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Cloud-Service AWS Amazons unterschätzte Umsatzmaschine

Amazon hat parallel zum Siegeszug im Onlinehandel weite Teile des Cloud-Geschäfts unter seiner Kontrolle. Das Wachstum der Amazon Web Services hat gerade erst begonnen. Wie die Chancen für die Eroberungspläne stehen.

Amazon Web Services ist der geheime Gigant unter den Cloud-Anbietern. Quelle: Marcel Stahn

Jeff Bezos' Wachstumsdrang kennt keine Grenzen. Mit seiner "Feuerwalze Amazon" brennt der Unternehmer eine Schneise durch den stationären und den Onlinehandel. Beiläufig und lang unterschätzt ist er mit seinem Konzern aber auch längst zur festen Größe im Geschäft mit der Datenwolke geworden: Die Amazon Web Services (AWS) gehören zu den größten Cloud-Diensten im Netz. Mehr und mehr Daten wandern auf die zentralen Rechenfarmen und Web-Speicher des US-Unternehmens. Hunderttausende Nutzer legen mittlerweile Daten auf Amazon-Servern ab - bewusst und unbewusst.

Netflix-Videos laufen genauso darüber wie Musik von Spotify. Zu seinen Kunden zählt Amazon den Medienkonzern Time Inc, die Reisewebsite Expedia und den Ölkonzern Shell. Selbst Speicherplatz-Anbieter Dropbox, einer der Dienste, über den Privatleute am ehesten mit der Cloud in Kontakt kommen, nutzt die Rechenzentren von Amazon.

So können Sie Ihre Daten online abspeichern
DropboxEiner der bekanntesten Cloud-Speicher-Dienste ist Dropbox. Der US-Anbieter gewährt Nutzern vergleichsweise geringe zwei Gigabyte Gratisspeicher – wer die Dropbox anderen empfiehlt kann den Speicher auf bis zu 16 GB erweitern. Entweder über einen Browser oder über die Applikationen von Dropbox lassen sich Daten hoch- und herunterladen. Installiert man die Software, erscheint sowohl beim Windows- als auch beim Apple-Betriebssystem ein Ordner im Explorer, in dem einfach per kopieren und einfügen Daten in die Cloud und aus ihr herausgeholt werden können. Wer mehr Speicher benötigt, kann bis zu einen Terabyte für 9,99 Euro pro Monat erwerben oder für 99 Euro pro Jahr. Quelle: dpa
Microsoft OneDriveMit einem großen Gratisspeicher lockt Microsoft, das 2015 mit OneDrive den Nachfolger seines Cloud-Speichers SkyDrive präsentierte. 15 Gigabyte winken hier, die auf bis zu 20 Gigabyte erweiterbar sind, indem man etwa neue Kunden wirbt und die automatische Sicherung von Bildern aktiviert. Auch hier können Nutzer entweder über den Browser oder über eine Anwendung auf die Cloud zugreifen. Für 100 GB verlangt Microsoft 70 Cent pro Monat, ein Terabyte ist für günstige sieben Euro monatlich zu haben – inklusive dem Microsoft 365 Office-Paket. Nur die Anbieter Spideroak und Livedrive sind noch günstiger. Quelle: dpa
Spideroak Quelle: Screenshot
Google DriveWie auch Microsoft wartet Google Drive mit 15 Gigabyte Gratisspeicher auf. Neben dem Speicher bietet Google einige zusätzliche Cloud-Dienste wie ein Office-Programm, das mehrere Anwender gemeinsam und parallel bearbeiten können; die Versionskontrolle wird über die Cloud-Software synchronisiert. Wer mehr als die 15 Gigabyte Speicher benötigt, kann für 1,99 Dollar pro Monat 100 GB erwerben, ein Terabyte kostet 9,99 Dollar. Der Speicher ist auf bis zu 30 Terabyte erweiterbar – Kostenpunkt: 299,99 Dollar. Quelle: dpa
Amazon Cloud DriveDas Online-Kaufhaus Amazon bietet mit seinem Dienst „Cloud Drive“ fünf Gigabyte freien Speicherplatz für die ersten zwölf Monate. Bei Amazon erworbene MP3-Dateien werden direkt auf der Online-Festplatte abgelegt. 50 Gigabyte sind ab 20 Euro pro Jahr zu haben, ein Terabyte ab 400 Euro. Quelle: dpa
Apples iCloudApple-Nutzer erhalten fünf Gigabyte Cloud-Speicher gratis. Sofern ein iPhone-Nutzer keine anderen Einstellungen vornimmt, landen sämtliche Fotos, die er mit seinem Smartphone schießt, in der Cloud. Auch auf Kontakt-Daten, Termine und andere Anwendungen greift die Cloud zu. Solange man ausschließlich Apple-Geräte nutzt, ist die Synchronisation einer der Aspekte, mit denen Apple besonders punktet. Speichererweiterungen sind problemlos möglich: 50 Gigabyte sind für 99 Cent pro Monat erhältlich, ein Terabyte kostet 9,99 Euro – und damit das Doppelte des Dropbox-Preises. Quelle: dpa
ADrive Quelle: Screenshot


