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Chinesischer IT-Riese expandiert Die riskante Strategie von Lenovo

Lenovo ist der größte PC-Hersteller der Welt und eines der wenigen chinesischen Unternehmen, denen der Aufbau einer internationalen Marke gelungen ist. Jetzt greift der Konzern nach der nächsten Branche.

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Ein Schritt vorwärts, zwei zurück Lenovo-Chef Yang gilt als chinesischer Top-Manager mit der ausgeprägtesten West-Orientierung. Quelle: REUTERS

Der Saal ist dunkel, das Publikum mucksmäuschenstill. Nur die Stimme einer Moderatorin hallt durch den großen Ballsaal des Hilton Hotels im zentralchinesischen Wuhan. „Er ist hier“, sagt die bekannte TV-Moderatorin. „Gleich spricht YY zu uns!“ Das Kürzel genügt – jeder hier weiß, wer „YY“ ist. Dann ertönt eine Fanfare, Scheinwerfer leuchten auf, als ein schlanker, hochgewachsener Mann die Bühne betritt, junge Frauen im Publikum können vor Aufregung nicht mehr still sitzen und kreischen.

YY, ausgesprochen „Waiwai“, das ist Yang Yuanqing, der Boss von Lenovo. Der Konzern aus China, der sich unter anderem die PC-Sparte des US-Konzerns IBM und den deutschen Computerbauer Medion einverleibte, ist nicht nur der größte seiner Branche und will noch weiter wachsen, weshalb Yang hier in Wuhan die Belegschaft auf die verstärkte Expansion nach Europa und in die USA einschwört.

Der 49-Jährige hat sich noch mehr vorgenommen: Lenovo soll auch weltgrößter Smartphone-Hersteller werden. In China hat er den globalen Spitzenreiter Samsung schon überholt. Weltweit liegt Lenovo mit knapp 16 Millionen verkauften Smartphones im vergangenen Quartal zwar erst auf Platz vier hinter Samsung, Apple und Huawei, ebenfalls aus China. Doch der Schalter ist umgelegt: Googles Handysparte Motorola kommt vorbehaltlich des Segens der Kartellbehörden unter das Lenovo-Dach.

