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Coupon-Anbieter Der Mittelstand geht auf Schnäppchenjagd

Ein Start-up aus Heidelberg will mit Coupon-Deals im B2B-Geschäft landen. Besonders kleinere Unternehmen sollen beim Einkauf profitieren. Vom Kugelschreiber bis zur Facebook-Auftritt-Optimierung ist alles dabei.

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Die Plattform Business-Coupon.de bietet Deals für alles, was Firmen brauchen können. Quelle: Screenshot

Tagtäglich schwappt eine Welle von Coupons in deutsche E-Mail-Postfächer. Erlebnis-Fondue im französischen Bistro, reduzierte Fußball-Fanartikel oder die Scheibentönung fürs Auto – für fast jedes Produkt und jede Dienstleistung gibt es irgendwo einen Gutschein zu ergattern. Coupon-Anbieter wie Groupon oder Dailydeal setzen auf die Kauflust der Schnäppchen-Jäger. Im Endkundengeschäft haben sich die täglichen Sparangebote längst etabliert.

Für die Einkäufer von Unternehmen aber waren solche Portale bislang keine Option. Geht es nach Jonathan Kirsch, soll sich das nun ändern. Mit Business-Coupon.de hat er zusammen mit Geschäftspartner Siegmund Mioduszewski eine Coupon-Plattform für das B2B-Geschäft gegründet. Seit Dezember 2012 ist die Seite online. Mittlerweile gibt es dort vom bedruckten Kugelschreiber über eine Verschönerung der Facebook-Seite bis zum Rabatt bei Telefonkonferenzen vieles, was Firmen brauchen könnten – und das mit Preisnachlässen zwischen 15 und 60 Prozent.

Zielgruppe sind Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern

Bislang ist die Angebots-Palette noch überschaubar. Dienstleistungen machen den größten Teil aus. Doch das Repertoire soll bald erweitert werden. „Wir wollen jeden Bereich abdecken und in diesem Jahr noch zum Vollsortimenter werden“, sagt Kirsch. Auch eine Expansion nach Österreich und in die Schweiz ist noch 2013 geplant. Die Kernzielgruppe seien Unternehmen bis 250 Mitarbeitern, sagt Kirsch. „Wir sprechen kleine und mittelständische Unternehmen an, die keinen professionalisierten Einkauf haben, aber auch Rechtsanwälte oder Steuerberater.“ Mittelständlern fehle es oft an Verhandlungsmacht, um gute Angebote zu ergattern.

Hier kommt Business-Coupon ins Spiel und versucht, die Interessen der kleinen Firmen zu bündeln – und für sie lohnende Rabatte herauszuschlagen. Über Gutscheine, die im Online-Shop veröffentlicht werden, können Unternehmen sie bei den Anbietern einlösen.