Was AWS für Amazon bedeutet

Die Bedeutung des Cloud-Geschäfts ist eine tragende Säule des Online-Riesen. Bevor Amazon im April dieses Jahres erstmals Zahlen zu seinem Cloud-Geschäft veröffentlichte, hatten manche Anteilseigner und Analysten gehofft, AWS sei ein Verlustgeschäft. Bloß ein teures Nebenprojekt, das Jeff Bezos als Spielwiese braucht. Dann wäre das Kerngeschäft Onlinehandel stärker gewesen als die Konzernzahlen vermuten lassen.

Die Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Während Amazon insgesamt im ersten Quartal einen Verlust von  57 Millionen Dollar machte, brachte AWS Geld ein. Das operative Ergebnis lag bei 265 Millionen Dollar, die Umsatzrendite bei 17 Prozent. Allein im vergangenen Jahr wuchsen die Amazon Web Services um 51 Prozent.

Was Jeff Bezos mit AWS vor hat

"Die Amazon Webservices sind ein fünf-Milliarden-Dollar-Geschäft, das schnell wächst", jubelte Jeff Bezos. Froh, nach diversen Rückschlägen mal wieder eine Positiv-Meldung zu haben und schob den entscheidenden Satz hinterher: "Tatsächlich beschleunigt sich das Wachstum sogar."

Die AWS sind eine Gewinn- und Umsatzmaschine, die Amazon gerade erst richtig hocherfährt. "Amazon hat es wie kein anderer geschafft, den Cloud-Computing-Markt zu verstehen", sagt René Büst, Cloud-Experte des IT-Analystenhaus Crisp Research. "Das Unternehmen ist sehr früh eingestiegen und hat mit Geschick große Marktanteile erobert."

Vor- und Nachteile des Cloud Computing


Wo die Amazon-Cloud wachsen soll

Für den Aufstieg zur Cloud-Größe brauchte der einstige Buchhändler keine zehn Jahre. 2006 entstanden die AWS als ein reines Nebenprojekt des E-Commerce. Um seine eigene Plattform stärken und fehlerfrei betreiben zu können, setzte der Onlinehändler seine eigenen Server auf. Er baute die Kapazitäten aus, um digitale Produkte wie Bücher, Musik und Filme auf eigenen Rechnerfarmen zu speichern.

Heute betreibt Amazon Rechenzentren in elf Regionen auf allen Kontinenten und stellt seine Kapazitäten jedem zur Verfügung, der bereit ist, dafür zu zahlen. Laut dem Marktforscher Synergy Research ist AWS mit einem Anteil von 28 Prozent  am Geschäft mit der Cloud-Infrastruktur größer als die nachfolgenden vier Tech-Riesen Microsoft, IBM, Google und Salesforce zusammen.

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