BASF Warum der Chemie-Gigant seine Ziele verfehlt

Ausgerechnet im 150. Jubiläumsjahr sinken bei der BASF Umsatz und Gewinn. Einige Konkurrenten schneiden besser ab. Die Probleme des Ludwigshafener Chemiekonzerns liegen vor allem an zwei Sparten.

Beim Ludwigshafener Chemiekonzern BASF sinken Umsatz und Gewinn Quelle: dpa

Mit nahezu sämtlichen Prognosen lagen die BASF-Manager um Konzernchef Kurt Bock in diesem Jahr daneben. Die Steigerungsraten der Weltwirtschaft, die weltweite Produktion der Chemieindustrie, die Entwicklung beim Ölpreis –  sämtliche entscheidende Faktoren hatten die Ludwigshafener zu Jahresbeginn viel zu optimistisch eingeschätzt. So ging die BASF etwa im Schnitt von einem Ölpreis von 65 Dollar pro Barrel aus – tatsächlich lag der Durchschnittspreis bei 55 Dollar.

Bei der aktuellen Vorlage der Quartalszahlen zeigte sich nun, dass der fallende Ölpreis und die weltwirtschaftliche Abkühlung  der BASF mehr zusetzt als  gedacht – insbesondere in China und Brasilien laufen die Geschäfte schlecht. In keiner Weltregion konnten die Ludwigshafener zwischen Juli und September Umsatzzuwächse erzielen.

Auch seine eigene Prognose muss BASF-Chef Bock nun zurücknehmen: Im laufenden Jahr werden Umsatz und Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüsse (Ebit) leicht sinken. Bis vor kurzem hatte der Konzern immerhin noch mäßige Zuwächse erwartet. Bereits im dritten Quartal waren Umsatz und Ebit deutlich zurückgegangen.

Gewinneinbruch im Pflanzenschutz

Bei einigen Konkurrenten, die bereits ihre Zahlen vorgelegt haben, läuft es derzeit besser als bei der BASF. Sowohl der niederländische Lack-Spezialist Akzo als auch die seit kurzem börsennotierte Bayer-Kunststoff-Tochter Covestro konnten erfreulichere Zahlen vorlegen.

Dass es die BASF besonders tritt, hängt  vor allem mit der Entwicklung in zwei Sparten zusammen. So fördert die BASF, anders als die meisten Konkurrenten, selbst Öl und Gas – und leidet deswegen ganz besonders unter dem sinkenden Ölpreis. Um acht Prozent sanken nach BASF-Angaben die entsprechenden Verkaufspreise.

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Der zweite Schwachpunkt der Ludwigshafener ist das Pflanzenschutzgeschäft („Agricultural Solutions“), das als weniger innovativ gilt und schlechter läuft als beim Konkurrenten Bayer. Im dritten Quartal brach das Ergebnis im Agrarchemiegeschäft um 84 Prozent auf sieben Millionen Euro ein; die BASF machte dafür höhere Kosten und Probleme im wichtigen Markt Brasilien verantwortlich.

Um gegenzusteuern, tritt BASF-Chef Bock nun, wie er sich ausdrückte „voll auf die Kostenbremse“, das Sparprogramm wird ausgebaut. Vor wenigen Tagen hatte Bock bereits zugesagt, dass es am Stammwerk in Ludwigshafen, wo 36 000 Mitarbeiter beschäftigt sind, in den nächsten fünf Jahren keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird.

Die Aktionäre reagierten prompt auf die schlechten Quartalszahlen: Der Kurs der BASF-Aktie fiel um etwa fünf Prozent.

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