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China-Experte Weidenfeld „Immer mehr Anzeichen, dass Huawei ernstes Risiko darstellt“

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Huawei-Debatte: „Telekom sollte Abhängigkeiten vermeiden“

Der Telekom-Branche stehen noch viele Fusionen und Übernahmen bevor. Plötzlich bekommen fusionswillige Unternehmen wie T-Mobile und Sprint in den USA Probleme mit den Wettbewerbsbehörden, weil ihre Muttergesellschaften Technologien von Huawei einsetzen. Droht jetzt bei transatlantischen Fusionen ein teurer Austausch von chinesischer Technik?
Solche Präzedenzfälle gibt es ja schon. Nachdem British Telecom (BT)den Mobilfunkbetreiber Everything Everywhere, ein Joint-Venture von Orange und Deutscher Telekom, geschluckt hat, tauscht BT jetzt die dort relativ stark eingesetzten Huawei-Technologien aus. Das ist natürlich sehr kostspielig. Das heißt: Wer bei der Wahl des Technologielieferanten die Verdachtsmomente nicht ernst genug nimmt und jetzt eine falsche Entscheidung trifft, der muss später teure Umbaukosten in Kauf nehmen, sobald noch mehr Verdachtsmomente ein Verbot rechtfertigen. Das Risiko muss jeder Mobilfunkbetreiber abwägen.

Die Bundesnetzagentur will 5G-Frequenzen auch direkt an Industrieunternehmen vergeben, damit sie eigene Campus-Netze aufbauen können. Wenn dort Huawei-Technik zum Einsatz kommt, würde das transatlantische Fusionen zusätzlich erschweren, zum Beispiel dann, wenn sich BASF oder Siemens mit einem US-Konzern zusammenschließen wollen?
Das Problem rollt auch auf die Industrieunternehmen zu. Das betrifft aber nicht nur die Hard- und Software für die eigenen 5G-Netze, sondern auch das von Huawei angebotene Cloud Computing. In den Aufbau ihres Cloud-Geschäfts hat Huawei in den vergangenen Jahren viel investiert. In Duisburg laufen sogar die Bürgerdaten über eine Huawei-Cloud. Das sehen Sicherheitsexperten mit großer Besorgnis. Solche Kooperationen müssen wir in Zukunft viel grundlegender diskutieren.

In Deutschland besteht die Sondersituation, dass bereits alle drei großen Mobilfunkbetreiber Komponenten von Huawei in ihren Netzen eingebaut haben. Auch Newcomer United Internet will ein neues, viertes Mobilfunknetz mit Technologien des ebenfalls in China ansässigen Huawei-Konkurrenten ZTE aufbauen. Wäre es nicht sinnvoll, dass zumindest ein Mobilfunkbetreiber in Deutschland ganz auf Komponenten aus China verzichtet?
Das wäre sicherlich eine schöne Rückfalloption. Aber ist es realistisch, dass ein Telekom-Anbieter solch eine Entscheidung trifft? Der Betreiber hätte ja einige ökonomische Nachteile, weil er sein Netz deutlich teurer aufbauen müsste. Es sei denn, der Staat würde diesen Wettbewerbsnachteil durch Subventionen oder andere Zahlungen ausgleichen, was derzeit allerdings weder eine wünschenswerte noch eine realistische Option darstellt.

Könnte solch ein Anbieter nicht mit der Auszeichnung „besonders sicher und vertrauenswürdig“ mehr Kunden gewinnen?
Ich weiß nicht, ob das funktionieren würde. Wenn ich mir die stetig steigenden Verkaufszahlen von Huawei-Smartphones in Deutschland anschaue, dann gibt es eine notwendige Sicherheitsbesorgnis bei den Endkonsumenten derzeit noch nicht. Deshalb ist es auch so wichtig, über dieses Thema eine breitere gesellschaftliche Debatte zu führen. Das findet derzeit aber noch nicht statt. Ich kann mir im Moment schwer vorstellen, dass ein besonders sicheres Netz mehr Kunden anlockt. Mit Selbstregulierung würde die Telekom-Branche der Politik im Übrigen auch die Verantwortung abnehmen, eine Entscheidung zu der Frage zu treffen, wie groß das Risiko denn nun eigentlich ist, das von China ausgeht.

Jetzt setzt die Telekom besonders viele Produkte von Huawei ein. Neben den Smartphones und Netzkomponenten liefert Huawei auch Internet-Router, die technologische Plattform für das TV-Produkt Entertain, große Teile des Festnetzes bis hin zu den Verteilerschränken am Straßenrand. Ist diese Technologiepartnerschaft bereits so eng, dass ein gefährliches Abhängigkeitsverhältnis entstanden ist?
Es ist für einen Telekom-Konzern generell sehr problematisch, alles auf eine Karte zu setzen. Solche Abhängigkeiten sollte die Telekom deshalb vermeiden. Die Verflechtungen durch langfristige Verträge sind inzwischen so intensiv, dass sich die Telekom schwertut, Korrekturen vorzunehmen. Das eigentliche Problem ist aber: Wie sind wir in Deutschland überhaupt in die Situation geraten, dass so unheimlich viele Technologien von Huawei abgenommen werden? Wieso haben eigentlich die 5G-Lieferanten aus Europa, Nokia und Ericsson, das Nachsehen?

Wie fällt Ihre Antwort aus?
Einen Teil der Antwort findet man in China. Denn hohe staatliche Subventionen haben Huawei einen unfairen Wettbewerbsvorteil verschafft. Beschleunigt wurde der Niedergang der europäischen Technologielieferanten aber auch durch Versäumnisse in Europa, die verhindert haben, dass sich die hiesigen Anbieter mit preislich und technologisch konkurrenzfähigen Produkte gut aufstellen können. Letztlich geht es um die Wettbewerbsfähigkeit unserer eigenen technologischen Basis. In vielen Teilen Europas ist Industriepolitik ein Schimpfwort und auch bei der Innovationspolitik sind Fehler gemacht worden. Zudem ist das Wettbewerbsrecht der EU so formuliert, dass europäische Unternehmen zum Teil höhere Auflagen bei Investitionen in anderen EU-Mitgliedsstaaten erfüllen müssen als Unternehmen, die nicht aus Europa kommen. Es sollte uns zu denken geben, dass unter den 30 größten Tech-Konzernen der Welt kein einziger mehr aus Europa kommt.

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