BrandIndex

WhatsApp verliert an Beliebtheit

Holger Geißler
Holger Geißler Psychologe, Werbepsychologe

Die Übernahme durch Facebook hat dem Image von WhatsApp geschadet. Kann der Dienst die Gunst der Nutzer zurückgewinnen?

Messenger-Dienst WhatsApp: Schlappe vor dem Berliner Landgericht. Quelle: Reuters

Dass Mitte Februar Facebook den Instant-Messaging-Dienst WhatsApp kaufte, hat vielen Nutzern dieser Dienste in Deutschland nicht sonderlich gefallen. Sie befürchteten, dass die Daten beider Systeme zusammengeführt und der Datenschutz leiden würde.

Das bestätigt auch der Markenmonitor BrandIndex des Marktforschungsinstituts YouGov. Dort ist deutlich zu erkennen: Facebook und WhatsApp verloren an Ansehen. Der Kurznachrichtendienst büßte binnen eines Monats 22 Index-Punkte ein (auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 Punkte). Ein deutlicher Verlust, begleitet von einer steigenden Popularität der WhatsApp-Alternative Threema, der die Stiftung Warentest einen guten Datenschutz bescheinigte. Facebook traf es weniger deutlich: Ein Verlust von knapp fünf Punkten in einem Monat.

Was an Whatsapp Kopfschmerzen bereitet

Brasilien ist Facebook-Land

WhatsApp konnte seit Ende März neun Index-Punkte zulegen. Damit fehlen zwar noch 13 Punkte zum Wert vor der Übernahme durch Facebook – doch zumindest ist ein Aufwärtstrend zu erkennen. Facebook dagegen erreicht bis auf einen Punkt den Wert vor dem WhatsApp-Deal und ist damit in Deutschland beliebter als Twitter. Und das meist genutzte soziale Netzwerk ist Facebook in Deutschland sowieso: 52 Prozent aller Deutschen geben an, aktuell bei Facebook aktiv zu sein. Dieser Wert ist seit einem Jahr ziemlich konstant. Facebook hat damit einen großen Abstand auf die Konkurrenten: Elf Prozent der Befragten geben an, Nutzer von Google+ zu sein. Acht Prozent nutzen Twitter.

Was Nutzer am meisten bei Facebook aufregt
... wenn die Voreinstellungen nicht User-freundlich sindAuch wenn es anstrengend ist: Wer im Sozialen Netz unterwegs ist, muss sich auch mit den Privatsphäre-Einstellungen auseinander setzen. Bei Facebook ist das besonders wichtig, weil das Unternehmen immer wieder Voreinstellungen wählt, die für den Nutzer von Nachteil sind. Für besonders viel Ärger sorgte das, als bekannt wurde, dass die automatische Gesichtserkennungen auf Facebook voreingestellt ist. Diese und andere Punkte müssen erst aktiv deaktiviert werden. Quelle: AP
… wenn vieles nicht gehtFacebook ist professionelles Netzwerk mit vielen Funktionen. Trotzdem gibt es immernoch Lücken, da gerade Viel-Nutzern negativ auffallen. Manchmal tauchen Meldungen nicht auf der Timeline auf – oder verschwinden einfach wieder. Dann kommt es immer wieder vor, dass beim Verlinken von Seiten die Bilder der Artikel nicht mit angezeigt werden. Auch dass man Bilder nicht als Kommentar unter eine Statusmeldung posten kann, scheint nicht konsequent. Quelle: REUTERS
… wenn das Löschen schwierig wirdNutzern, die ihr Portal löschen möchten, macht Facebook es besonders schwer. Zwar kann man sich abmelden, die Profile und die hinterlegten Daten bleiben allerdings gespeichert. Wer sich ausversehen wieder einloggt, hat das Konto auch wieder aktiviert. Dauerhaftes Löschen erfordert viele, viele Klicks. Quelle: dpa
... wenn die Facebook-Adresse zum Standard wirdOb man will oder nicht, Facebook ordnet jedem seiner Mitglieder auch eine eigene Facebook-E-Mail-Adresse zu. Denn wenn es nach dem Unternehmen ginge, sollte die gesamte Kommunikation über das Daumen-hoch-Portal laufen. Bei der Einführung war Facebook allerdings ein nerviger Fehler unterlaufen: Das Netzwerk trug die hauseigene Adresse auch als Standard-E-Mail-Adresse in das eigene Profil ein. Das führte dazu, dass die Adressbücher von Smartphone-Nutzern unbemerkt verändert wurden, sobald sie mit Facebook synchronisiert waren. Dadurch flogen die gängigen E-Mail-Adressen raus und Facebook blieb. Den Fehler hat das Unternehmen inzwischen behoben. Quelle: dapd
… wenn man ein Problem hatWer eine Frage zu dem Netzwerk hat oder Hilfe benötigt kann sich sicher sein, mit diesem Problem auch alleine zu bleiben. Mitglieder haben fast keine Chance jemanden bei dem Unternehmen zu erreichen, der sich der Anfrage annimmt. Denn eine Hotline oder persönliche Ansprechpartner zur Betreuung gibt es nicht. Natürlich darf via Facebook ein Hilfegesuch per Kontaktformular losgeschickt werden. Quelle: AP/dpa
… wenn die Datenschutzeinstellungen nicht zu finden sindDas Problem ist ein Dauerbrenner: Die Datenschutz- und Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook sind so kompliziert, dass ganze Handbücher dafür im Internet geschrieben werden. Die Regeln auf Papier zu drucken lohnt gar nicht, so oft ändert das Unternehmen die Pfade hin zum richtigen Haken wieder. Egal ob man einschränken möchte, wer Nachrichten schicken, Beiträge an einer Pinnwand hinterlassen oder teilen darf, muss dafür einige Zeit einkalkulieren. Der Hauptbereich ist über das kleine Zahnrad oben in der Ecke noch leicht zu finden. Aber dann geht die Suche los. Problematisch ist vor allem, dass die Unterpunkte so kompliziert aufgeteilt und formuliert sind, dass man sie wiederholt durchlesen muss, um sie zu verstehen. Quelle: dapd
… wenn im Hinterstübchen Transparenz vorgegaukelt wirdWie bereits festgestellt ändert Facebook gerne klammheimlich einzelne Aspekte der Datenschutzbestimmungen. Gelegentlich dürfen die User über die Änderungsvorschläge abstimmen. Allerdings wird das Voting dann meist so versteckt auf der Homepage angebunden, dass sich kaum jemand beteiligt. Häufig sind die Fragen und die Antwortmöglichkeiten auch so verschleiert formuliert, dass kaum jemand in der Lage ist, sein Kreuzchen seriös zu setzen. Quelle: AP/dpa

