschichte unseres Unternehmens.

Sie propagieren, dass letztlich die gesamte IT-Infrastruktur in die Cloud wandern wird. Warum?
Es wird nur sehr wenige Unternehmen geben, die noch ein eigenes Datenzentrum nur für sich betreiben. Es macht ökonomisch einfach keinen Sinn. Kein Unternehmen ist scharf drauf, eine Menge Server zu kaufen und verwalten zu müssen. Aber auf die Zeitspanne, wann nahezu alles von der Cloud aus betrieben wird, will ich mich nicht festlegen.

Wenn das tatsächlich so ist, warum bauen dann Facebook oder Apple ihre eigenen Datenzentren aus?
Sagen wir so: Die Zahl der modernen großen Technologieunternehmen, die auf eigene Datenzentren setzen, ist sehr klein. Und ich gehe davon aus, dass es in Zukunft noch weniger werden.

Sie arbeiteten schon für Amazon, als dessen Scheitern regelmäßig vorausgesagt wurde und das Unternehmen besonders nach dem Platzen der Dot.com-Blase unter erheblichem Druck stand. Wie hat Sie das als Manager verändert?
Man sollte sich nicht danach richten wie externe Beobachter oder Börse urteilen, sondern nach dem tatsächlichem Geschäftsverlauf und der Zufriedenheit der Kunden. Man ist eben nicht dreißig Prozent klüger, nur weil die Aktie gerade 30 Prozent gestiegen ist. Das würde ja im Umkehrschluss bedeuten, dass man 30 Prozent dümmer ist, wenn sie entsprechend fällt.

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