Beats gegen Bose Bizarrer Kopfhörer-Streit in der NFL

Es ist ein klassischer Fall von Guerilla-Marketing: Ein Sportler trägt Kopfhörer von Beats, obwohl die Liga vom Konkurrenten Bose gesponsert wird - und plötzlich redet die ganze Sportwelt drüber.

Mit einem kleinen Stück Klebeband hat der 49ers-Quarterback Colin Kaepernick das berühmte

In Europa sind Spieler der National Football League (NFL) größtenteils unbekannt. In den USA sind sie Superstars - und gehören zu den bestbezahlten Sportlern der Welt. So erhält etwa der Spieler des fünfmaligen Super-Bowl-Gewinners San Francisco 49ers, Colin Kaepernick, bis zu seinem Vertragsende im Jahr 2020 bis zu 110 Millionen Dollar.

Das bedeutet nun noch lange nicht, dass Kaepernick das Geld gerne aus dem sprichwörtlichen Fenster schmeißt. Kürzlich musste er jedoch 10.000 Dollar zahlen – für ein äußerst ungewöhnliches Vergehen: Er trug die falschen Kopfhörer.

Aber der Reihe nach.

Die NFL hat vor kurzem eine Partnerschaft mit dem Unternehmen Bose geschlossen, das auch Kopfhörer herstellt. Die Footballspieler dürfen nun in der Öffentlichkeit keine Marken der Konkurrenz mehr tragen. Das Problem ist jedoch: Die meisten Athleten stehen nicht auf Bose - sondern auf Beats. Und diese Markentreue haben sie trotz des Verbots bislang gerne ausgelebt. Kaepernick zum Beispiel trug weiter seine Beats-Kopfhörer. Daher die 10.000 Dollar Strafe.

Um einer erneuten Strafe zu umgehen, griff Kaepernick nun zu einem einfachen Trick: Er klebte die Logos mit Klebeband ab. Dann trat er wieder bei einer Pressekonferenz auf. Zur großen Freude von Beats-Gründer Jimmy Iovine. "Wir haben nichts getan und trotzdem kleben die Spieler die Logos ab", zitiert ihn das US-Portal Business Insider. "Ich kann dieses Glück gar nicht fassen."

Denn plötzlich ging es nicht mehr um Kaepernicks Meinung zu dem vergangenen Spiel, sondern nur um seine Kopfhörer. Mit anderen Worten: Der Versuch der NFL, Beats-Kopfhörer zu verbannen, ging komplett nach hinten los. Anstatt die Beats-Kopfhörer elegant aus dem Bild verschwinden zu lassen, waren sie jetzt das Gesprächsthema.

Für Beats - persönlicher Sponsor von Kaepernick -, ist die Aktion deutlich mehr wert als die 10.000 Dollar Strafe. Erste Berechnungen aus den USA sprechen der Guerilla-Marketing-Aktion aber einen Wert von rund zwei Millionen Dollar zu. Fast kostenlose Aufmerksamkeit.

Es ist nicht das erste Mal, dass Beats und Bose aufeinandertreffen. Bose hatte die Marke einst verklagt, da der Audio-Spezialist Patente zur Geräuschunterdrückung durch Beats verletzt sah. Anfang der Woche legten die beiden Unternehmen den Patentstreit nach mehreren Monaten bei. Sie beantragten vor Gericht die Einstellung des Verfahrens, Einzelheiten zur Einigung wurden zunächst nicht bekannt.

