Computerbauer Der alternativlose Michael Dell

Die jüngsten Quartalszahlen unterstreichen, warum Michael Dell sein Unternehmen zurückkaufen will. Der IT-Riese kämpft mit rückläufigem Geschäft – und hat keine Antwort auf die Herausforderungen der Nach-PC-Ära.

Im Kampf gegen Tablets und Smartphones ziehen immer mehr Computerhersteller den Kürzeren - so hat auch das Unternehmen von Michael Dell sinkende Verkaufszahlen zu verzeichnen. Quelle: REUTERS

Wenn es einer neuerlichen Begründung dafür bedurft hätte, warum Michael Dell beabsichtig, den von ihm gegründeten und geleiteten Computerhersteller Dell von der Börse zu nehmen – Dienstagabend nach US-Börsenschluss hat er sie in Form seiner jüngsten Quartalszahlen selber geliefert.

So hat der amerikanische IT-Riese im Ende Dezember abgelaufenen vierten Quartal des Geschäftsjahres 2012 einen Umsatz von 14,3 Milliarden Dollar eingefahren, ein Minus um stolze elf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Beim Nettogewinn ging es gar um fast ein Drittel auf nunmehr 530 Millionen Dollar in den Keller. Auf Jahressicht sieht es ähnlich düster aus: Umsatz 56,9 Milliarden Dollar (minus 8 Prozent), Gewinn 2,4 Milliarden Dollar (minus 30 Prozent).

Geschäftsentwicklung von Dell

Dennoch lässt Dell-Finanzchef Brian Gladden in bester Politbüro-Manier zitieren, das Unternehmen habe im vierten Quartal weiter seine Langfriststrategie abgearbeitet und im Übrigen einen „6-prozentigen Anstieg in unserem Enterprise- und Dienstleistungs-Geschäft“ realisiert.

So weit, so schlecht: Denn um welche Strategie es sich dabei genau handelt – außer eben dem De-Listing, um dadurch Ruhe vor ständig nölenden Aktionären zu erhalten, dazu haben sich weder Gladden noch Dell geäußert.

Die größten Buy-Outs aller Zeiten
Platz 11: DellDer Computerhersteller Dell wird durch den gleichnamigen Gründer und Chef Michael Dell übernommen. Mit am Board: Der Software-Gigant Microsoft und der Finanzinvestor Silver Lake wollen sich an dem Buyout beteiligen. Der Dell-Deal soll 24,4 Milliarden US-Dollar teuer sein. Bei einem Buy-Out übernehmen Private-Equity-Investoren Anteile oder gleich das ganze Unternehmen. Es handelt sich stets um eine fremdfinanzierte Übernahme, die auch durch den ursprünglichen Gründer erfolgen kann. Quellen: Thomson Reuters, Business Insider, eigene Zusammenstellung. Quelle: dpa
Platz 10: Hilton Hotels Corp Im Juli 2007 übernahmen die Blackstone Group LP für 26 Milliarden US-Dollar (Schulden inklusive) die Hotelgruppe. Die Investmentgesellschaft war mit einem Schlag der größte Hotelbesitzer der Welt. Quelle: Thomson Reuters Quelle: dpa/dpaweb
Platz 9: Kinder Morgan IncDie Knight Holdco LLC kaufte den Energie- und Pipelinebetreiber aus Texas im Mai 2006 für 26,5 Milliarden US-Dollar. Quelle: dpa
Platz 8: Harrah's Entertainment Inc.Im Oktober 2006 kaufte eine Investorengruppe den Spielautomaten- und Casinobetreiber für 27,4 Milliarden US-Dollar. Quelle: AP
Platz 7: Alltel Corp.Das US-amerikanische Telekommunikationsunternehmen geriet im Mai 2007 für 27,5 Milliarden US-Dollar in die Fänge der Atlantis Holding LLC, einer Holding, die aus der Goldman Sachs-Tochter GS Capital Partners and TPG Capital bestand. Quelle: AP
Platz 6: First Data CorpDas Private-Equity-Unternehmen Kohlberg Kravis Roberts & Co kaufte den Kreditkarten- und Gelddienstleister First Data Corp im April 2007 für 29,0 Milliarden US-Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 5: BAA PLC, seit 2013 Heathrow Airport Holdings LimitedIm März 2006 übernahm die Airport Dvlp & Invest Ltd. die Betreibergesellschaft des größten britischen Flughafens für knapp 30 Milliarden US-Dollar. Quelle: Reuters
Platz 4: RJR Nabisco IncEinst war der Konzern im Lebensmittel- und Tabakgeschäft aktiv. 1988 wurde er von KKR für 31,1 Milliarden US-Dollar aufgekauft. Mittlerweile stellt Nabisco nur noch Kekse her - als Tochter von Mondelez, ehemals Kraft Foods. Quelle: AP
Platz 3: Hospital Corporation of America (HCA)Im Juli 2006 ging einer der größten Unternehmen im Krankenhauswesen für 32,7 Milliarden US-Dollar an eine Investorengruppe, die aus Bain Capital, KKR, Merrill Lynch und der Gründerfamilie bestand. 2010 ging HCA wieder an die Börse. Quelle: Fotolia
Platz 2: Equity Office Properties Im November 2006 übernahm die Blackstone Group den Büroraum-Betreiber Equity Office Properties. 38,9 Milliarden Dollar legten die Investoren für das größte Immobilien-Portfolio der Vereinigten Staaten hin. Quelle: AP
Platz 1: TXU Corp, heute Energy Future Holdings Corp.Im Februar 2007 kaufte eine Investorengruppe, die aus KKR, TPG and Goldman Sachs bestand, das Energieunternehmen für 44,37 Milliarden US-Dollar.

Im Kampf gegen rückläufige Verkäufe

Seit Jahren kämpft die Riege der IT-Hersteller, allen voran Dell und sein US-Rivale Hewlett-Packard (HP), gegen rückläufige Verkäufe im Kerngeschäft mit PCs, weil viele Verbraucher, aber zunehmend auch Unternehmenskunden, stattdessen lieber zu Smartphones und Tablet-Rechnern greifen. Experten wie etwa das US-Marktforschungsunternehmen IDC haben im PC-Geschäft inzwischen einen grundlegenden strukturellen Wandel  ausgemacht.

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Eine Antwort auf die Herausforderungen dieser Nach-PC-Ära haben bis heute weder Dell noch HP gefunden. Vor diesem Hintergrund halten Finanzanalysten den geplanten Rückkauf von Dell durch ein Konsortium um seinen Gründer für einen richtigen Schritt – auch wenn viele den Kaufpreis von umgerechnet 24,4 Milliarden Dollar als zu gering erachten: „Am Ende haben sie aber keine wirklichen Alternativen“, sagt etwa Brian Marshall von der amerikanischen Investmentbank ISI Group.

Einer kann das Gerangel indes bereits gelassen sehen – Michael Dell. Wie die WirtschaftsWoche bereits Anfang Februar in einer großen Geschichte analysiert hat: Dank seiner eigenen unternehmerischen Fehlentscheidungen kann er sein eigenes Unternehmen nun zum Schnäppchenpreis zurückkaufen. Michael Dell gewinnt immer.

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