Auf dem Weg zur Weltspitze
LenovoProdukte: Smartphones, PCs, Tablets Umsatz/Gewinn: 34 Mrd. $/1 Mrd. $ Marktanteile weltweit/China: 18,6 %/40 % Umsatz in China: 70 %, mit Motorola stark in den USA Markkapitalisierung: 11,4 Mrd. $ Story: setzt auf Masse und versucht, nach den PCs nun auch bei Smartphones die Nr. 1 zu werden Konkurrenz:Samsung Umsatz: 327 Mrd. Dollar Gewinn: 20 Mrd. Dollar Apple Umsatz: 178,1 Mrd. Dollar Gewinn: 38,5 Mrd. Dollar HP Umsatz: 81,7 Mrd. Dollar Gewinn: 5.1 Mrd. Dollar Umsatz und Gewinn beziehen sich, wenn nicht anders erwähnt auf 2013 Quellen: Unternehmensangaben Quelle: AP
AlibabaProdukt: Online-Handel Umsatz/Gewinn: 8 Mrd. $/3,6 Mrd. $ Position in China: Nr.1|Warenumsatz: 248 Mrd. $ Marktkapitalisierung: Schätzungen bis zu 200 Mrd. $ Story: geht demnächst an die Börse, expandiert mit seinem Flaggschiff Taobao in Südostasien, übernimmt in den USA Wettbewerber Konkurrenz:Ebay Umsatz: 16 Mrd. Dollar Gewinn: 2,8 Mrd. Dollar Amazon Umsatz: 81,7 Mrd. Dollar Gewinn: 2,8 Mrd. Dollar Quelle: REUTERS
QorosProdukt: Autos Umsatz/Gewinn: k. A./255 Mio. $ Verlust Marktanteile/Marktkapitalisierung: vernachlässigbar/nicht börsennotiert Position in China: erste weltmarktfähige Limousine Story: Produktion läuft an, 2015 rund 300 000 Fahrzeuge geplant, Expansion in Schwellenländer und Osteuropa, gegen Premiumhersteller Konkurrenz:Fernziel ist der Wettbewerb mit den weltweiten Premiumanbietern aus Europa, Asien und den USA. Dadurch gerät zum Beispiel VW ins Visier. Quelle: AP/dpa
UnionpayProdukt: bargeldlose Zahlung Umsatz/Gewinn(2011): 1 Mrd. $/k.A. Marktanteile: 3,5 Mrd. Kreditkarten in China Marktkapitalisierung: k. A. Position in China: Nr. 1, nur fünf Prozent Story: zweitgrößtes Bezahlnetzwerk nach Visa Auslandsumsatz Konkurrent:Visa Umsatz: 11,8 Mrd. Dollar Gewinn: 4,9 Mrd. Dollar
TencentUmsatz/ Gewinn: 10 Mrd. Dollar/ 2,5 Mrd. Dollar Produkt: Soziale Netzwerke Position in China: Messenger WeChat 400 Mio. Nutzer; Marktführer in China, 100 Millionen außerhalb Marktkapitalisierung: 150 Mrd. Story: weltweite Expansion, Übernahme von US Computerspieleherstellern Konkurrenz:Facebook Umsatz. 7,9 Mrd. Dollar Gewinn 1,5 Mrd. Dollar Quelle: REUTERS
XaomiProdukt: Smartphones Umsatz/Gewinn (1. Hj. 2014): 5,3 Mrd. $/k. A. Marktanteile: 14 % in China Position in China: Senkrechtstarter, 26 Mio. verkaufte Handys 1. Hj. 2014 Story: Handys kosten nur 100 $, aktiv in Südostasien, Expansion nach Russland und in andere Schwellenländer, fast nur Online-Verkäufe, hauchdünne Margen Konkurrenz:Samsung Umsatz: 327 Mrd. Dollar Gewinn: 20 Mrd. Dollar Apple Umsatz: 178,1 Mrd. Dollar Gewinn. 38,5 Mrd. Dollar Quelle: REUTERS
BaiduProdukt: Internet-Suchmaschine Umsatz/Gewinn: 5,2 Mrd. $/1,7 Mrd. $ Marktanteile: ca. 65 % in China Marktkapitalisierung: 74 Mrd. $ Position in China: Marktführer Story: Größter Auslandsmarkt Brasilien, Expansion im arabischen Raum, zensiert Inhalte in China Konkurrenz: Google Umsatz: 59,8 Mrd. Dollar Gewinn: 12,9 Mrd. Dollar Quelle: dpa

Nur wenige Autominuten entfernt vom Hilton, in dem Yang seine weiblichen Landsleute betört, hat er umgerechnet 800 Millionen US-Dollar in eine gigantische Fabrik gesteckt, die jährlich bis zu 40 Millionen hochgezüchtete Mobiltelefone ausspucken soll. Um weltweit für Aufmerksamkeit zu sorgen, spannt Yang seit Oktober 2013 den US-Schauspieler Ashton Kutcher als „Product Manager“ ein.

Yangs neue Masche und das teure Investment sind eine riskante Wette auf die Zukunft: Gute Telefone gibt es viele – doch reicht die Bekanntheit der Marke Lenovo, um auch im Milliardenmarkt Smartphones mehr als ein Wörtchen mitzureden?

Vom Arbeiter zum Chef

Wenn Experten es einem chinesischen Unternehmer zutrauen, zum Inhaber einer weiteren weltbekannten Marke aufzusteigen, dann ist das Yang und Lenovo. Der einst namenlose Elektronikfertiger aus Peking bringt Voraussetzungen mit, die kaum ein anderes chinesisches Unternehmen bieten kann. Yang ist heute in mehr als 60 Ländern aktiv, seine Produkte werden in 160 Ländern verkauft, der Konzern mit 46.000 Mitarbeitern machte im Geschäftsjahr 2013/14 bei 38,7 Milliarden US-Dollar Umsatz 817 Millionen Gewinn. Selbst 30 Prozent der Deutschen kennen die Marke bereits, so viele wie bei keiner anderen chinesischen Firma.

Dabei ist Lenovo erst 30 Jahre alt. 1984 gründete eine Gruppe junger Computerwissenschaftler um den heute 70-jährigen Informatiker Liu Chuanzhi ein Unternehmen namens Legend, um PCs zu fertigen. Die Beteiligten sind Mitglieder der Chinese Academy of Sciences (CASS), einem Thinktank der Regierung in Peking. 25.000 Dollar soll das Startkapital damals betragen haben. CASS hält bis heute ein Drittel an der Legend Holding und die wiederum ein Drittel an Lenovo.