In Brasilien muss man schon auf die Suche gehen, um einen Internetnutzer zu finden, der Facebook nicht nutzt. 82 Prozent – das ist die beeindruckende Zahl, die beschreibt: Vier von fünf Brasilianern im Netz nutzen derzeit Facebook. Hier vermittelt das soziale Netzwerk auch den besten allgemeinen Eindruck: Mit herausragenden +72 Punkten liegt Facebook in Brasilien 40 Punkte über dem Wert im Heimatmarkt USA und rund 60 Punkte über dem japanischen.

Ein besonderer Blick lohnt sich auch auf die Altersgruppe jünger als 30 (beziehungsweise 34 – je nach Land unterschiedlich kategorisiert). Denn als eine der größten Gefahren für Facebook gilt die Überalterung – wenn also die jungen andere Dienste für sich entdecken und Facebook nicht mehr zeitgemäß finden. Im blauen Netzwerk sind mittlerweile schließlich auch die Eltern und etliche Großeltern.

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Facebook wird bei Älteren beliebter

Die Daten zeigen: Die Bis-30-Jährigen melden sich nicht scharenweise bei Facebook an, laufen aber auch nicht weg. Im Index (der viele Kategorien, die abgefragt werden, zusammenfasst) bleibt der Wert von Facebook in der Altersgruppe bis 30 in den Ländern Großbritannien, China und Deutschland seit Mitte 2013 ziemlich konstant. In den USA konnte er um 9 Punkte zulegen. Facebook ist heute bei den unter-30-jährigen US-Amerikanern also beliebter als noch vor einem Jahr.

Facebook ist bei den jüngeren in den Ländern Deutschland, Großbritannien und USA übrigens durchweg beliebter als bei denen, die über 30 Jahre alt sind. Allerdings ist der Abstand der Index-Werte zwischen den Unter- und den Über-30-Jährigen seit Mitte vergangenen Jahres geschrumpft. Das liegt hauptsächlich daran, dass die älteren Facebook heute mehr Vertrauen schenken als noch vor einem Jahr.

Zurzeit sieht es so aus, als müsse sich Facebook um die Zukunft keine Sorgen machen: Die Nutzer bleiben, auch die wichtigen jüngeren. Außerdem: Alternativen wie Google+, Twitter und Instagram sind in Deutschland, Großbritannien und USA bei der jungen Zielgruppe allesamt weniger beliebt als Facebook.

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