Chiphersteller PC-Erholung und Rechenzentren treiben Intel an

Halbleiter-Primus Intel versucht schon seit Jahren, im Geschäft mit Smartphones und Tablets Fuß zu fassen. Das gelingt nur um den Preis hoher Verluste, wie aktuelle Zahlen zeigen. Aber dank des guten Laufs bei PC-Chips kann Intel sich das leisten.

Das iPhone wandelt die Wirtschaft
Die überraschende Ankündigung, dass der seit 2005 amtierende Intel-Vorstandschef Paul Otellini im Mai 2013 zurücktritt, dürfte unter anderem einem Umstand geschuldet sein: Zwar ist Intel immer noch der weltgrößte Halbleiterkonzern – jedoch spielt er im boomenden Geschäft mit Tablets und Smartphones nur eine untergeordnete Rolle. Seit Jahresbeginn war die Intel-Aktie zuletzt durch die schnell sinkenden PC-Verkäufe und dem wachsenden Interesse der Verbraucher, lieber zu Smartphone und Tablet zu greifen, unter Druck geraten. Quelle: AP
Doch der Siegeszug bei Smartphones und Tablets macht gleich einer ganzen Reihe von Gadgets sowie deren Herstellern das Leben schwer. Dank der immer besser werdenden Kameras in Smartphones stagniert das Geschäft mit eigenständigen Digicams – zumindest in der Kompaktklasse. Der Fotopionier Kodak musste im Januar 2012 Insolvenz anmelden; andere Hersteller wie Canon oder Sony suchen ihr Heil in höherwertigen Systemkameras. Quelle: dpa
Gleiches gilt – wenn auch in abgeschwächterem Maße – für Bewegtbilder. Dank hochauflösender Kameras können Highend-Smartphones wie etwa das iPhone 5 oder Samsungs Galaxy S3 auch Video-Clips in Full-HD aufnehmen. Cisco hat die Produktion des einstmals führenden Kompakt-Camcorders Flip im Frühjahr 2011 eingestellt – nur knapp zwei Jahre nach der Übernahme des Unternehmens. Quelle: REUTERS
Auch eigenständige Navigationsgeräte werden von Smartphones und Tablets zunehmend in eine Nische gedrängt. Der Aktienkurs des börsennotierten Anbieters Tom Tom dümpelt etwa seit gut anderthalb Jahren unterhalb von fünf Euro. Quelle: gms
Die erste Industrie, die Apple-Gründer Steve Jobs revolutioniert hat, war die Musikbranche mit dem digitalen Musikspieler iPod und dem Web-Shop iTunes Music Store. Inzwischen frisst die Revolution ihre Kinder: Weil der Player jetzt in iPhone und iPad integriert ist, sind die Verkaufszahlen des iPod seit 2008 rückläufig. Quelle: REUTERS
Dank inzwischen jeweils deutlich über 700.000 Apps unter Apple und Android gibt’s für die Mehrzahl aller Smartphones ein geradezu unerschöpfliches Reservoir an Spielen. Klassische mobile Daddelkisten wie etwa Sonys PSP können Gamern kaum noch einen Mehrwert bieten. Quelle: REUTERS

Der weltgrößte Chiphersteller Intel profitiert von der abgebremsten Talfahrt im PC-Markt und einem starken Geschäft bei Rechenzentren. Im Schlussquartal 2014 legte der Umsatz um 6,4 Prozent auf 14,72 Milliarden Dollar (12,6 Mrd. Euro) zu. Der Gewinn stieg um 39 Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar, wie Intel nach US-Börsenschluss mitteilte.

Die Quartalszahlen demonstrierten jedoch abermals die Probleme von Intel im Geschäft mit Smartphones und Tablets. So vermeldete die Sparte für Mobil- und Telekom-Chips einen ungewöhnlichen negativen Umsatz von sechs Millionen Dollar - letztlich zahlte Intel dafür drauf, dass Hersteller die Prozessoren nutzten. Der Bereich fuhr so einen operativen Verlust von 1,11 Milliarden Dollar ein. Im gesamten Jahr addierte sich das Minus auf 4,2 Milliarden Dollar - bei einem schmalen Umsatz von 202 Millionen Dollar.

Zugleich verkündete Intel, man habe im gesamten Jahr das Ziel, Chips in 40 Millionen Tablets zu bringen, mit 46 Millionen Geräten übertroffen.

Finanziert wird die Großzügigkeit im Mobil-Geschäft von den bewährten Geldbringern: Personal Computer und Server für Rechenzentren. Intel ist ein zentraler Profiteur des insgesamt etwas besseren Geschäfts mit Notebooks und Desktop-Rechnern. War der PC-Absatz im Jahr 2013 noch um ein Zehntel eingebrochen, errechneten Marktforscher für das vergangene Jahr ein Minus von maximal zwei Prozent.

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Bei Intel legte der Umsatz im PC-Bereich im Schlussquartal um drei Prozent auf 8,87 Milliarden Dollar zu. Die Sparte machte damit immer noch rund 60 Prozent des Intel-Geschäfts aus. Ihr operativer Gewinn sprang sogar um 18,7 Prozent auf knapp vier Milliarden Dollar hoch.

Bei Rechenzentren wuchs der Umsatz um ein Viertel auf knapp 4,1 Milliarden Dollar. Das operative Ergebnis des Bereichs schoss um 39 Prozent auf gut 2,2 Milliarden Dollar hoch. Das junge Geschäft mit Chips für vernetzte Geräte brachte einen operativen Quartalsgewinn von 185 Millionen Dollar bei knapp 600 Millionen Dollar Umsatz ein. Die Aktie gab nachbörslich zunächst um fast zwei Prozent nach. Die Gewinnerwartung wurde zwar übertroffen, die Umsatzprognose bei 13,7 Milliarden Dollar für das laufende Quartal enttäuschte aber den Markt.

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