Die Geschichte von Apple
24.02.1955Steve Jobs wird in San Francisco geboren und von seiner Mutter Joanne Simpson zur Adoption freigegeben. Paul und Clara Jobs adoptieren das Baby. Quelle: dpa
1972Steve Jobs entdeckt am liberalen Reed College in Portland seine Liebe zu Design. Quelle: reuters
1974Der 19jährige Jobs heuert bei der Computerfirma Atari an, um Geld für eine Reise nach Indien zu verdienen. Auf seiner späteren Reise wird er zum Buddhisten und Veganer. Quelle: dpa
1976Gemeinsam mit Steve Wozniak (rechts) und Ronald Wayne gründet Steve Jobs am 1. Apri 1976 Apple Computer. Erster Geldgeber ist der ehemalige Intel-Manager Mike Markkula. Wayne steigt nach ein paar Wochen aus, weil Jobs angeblich mit vollen Händen das Geld ausgibt. Quelle: dpa
1977Apple stellt auf einer Computermesse den Heimcomputer Apple II vor. Im ersten Jahr werden 2500 Stück verkauft, im Folgejahr schon 8000 und darauf über 30.000 Exemplare. Quelle: AP
1978 - 1980Im Jahre 1978 wird Steve Jobs Tochter Lisa Brennan Jobs geboren. Zwei Jahre später geht Apple mit einem Jahresumsatz von 118 Millionen US-Dollar an die Börse und macht den 25jährigen Jobs zum Multimillionär mit einem Vermögen von rund 200 Millionen US-Dollar. Quelle: AP
1982 - 19841982 holt Jobs den deutschen Designer Hartmut Esslinger und sein Team nach Kalifornien, um das Aussehen der Apple Computer neu zu definieren. Der Apple Macintosh von 1984 ist seitdem ein Stück Designgeschichte. Quelle: dpa
1985Krise bei Apple. Jobs sucht den Machtkampf mit CEO John Sculley, der in Jobs Rauswurf endet. Quelle: dpa
1985Im Jahr 1985 gründet Steve Jobs mit ehemaligen Apple-Mitarbeitern die Computerfirma Next Computer, die eine Workstation entwickelt. Das Startup wird sofort von Apple verklagt. Next ist in Technik und Design seiner Zeit voraus, allerdings so teuer, dass nur ein paar zehntausend Computer verkauft werden. Schließlich wird die Hardwareproduktion eingestellt und nur noch Software entwickelt. Quelle: REUTERS
1986Steve Jobs kauft Starwars-Schöpfer George Lucas für zehn Millionen Dollar dessen Abteilung für Computergrafik ab, die aus Lucasfilm herausgelöst wird. Das Unternehmen wird später in Pixar umbenannt. Es steht mehrmals kurz vor der Pleite, bis Mitte der neunziger Jahre der Durchbruch mit preisgekrönten Trickfilmen gelingt. Pixar wird zur Legende und im Januar 2006 für 7,4 Milliarden Dollar in Aktien an Disney verkauft. Jobs wird damit zum größten Einzelaktionär des Medienkonzerns. Quelle: AP
1991Steve Jobs heiratet Laurene Powell, die er während einer Rede an der Stanford Unversität im Publikum entdeckt. Das Paar hat einen Sohn – Reed - und zwei Töchter – Erin und Eve. Quelle: AP
1995Weltbekannt durch seinen Trickfilm Toy Story und einen Vertriebsvertrag mit Disney geht Pixar im November an die Börse. Jobs ist auf dem Papier nun rund 1,5 Milliarden Dollar wert. Quelle: AP
1996Wegen minimaler Anteile im PC-Geschäft und zu hohen Entwicklungskosten ist Apple so stark in der Krise, dass die finanziellen Mittel knapp werden. Das Unternehmen kauft Jobs NextComputer für 429 Millionen Dollar und holt mit der Akquise Jobs zurück. Quelle: AP
1997Eine folgenreiche Entscheidung, die sich für Apple kurz- und langfristig von zentraler Bedeutung herausstellen wird: Steve Jobs macht den Briten Jonathan Ive zum Chefdesigner von Apple. Quelle: AP
1998Jobs und Ive stellen im Mai den iMac vor, der mit seinem modernen, farbenfrohen Design viel Aufmerksamkeit auf Apple lenkt. Quelle: AP
1999Mit dem iBook folgt eine farbenfrohe Notebook-Version des erfolgreichen iMac. Quelle: AP
20012001 eröffnet Apple den ersten Apple Store im US-Bundesstat Virgina. Im Oktober wird der MP3-Spieler iPod vor, der zum am schnellsten verkauften Unterhaltungselektronikprodukt aufsteigt. Weiterhin stellt sich Apple rund um die sogenannte Digital Hub Strategie auf, in dem der Computer als die zentrale Station für das Konsumieren von digitalen Medien fungiert. Quelle: AP
2004Steve Jobs erhält die Diagnose auf Bauchspeicheldrüsenkrebs und nimmt eine erste gesundheitliche Auszeit. Quelle: Rtr
2006Jobs entschuldigt sich bei seinen Aktionären für das Rückdatieren von Aktienoptionen zwischen 1997 und 2002. Der langjährige Finanzchef Fred Anderson muss gehen. Quelle: rtr
Steve Jobs mit dem ersten iPhone Quelle: AP

Beats wurde Mitte des Jahres von Apple übernommen – mit einem Volumen von rund drei Milliarden Dollar war es die größte Übernahme des IT-Riesen aus Cupertino. Zum Vergleich: 2013 erzielte Beats einen Jahresumsatz von nur 1,5 Milliarden Dollar. Brachenbeobachter schätzten, dass es Apple weniger auf die bunten Kopfhörer als den Streaming-Dienst von Beats abgesehen hatte.

Einen ähnlichen Fall gab es im vergangenen Jahr in Deutschland: Als Mario Götze nach seinem Wechsel vom BVB offiziell bei Bayern München vorgestellt wurde, trug er ein T-Shirt seines persönlichen Ausrüsters Nike – obwohl der FC Bayern einen Vertrag mit Adidas hat. Die Aufmerksamkeit der deutschen Öffentlichkeit war Nike nach der Präsentation gewiss.

Übrigens gibt es noch einen weiteren Grund, warum Kaepernick die Kopfhörer so oft wie möglich zeigen wollte: Das rosafarbene Sondermodell soll an den Kampf gegen Brustkrebs erinnern – eine Kampagne, die der Football-Star offensichtlich unterstützen wollte. Die Frage, ob Beats die Summe übernommen hat, wollte Kaepernick gegenüber dem Sender ESPN unbeantwortet lassen.

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