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Cyberabwehr Wie sich Unternehmen vor Spionage schützen

Vor den Geheimdiensten kapitulieren oder Gegenmaßnahmen treffen? Ein Jahr nach den ersten Enthüllungen im NSA-Skandal erklären Sicherheitschefs deutscher Unternehmen, wie sie sich gegen Spionage- und Sabotageattacken wehren.

Was diese über Sie wissen könnten
Schild "Bundesnachrichtendienst" Quelle: AP
Schilder US. Cyber Command, National Security Agency, Central Security Service Quelle: dpa
Ein Mann mit Fotoapparat Quelle: Fotolia
Kabel Quelle: dpa
Eine Frau telefoniert mit einem Telefon Quelle: obs
Ein E-Mail-Symbol Quelle: dpa
Bildcollage zum Thema Telekommunikation Quelle: dpa

Spezialisten für Spionageabwehr arbeiten lieber im Verborgenen. Wenn allerdings Hans-Georg Maaßen als Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) quasi der oberste Schlapphut der Republik die Wirtschaft zum Erfahrungsaustausch nach Berlin einlädt, dann verlassen auch die sonst so scheuen Sicherheitschefs kleiner und großer deutscher Unternehmen ihre Wagenburg und plaudern ansonsten sorgsam gehütete Interna aus.

An diesem Donnerstag im Mai hat Volker Ressler, Leiter Corporate Protection and Security beim Stuttgarter Autozulieferer Bosch, gerade als Vertreter eines spionagegefährdeten Technologiekonzerns auf dem Podium Platz genommen, als der Moderator die Frage aller Fragen stellt: „Kennen Sie eigentlich Ihre Kronjuwelen?“

Im Visier der Geheimdienste

Kronjuwelen – so nennen Unternehmen ihre kostbarsten Schätze. Früher wurden sie im Panzerschrank aufbewahrt, jetzt liegen sie auf – hoffentlich gut abgeschirmten – Rechnern. Meist sind es Ergebnisse langjähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Auch sensible Kundendaten und Angebote bei Ausschreibungen zählen dazu.

Umso überraschter sind die Teilnehmer des Symposiums, dass ausgerechnet der Vertreter von Robert Bosch – mit einem Jahresbudget von 4,5 Milliarden Euro eines der forschungsintensivsten Unternehmen in Deutschland – erstmals ein ehrliches Geständnis ablegt: „Wir sind dabei, unsere Kronjuwelen kennenzulernen.“ Wow. Bosch kennt seine wertvollsten Schätze (noch) nicht. Wer hätte das gedacht.

Was ist über die NSA-Spionage in Deutschland bekannt?

Der Auftritt des Sicherheitschefs ist symptomatisch für die Stimmung in den Unternehmen. Seit den Enthüllungen des ehemaligen NSA-Agenten Edward Snowden ist klar: Deutschland mit seinen High-Tech-Unternehmen gehört zu den Top-Zielen ausländischer Geheimdienste. Fast jedes dritte deutsche Unternehmen ist in den vergangenen Jahren Opfer eines Cyberangriffs geworden, ergab eine repräsentative Umfrage des ITK-Branchenverbandes Bitkom.

Laut Studie des Virenschutzanbieters McAfee liegt Deutschland mit einem Schaden von 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts an der Spitze der betroffenen Länder – weit vor den USA und Japan. Zudem bleiben Angreifer viel zu lange unentdeckt, wie der jüngste Bedrohungsbericht des kalifornischen IT-Sicherheitsanbieters Fireeye zeigt: Durchschnittlich 229 Tage braucht ein Unternehmen, um Datendieben auf die Spur zu kommen.

Kopf in den Sand oder Ärmel hoch?

Wie reagieren deutsche Unternehmen auf diese verschärfte Bedrohungslage? Die WirtschaftsWoche wollte es genauer wissen. Das Ergebnis der zahlreichen Gespräche mit Unternehmens- und Sicherheitschefs: Manche haben den Ernst der Lage noch nicht erkannt, andere kennen die Gefahren, kapitulieren aber vor der technischen Überlegenheit der Geheimdienste und anderer Angreifer.

Die dritte Gruppe krempelt die Ärmel hoch und erhöht die Sicherheitsvorkehrungen noch weiter. Viele dieser Unternehmen wollen ihre Abwehrstrategien nicht offenlegen. Das, so erklären sie unisono, würde nur die Angreifer provozieren, noch aggressivere Attacken zu fahren. Das Risiko will keiner eingehen.

Ein paar zur Nachahmung empfohlene Puzzlesteine aus ihrem Gesamtkonzept haben sie dann aber doch verraten. Schon dieser kleine Ausschnitt zeigt: In der deutschen Wirtschaft gibt es Pioniere, die den Kampf gegen Geheimdienste und straff organisierte Cyberbanden aufnehmen.

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