Nicht für jedes Unternehmen sinnvoll

Worauf Kunden bei Rabattgutscheine im Internet achten sollten
Preise vergleichenVerbraucher sollten den angegebenen Rabatten nicht blind vertrauen. Unter Umständen ist das Angebot gar nicht so billig, wie das Rabattportal verspricht. Hier hilft eine kritische Prüfung, wenn möglich auf der Internetseite des entsprechenden Anbieters. Stimmt das Verhältnis zwischen Rabattpreis und Originalpreis? Auch ein Preisvergleich mit anderen Anbietern im Internet zeigt, ob ein Rabattangebot wirklich günstig ist. Quelle: dpa
Verfügbarkeit prüfenBei den jeweiligen Deals wird die Zahl der bereits verkauften Gutscheine angegeben. Sind bereits sehr viele Gutscheine verkauft worden, lohnt ein kritischer Blick. Es gab zahlreiche Fälle, bei denen mehr Rabattcoupons ausgegeben wurden, als von den Anbietern bewältigt werden konnten. Vor allem kleine Dienstleister und Händler sind häufig damit überfordert, eine große Zahl von Kunden innerhalb kurzer Zeit zu bedienen. Wer auf Nummer sicher gehen will, ruft beim Anbieter an und fragt, ob und wann Ware oder Dienstleistung verfügbar sind. Quelle: dapd
Fristen beachtenViele Angebote sind zeitlich befristet oder gelten nur an bestimmten Tagen bzw. zu bestimmten Tageszeiten. So hat sich bei Shopping-Angeboten eine Frist von einem Monat eingebürgert. In dieser Zeit muss die Ware bestellt werden. Deals sollten grundsätzlich nur gemacht werden, wenn der Termin eindeutig geklärt ist. Dies gilt insbesondere für Gutscheine, die zum Besuch eines bestimmten Konzerts, Sportereignisses oder eines sonstigen Freizeit-Events dienen. Quelle: dpa
Konditionen genau lesenEinige Angebote sind an besondere Bedingungen geknüpft oder mit erheblichen Einschränkungen verbunden. Beispielsweise sind sie nur in bestimmten Filialen, nur mit zusätzlichen Käufen oder mit einem Mindestbestellwert einzulösen. Zudem können Gutscheine nur für Neukunden gültig sein. Daher sollten die Konditionen des jeweiligen Deals genau gelesen werden.   Quelle: dapd
Zwei Wochen WiderrufsrechtKunden der Rabattportale können wie bei allen Online-Geschäften den Vertrag innerhalb von zwei Wochen ohne Angaben von Gründen widerrufen. Der Widerruf muss schriftlich per Brief, Fax oder E-Mail erfolgen. Es gibt aber Ausnahmen. Gutscheine für Unterbringung, Beförderung, Lieferung von Speisen und Getränken sowie bei Freizeitangeboten, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums erbracht werden sollen, können nicht umgetauscht oder zurückgegeben werden. Quelle: dpa

Doch auch die Angebotsseite kann profitieren: „Wenn ein Business-Kunde einmal die Entscheidung für einen Anbieter getroffen hat, dann bleibt er im Schnitt drei bis zehn Jahre bei ihm“, sagt Kirsch. Um auf der Seite zu erscheinen, müssen die Angebote einige Kriterien erfüllen. Einfach zu verstehen müssen sie sein, transparent und ohne Hintertürchen. Dazu zählt auch, dass die Käufer ihr Geld zurückbekommen, falls ein Gutschein abgelaufen ist. Bei einem erfolgreich eingelösten Coupon werden dann vom Anbieter zwischen 30 und 50 Prozent Provision an Business-Coupon fällig.

Was den Deutschen beim Online-Shopping wichtig ist

Allerdings sei es nicht für jedes Unternehmen sinnvoll, Coupons anzubieten, sagt Gunnar Clausen, Partner der Strategie-Beratung Simon Kucher. Die Gutschein-Schnäppchen sind für den Pricing-Experten eher ein Promotion-Instrument. „Beim Couponing ist das Ziel, neue Kunden zu gewinnen und diese zu Wiederholungskäufen zu animieren“, so Clausen.

Kernfrage ist: Wann lohnt das Rabatt-Geschäft?

Dabei gelte es, die Angebote so aufzubauen, dass nicht zu viele Einmal-Schnäppchenjäger anbeißen, die nicht mehr wiederkommen. Schlecht für das Geschäft sei es auch, wenn Stammkunden zugreifen, die ohnehin vom Produkt überzeugt sind und bislang den vollen Preis zahlen. „Man muss sich immer die Frage stellen:

In Arbeit
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Gewinne ich so wirklich Neukunden und kann ich sie durch ein gutes Erstangebot auch langfristig binden?“, sagt Clausen. Ob ein Gutschein-Angebot lohnenswert ist, hängt auch vom Produkt ab. Für Firmen mit hohen variablen Kosten sei eine profitable Coupon-Promotion schwer, sagt Clausen. Anders sehe es zum Beispiel bei Softwareanbietern aus. Ist ein Programm einmal geschrieben, kommen nur noch Kosten für die Auslieferung hinzu. Rabatte können neue Kunden locken, die den Profit des Unternehmens weiter steigern.

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