Yang ist beim Start nicht dabei, sondern heuert 1989 im Alter von 24 Jahren an. Er wächst auf in Armut während der Kulturrevolution, als Intellektuelle zu körperlicher Arbeit aufs Land umgesiedelt werden. Yang studiert Informatik und arbeitet bei Legend zunächst im Vertrieb für kärgliche 30 US-Dollar im Monat. Yang fällt Legend-Mitgründer Liu als Denker und Stratege auf. Vier Jahre später macht der ihn zum Chef der PC-Sparte.

Coups in der PC-Sparte

Der neue Herr über die Computer nutzt den Job für seine zweite Kulturrevolution. Bei Lenovo arbeiten die Angestellten noch nach dem einstigen Motto am chinesischen Hof: „Abwarten, bis man erkennen kann, was der Kaiser wünscht.“ Eigenverantwortung und Engagement sind vielen Mitarbeitern fremd. Das ändert Yang. Er schafft Titel ab und ermutigt die Mitarbeiter, sich mit Vornamen anzureden. Bis heute, sagt Yang, wolle er drei Eigenschaften seiner Mitarbeiter fördern: Eigenverantwortung, Pioniergeist und Verbindlichkeit.

Zurück an die Spitze

1994 geht Legend an die Börse in Hongkong und sammelt 30 Millionen Dollar ein. Yang strukturiert den Vertrieb um und setzt auf gut geschulte Verkäufer. Um diese auszubilden, holt er Experten des US-Softwareriesen Microsoft und dessen US-Chiplieferanten Intel ins Unternehmen. Zudem sichert er jedem Lenovo-Händler in China ein exklusives Einzuggebiet zu, in dem dieser keine Konkurrenz von seinesgleichen fürchten muss. Das macht die Händler zu loyalen Markenbotschaftern.

Die drei wichtigsten künftigen Standbeine von Lenovo

Gleichzeitig baut Yang das Vertriebsnetz aus und legt so den Grundstein für die starke Expansion der folgenden Jahren. Heute ist es das erklärte Ziel des Konzerns, im riesigen China nirgends weiter als 50 Kilometer von einem Kunden entfernt zu sein.

Yangs Sprung an die Lenovo-Spitze erscheint in dieser Phase nur eine Frage der Zeit. Doch was ihm dann widerfährt, wirkt aus heutiger Sicht wie ein Schritt vorwärts und zwei Schritte zurück.

Gründer Liu macht nach dem Rückzug aus dem operativen Geschäft 2001 Yang tatsächlich im Alter von 36 Jahren zum Vorstandschef. Der Umsatz liegt bereits bei 2,7 Milliarden Dollar, doch das reicht Yang nicht. Um auf internationale Märkte vorzustoßen, benennt er 2003 Legend in Lenovo um, einen Kunstnamen, der einzigartig und dank „novo“ nach neu klingen soll.

Kooperation mit einem US-Riesen

2005 schafft Yang den Durchbruch. Er schließt mit dem US-Softwareriesen Microsoft, der unter den vielen Raubkopien im Reich der Mitte leidet, eine Allianz. Microsoft-Gründer Bill Gates und sein damaliger Vorstandschef Steve Ballmer überlassen ihr Betriebssystem Windows zum Vorzugspreis, dafür verkauft Lenovo seine Computer etwas teurer, aber mit Original-Windows. Im Gegenzug unterstützt Microsoft Lenovo beim Marketing. Yang erwartet, dass die Regierung auch auf andere PC-Hersteller Druck ausübt und diese dem Beispiel von Lenovo folgen. Das Kalkül geht auf. Der damalige Microsoft-Chef Ballmer sagt dazu später: „Yang gab den Ausschlag. Er riskierte etwas.“

Ebenfalls 2005 gelingt dem Chinesen sein zweiter Coup, die Übernahme der PC-Sparte der US-IT-Ikone IBM für 1,75 Milliarden Dollar. Yang nutzt den Kauf nicht, um die Amerikaner zu sinisieren, sondern um Lenovo zu internationalisieren, und geht mit gutem Beispiel voran. Er siedelt mit Familie nach Amerika über und verpasst Lenovo zwei Firmensitze: einen in Peking und einen in Morrisville bei Raleigh, im US-Bundesstaat North Carolina.

