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Blitzanalyse SAP wächst kräftig – doch eine Restrukturierung wird teuer

Das Cloud-Geschäft von SAP wächst kräftig, der Softwarehersteller setzt sich daher ambitionierte Ziele. Allerdings steht eine teure Restrukturierung an.

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SAP wächst kräftig – doch eine Restrukturierung wird teuer Quelle: dpa

Walldorf Mit SAP hat Dienstagmorgen der erste Dax-Konzern aktuelle Geschäftszahlen vorgelegt. Das vierte Quartal ist für den Softwarehersteller traditionell wichtig, der Vertrieb schließt vor dem Jahreswechsel viele Deals ab. Die wichtigsten Zahlen und Fakten des vierten Quartals und des Geschäftsjahres 2018:

  • SAP steigerte den

    Umsatz

    im vierten

    Quartal

    um neun Prozent auf

    7,43 Milliarden Euro

    , deutlich mehr als von Analysten erwartet. Übers

    gesamte

    Jahr

    waren es

    24,96 Milliarden Euro

    . Die positive Entwicklung ist maßgeblich dem Cloud-Geschäft zu verdanken.
  • Das

    Betriebsergebnis

    stieg gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent auf

    2,4 Milliarden Euro.

    Das

    Ergebnis je Aktie

    sank

    allerdings um acht Prozent

    auf 1,41 Euro

    – im Vorjahr machte sich unter anderem die Steuerreform in den USA positiv bemerkbar.
  • Der Softwarekonzern plant ein

    Restrukturierungsprogramm

    , um sich „noch stärker auf wichtige strategische Wachstumsbereiche konzentrieren“. Die

    Kosten

    betragen

    800 bis 950 Millionen Euro

    , sie werden größtenteils im ersten Quartal ausgewiesen.

Das fällt positiv auf

Erfolg in der Cloud: SAP richtet alles aufs Cloud-Geschäft aus – mit Erfolg. Im vierten Quartal stieg der Umsatz um 41 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro, im Gesamtjahr um 32 Prozent auf 4,99 Milliarden Euro. Weitere 736 Millionen Euro hat sich der Konzern für die nächsten Monate vertraglich gesichert. Das reflektiert die Kennzahl „New Cloud Bookings“, die um 25 Prozent zulegte.

Wachstum durch Übernahmen: Zum Wachstum soll in diesem Jahr Qualtrics beitragen. Vor einigen Tagen schloss SAP die Übernahme des Marktforschungsspezialisten ab, der Meinungen von Kunden und Mitarbeitern erfasst, zum Beispiel mit Umfragen oder der Auswertung der sozialen Medien. 2018 erwirtschaftete er mehr als 400 Millionen Dollar Umsatz, bei heutigem Wechselkurs rund 350 Millionen Euro.

Stabiles Lizenzgeschäft: Wenn Unternehmen Programme aus der Cloud nutzen, kaufen sie weniger Softwarelizenzen – diese Gesetzmäßigkeit gilt für die ganze IT-Welt. Trotzdem ist das Lizenzgeschäft bei SAP relativ stabil. Der Dax-Konzern hat 2015 mit S/4 Hana eine neue Version seiner Software eingeführt, mit der viele Unternehmen ihre betriebswirtschaftlichen Abläufe steuern.

Nun läuft ein Ersatzzyklus: 10.500 Kunden haben inzwischen einen Vertrag unterschrieben, darunter bekannte Namen wie Verizon Wireless und Nestlé. Die meisten lassen das Programmpaket im eigenen Unternehmen laufen, obwohl es mittlerweile auch eine Cloud-Version gibt.

Die Softwareeerlöse stiegen im vierten Quartal um ein Prozent auf 2,09 Milliarden Euro, übers gesamte Jahr sanken sie um fünf Prozent. Weitere Einnahmen erzielt SAP durch langfristige Supportverträge, die Kunden beim Lizenzkauf abschließen müssen. Dieser Posten trug zuletzt 2,83 Milliarden Euro bei.

Das fällt negativ auf

Profitabilität stagniert: Ein wichtiger Wert für Anleger und Analysten ist die Profitabilität. Nach den hohen Investitionen in neue Geschäftsfelder und Technologien in den vergangenen Jahren erwarten sie nun wieder eine Verbesserung der Ertragskraft – die hat das Management für 2018 auch versprochen. Diese Ankündigung kann SAP jedoch nur bedingt einhalten: Im vierten Quartal lag die währungsbereinigte operative Marge mit 34,3 Prozent unter dem Vorjahreswert, übers gesamte Jahr ergibt sich immerhin eine leichte Verbesserung von 0,1 Prozentpunkten auf 29 Prozent.

Finanzchef Luka Mucic führt die jüngste Verschlechterung zum ein einen auf die Hyperinflation in Ländern wie Venezuela und Argentinien zurück. Zum anderen auf das Wachstum des Cloud-Geschäfts: Es trägt nicht so viel zum Profit bei – noch nicht, wie das Management überzeugt ist.

„Wir wissen, dass einige Akteure eine substanziellere Verbesserung der Margen erwarten“, sagt Mucic. Es gebe jedoch gute Gründe für die Stagnation. „Gleichzeitig sehen wir, dass die Wende eingeleitet ist.“ Immerhin, fürs 2019 hat der Konzern eine leichte Stärkung der Profitabilität angekündigt.

Was jetzt passiert

Unsicherheit für die Mitarbeiter: Wieder einmal plant SAP eine Restrukturierung. „Wir sind einer Branche, die sich sehr schnell bewegt – wir müssen sicherstellen, dass wir die richtigen Qualifikationen haben”, sagte Vorstandssprecher Bill McDermott. Dazu zählt der Amerikaner Themen wie künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge, Big Data und natürlich Cloud Computing.

Noch mehr Umsatz in der Cloud: Der Wandel zur „Cloud Company“ ist bei SAP in vollem Gange. Der Softwarekonzern hat die Prognose fürs Zukunftsgeschäft angehoben – einerseits, weil Qualtrics dazu beiträgt, andererseits wegen einer „starken Wachstumsdynamik“. Wie sich das auf den Aktienkurs auswirkt, hängt aber davon ab, worauf die Anleger mehr gucken: Wachstum oder Profitabilität.

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