Yang scheint auf bestem Weg, sich an der Lenovo-Spitze unersetzlich zu machen. Er paukt mühevoll Englisch und ernennt es zur offiziellen Konzernsprache. Gleichzeitig öffnet er den Konzern, sodass heute unter den 100 Top-Managern 18 Nationalitäten vertreten sind.

Doch dann kommt der große Rückschritt. Unternehmensgründer Liu zieht Yang von der Konzernspitze ab und macht ihn zum Aufsichtsratsvorsitzenden. Alle Mühen, so Lius Eindruck, reichen noch nicht, Yang versteht zu wenig vom globalen Geschäft und muss dieses erst noch lernen.

Rückkehr und Expansion

Dass ihn ein kapitaler Fehler seines Nachfolgers William Amelio bald wieder in den Chefsessel zurückkatapultieren sollte, war für Yang zunächst nicht abzusehen. Der Ex-Asien-Chef des amerikanischen Konkurrenten Dell will sich bei Lenovo als entscheidungsstarker Manager einführen und verkauft 2008 die noch junge Smartphone-Sparte von Lenovo für 100 Millionen US-Dollar, um sich ganz auf das durchhängende PC-Geschäft zu konzentrieren. Doch schon ein Jahr später bringt Apple das iPhone auf den Markt, das den Handymarkt revolutionieren und Unternehmen wie den damaligen Branchenführer Nokia dem Untergang weihen sollte. Lenovo bleibt nur, dem Aufstieg von Apple und im Gefolge von Samsung tatenlos zuzusehen.

Erst als die weltweite Finanzkrise 2009 auch Lenovo in rote Zahlen stürzt und den Umsatz von 16,4 auf 14,9 Milliarden Dollar dezimiert, ist Yangs Zeit wieder gekommen. Amelios Vertrag wird wegen der Verluste nicht verlängert, Yang wieder Chef.

Auf dem Weg in eine neue Ära

Was Lenovo heute darstellt, geht zurück auf Yangs Leistung in den zurückliegenden drei Jahren. 2011 übernimmt Lenovo für 738 Millionen Dollar den deutschen Aldi-Zulieferer Medion. Im selben Jahr geht Lenovo ein Joint Venture mit dem japanischen NEC-Konzern ein und schluckt für 148 Millionen Dollar den brasilianischen Hersteller CCE. 2013 zieht Lenovo mit einem Marktanteil von 18,6 Prozent an HP, Acer und Dell vorbei und wird weltgrößter PC-Hersteller.

Diese Konzerne könnten westlichen Firmen gefährlich werden
Henkel und Procter & Gamble aufgepasst: Der aus Indien stammende Konsumgüterkonzern Godrej Consumer Products kann sich über stetig wachsende Umsätze und Gewinne freuen und hat es damit in die Liste der Herausforderer der Boston Consulting Group geschafft. Die Unternehmensberater stellen in ihrer alljährlichen Studie "BCG Global Challengers – Companies on the Move" die hundert wichtigsten Unternehmen aus den Emerging Markets vor, die das Zeug dazu haben, sich international durchzusetzen. Einige davon, wie beispielsweise die Lufthansa-Konkurrenz Etihad haben es bereits geschafft. 2011 sind 26 neue Unternehmen aus den Wachstumsmärkten in der Liste vertreten, darunter Godrej. Der Hersteller von Waschmittel und Kosmetika ist aber nicht das einzige Unternehmen aus Indien, das dem Westen einen Blick wert sein sollte: Ebenfalls in der Liste stehen die Unternehmen Sun Pharmaceutical Industries, Tata Chemicals, Crompton Greaves, Dr. Reddy's Laboratories, Lupin Pharmaceuticals, Tata Consultancy Services, Tata Motors und Tata Steel, Hindalco Industries, Mahindra & Mahindra, Infosys, Larsen & Toubro, Vedanta Resources, Bajaj Auto, Wipro, Motherson Sumi Systems, Reliance Industries, Bharti Airtel und Bharat Forge. "Die neuen Herausforderer haben innovative Geschäftsmodelle entwickelt und verstehen die Emerging Markets. Somit können sie ein enormes Wachstum erzielen", sagt Studienautor Nikolaus Lang von Boston Consulting. Gegenüber den international etablierten Konzernen haben die aufstrebenden Unternehmen den Vorteil, dass sie die Märkte vor Ort und die Kundenbedürfnisse genau kennen. Mehr über die Märkte von morgen erfahren Sie hier. Quelle: Screenshot
Ein weiterer Aufsteiger ist das südafrikanische Medienunternehmen Naspers - übrigens nicht der einzige Neuling aus Südafrika. Insgesamt haben es fünf afrikanische Unternehmen unter die Neuzugänge geschafft. Quelle: Screenshot
Ebenfalls aus Südafrika stammt der Mobilfunkkonzern MTN, der - ganz Weltkonzern - auch Veranstaltungen und große Modeschauen ausrichtet. Zwar wird die Liste aller herausfordernden Unternehmen aus den Wachstumsmärkten noch von den Branchen Rohstoffe, Investitionsgüter, Stahl, Metall und Bergbau und fossile Brennstoffe dominiert, unter den Neueinsteigern sind dafür außerordentlich viele Kommunikations- und Pharmaunternehmen. Quelle: REUTERS
So ist das dritte südafrikanische Unternehmen, dass es neu in die "Global Challengers" der Boston Consulting Group geschafft hat, das Pharmaunternehmen Aspen Pharmacare, das zu den Top 20 der weltweiten Generikaherstellern gehört. Aspen Pharmacare hat 18 Fabriken auf fünf Kontinenten und verkauft seine Produkte außer in Afrika auch in Lateinamerika und in Europa. Die Afrikaner sind also auf einem guten Weg, Ratiopharm, Hexal oder Stada gefährlich zu werden. Gleiches gilt natürlich auch für die westliche Konkurrenz der ebenfalls aus Afrika stammenden Unternehmen Bidvest Group oder Sasol. Quelle: Screenshot
Ein weiteres Pharmaunternehmen, dass es in die Liste der aufstrebenden Herausforderer geschafft hat, ist die indische Firma Sun Pharmaceuticals. Das Unternehmen ist seit 1994 an der Börse und wird in den größten indischen Indizes geführt. Begonnen hat der Konzern 1983 als Startup - heute gehört er zu den führenden Pharmafirmen des Landes. Auch auf dem amerikanischen Generikamarkt ist Sun Pharmaceuticals kein Unbekannter - der Rest der Welt ist das nächste Ziel. So heißt es seitens des Unternehmens: "We intent to optimize our expertise in chemistry and brand building to build a lasting footprint in world markets." Glaubt man den Experten der Boston Consulting Group, ist das kein zu hoch gestecktes Ziel. "Innerhalb der nächsten fünf Jahre könnte sich rund die Hälfte dieser Unternehmen für die Aufnahme in die 'Fortune Global-500', die Liste der weltweit umsatzstärksten Unternehmen, qualifizieren", ist sich Studienautor Lang sicher. Quelle: Screenshot
Auch Russland ist mit einigen Unternehmen bei den Neuaufsteigern vertreten. Neben dem aufstrebenden Mobilfunkanbieter VimpelCom sind das an der Nasdaq gelistete Minenunternehmen Norilsk Nickel, Severstal, der zweitgrößte Stahlerzeuger Russlands und Zulieferer von BMW, Ford und Mercedes, der Aluminiumproduzent Rusal und die Brennstoffförderer Lukoil und Gazprom. Quelle: Screenshot
Ebenfalls aus dem medizinischen Bereich stammt das 1991 in Shenzhen gegründete Unternehmen Mindray. Mindray ist der größte Medizintechnikproduzent Chinas und nur einer von vielen Neuzugängen aus dem Reich der Mitte. So sollten amerikanische und europäische Unternehmen auch die folgenden Konzerne im Auge behalten: China Communications Construction Company, China International Marine Containers Group, China Minmetals, China National Chemical Corporation (ChemChina), China National Offshore Oil Corporation, China Shipbuilding Industry Corporation, Geely International, Goldwind, Haier, Huawei Technologies, Johnson Electric, Lenovo Group, Li & Fung, Mindray, Sany Group, Shanghai Electric Group, Sinochem, Sinohydro, Sinoma International Engineering, Trina Solar, Wanxiang Group, Yanzhou Coal Mining Company, Zoomlion, ZTE. Huawei und Li & Fung haben sich auf den internationalen Märkten bereits einen Namen gemacht. Quelle: Screenshot

Doch vermeintlich auf dem Gipfel des Erfolgs hat sich Yang mit der Spitzenposition im PC-Markt eine Hypothek eingehandelt. Denn Smartphones und Tablets setzen klassischen Laptops und Desktop-Rechnern immer mehr zu, auch für 2014 erwarten die Analysten des US-Marktforschers IDC weiter sinkende PC-Verkäufe.

Der Angriff bei Handy

Damit steht Yangs Karriere ein weiteres Mal an einem Wendepunkt. Denn Lenovo ist zu stark vom PC abhängig. 84 Prozent des Umsatzes stammen von diesem Geschäft. Zudem ist China mit 70 Prozent Lenovos größter Markt und schrumpft ebenfalls. Zwar ist der Konzern in vielen Ländern präsent, in den meisten aber macht er keinen Gewinn, weil Yang zuerst auf Expansion setzt und erst ab zehn Prozent Marktanteil die Profitschraube anzieht.

Der Endvierziger hat sich deshalb für eine Mehrfachstrategie entschieden. Zum einen heizt er den Verdrängungswettbewerb im PC-Geschäft an. „Lenovo ist der einzige Wettbewerber, der in dem schrumpfenden Markt noch zweistellig wachsen kann“, sagt James Wang vom Analystenhaus Catalys in Shanghai. „Es bleibt ein wichtiger Bereich.“

Zum andern versucht Yang, die PC-Geschäfte zu stärken. So setzt er auf ein Konzept namens PC+, das Tablets, Laptops und Desktops in einem Gerät vereint. Das Tablet Yoga etwa wird mit einem Handgriff zum Laptop, ist mit 160 Euro deutlich preiswerter als das iPad und läuft mit dem Betriebssystem Android von Google. Zudem hat Yang Anfang 2014 für 2,3 Milliarden Dollar die einfachen Server von IBM übernommen, um künftig auch mit Firmenkunden ins Geschäft zu kommen.

Schließlich weiß Yang, dass er nur dann als der Größte in die Lenovo-Geschichte eingehen kann, wenn er das Unternehmen in eine neue Ära führt. Das soll die Smartphone-Sparte von Motorola bringen. Die erwarb Yang im Februar für 2,9 Milliarden Dollar von Google, nachdem er 2009 die einst verkaufte Handyproduktion für 200 Millionen Dollar zurückgekauft hatte.

Erfolg durch Masse

Auf dem Heimatmarkt in China ist Lenovo mit seinen ausgereiften, aber günstigen Geräten gut positioniert. Yang hat das Smartphone-Geschäft aufgespalten: Eine Lenovo Business Group soll den Massenmarkt mit Telefonen zum Preis von 150 bis 300 Dollar bedienen und eine Think Business Group teurere Geräte für Premiumkunden anbieten, die bisher zum Beispiel MacBooks von Apple kaufen.

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Generell setzt Yang auf Masse: „Wenn wir in einen Markt vorstoßen, wollen wir schnell einen zweistelligen Marktanteil haben.“ Gelungen ist ihm dies bereits in Indien, Indonesien und Malaysia, wo Lenovo-Smartphones rund zehn Prozent des Marktes ausmachen. Den Angriff auf die USA fährt Yang mit der Marke Motorola, die dort noch auf zweistellige Marktanteile kommt. Dabei schielt der Lenovo-Chef auch auf die 2000 Patente, die er mit Motorola erhielt. Denn in entwickelten Märkten muss Lenovo bis zu 25 Prozent der Einnahmen an Patentgebühren abgeben. Das entfällt mit den erworbenen Patenten.

Schwerer dürfte sich Yang in Europa tun, wo Händler wenig Interesse an einem weiteren Smartphone-Label haben. Experten glauben daher, dass Lenovo Übernahmen plant: „Helfen könnte der Kauf von Nokia von Microsoft“, sagt Analyst Wang.

Geschäftlich ist für Yang der Auftritt des US-Schauspielers Kutcher in den Diensten von Lenovo die Krönung seiner Markenbildung. Auf die Frage, warum er sich für Lenovo engagiere, antwortete der Mime beim Start des Yoga Tablets: „Weil sie eine globale Unternehmenskultur haben.“

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