Das Monopol des Milliardärs Carlos Slim schrumpft sein Unternehmen

Der zweitreichste Mann der Welt beugt sich dem Druck der mexikanischen Regierung. Milliardär Carlos Slim will seinen Telekommunikationskonzern América Móvil freiwillig verkleinern. Nur so entgeht er noch härteren Maßnahmen.

Das ist Carlos Slim
Einer der reichsten Männer der Welt macht sich eigentlich nicht viel aus Geld: Trotz eines Milliarden-Vermögens steuert Carlos Slim sein Auto gerne selbst durch den halsbrecherischen Verkehr seiner Heimatstadt Mexiko-Stadt, wohnt in einem bescheidenen 6-Zimmer-Haus in der Nähe seines Büros und hat nicht einmal einen Computer auf seinem Schreibtisch. Quelle: dpa
Zu seinen Leidenschaften zählen Baseball, Rodin-Skulpturen und Zigarren aus Kuba. Doch hinter dem Bild des geerdeten Familienunternehmers verbirgt sich ein knallharter Stratege, der auf dem mexikanischen Telefonmarkt seit Jahrzehnten die Preise hoch hält und mit den Einnahmen aus seinen zahlreichen Geschäften die weltweite Expansion finanziert. Quelle: AP
Vier Jahre lang in Folge rangierte Carlos Slim an der Spitze der "Forbes"-Milliardärs-Liste, bis ihn Microsoft-Gründer Bill Gates 2014 ablöste. Als nun zweitreichster Mann der Welt muss er aber nicht darben - sein Vermögen wird auf 70 Milliarden Dollar geschätzt. Zum Vergleich: So viel ist die Deutsche Telekom an der Börse wert. Quelle: dpa
Slim eilt der Ruf des Schnäppchenjägers voraus. In der Presse wurde er schon als "Meister des Schlussverkaufs", als "Mister Monopoly" tituliert - nicht unbedingt schmeichelhafte, aber treffende Namen. "Er hat nie für irgendetwas zu viel gezahlt", sagt sein Freund und Historiker Hector Aguilar Camin. Quelle: REUTERS
In die Wiege gelegt war Slim der Erfolg nicht. 1940 als fünftes von sechs Kindern einer libanesischen Auswandererfamilie geboren, half er schon früh im Handelsunternehmen seines Vater aus und entdeckte dort seine Liebe zu Zahlen und Bilanzen. Später startet Slim eine Karriere als Börsenhändler, doch das bloße Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren interessierte ihn nicht - er wollte die Firmen leiten. Quelle: REUTERS
Nachdem Slim in den sechziger und siebziger Jahren mehrere Firmen sanierte und dabei ein Vermögen anhäufte, landete er vor 30 Jahren seinen ersten Coup: Mexiko rutschte wegen des Ölpreisverfalls damals in die Krise, die Regierung verstaatlichte daraufhin Banken, weshalb Investoren fluchtartig das Land verfließen. Slim kaufte zum Spottpreis eine Firma nach der anderen - die Unternehmen, darunter der größte Versicherer des Landes - waren wenige Jahr später im Aufschwung ein Vielfaches wert. Quelle: AP
Der zweite Glücksgriff gelang Carlos Slim Anfang der Neunziger, als Mexiko sich von vielen Staatsunternehmen trennte, darunter dem Telefon-Monopolisten Telmex. Der durfte auch nach der Privatisierung jahrelang als einziger Anbieter landesweit Orts-, Fern- und Handygespräche anbieten. Wettbewerber hatten kaum eine Chance. Erst Jahre später schuf die Regierung die erste Regulierungsbehörde. Die Folgen spürt das Land bis heute: Telmex kontrolliert noch 80 Prozent des Festnetzmarkts in Mexiko, und der dortige Slim-Mobilfunkableger Telcel kommt auf 70 Prozent Marktanteil. Das sind Werte, von denen andere Ex-Monopolisten nur träumen können. Quelle: REUTERS
Slims Telefon-Holding America Movil ist mit mittlerweile 260 Millionen Nutzern der größte Handynetz-Betreiber in Mittel- und Südamerika. Die Hälfte des Betriebsgewinns erzielt America Movil aber weiterhin in Mexiko. Quelle: REUTERS

Der Gegenwind war zu stark, die befürchteten Repressalien zu einschneidend. Der Milliardär Carlos Slim reagiert auf die Reform des mexikanischen Telekommunikationswesens und fährt sein Engagement in dem Land zurück. Bislang hält er mit seinem Konzern América Móvil dort große Marktanteile, kontrolliert etwa 80 Prozent des Festnetz und 70 Prozent des Mobilfunkgeschäfts. Damit ist nun Schluss.

Durch den Verkauf von Aktivposten wie beispielsweise Sendemasten und Netzinfrastruktur solle der Marktanteil des Telefonunternehmens Telmex und des Mobilfunkanbieters Telcel in Mexiko auf unter 50 Prozent gedrückt werden. Mutterkonzern América Móvil verliert damit zwar die Vormachtstellung im Heimatland, verhindert damit aber ein Eingreifen der Regierung. Die hatte unter anderem mit Maßnahmen wie einer Aufteilung der Infrastruktur mit Wettbewerbern und Tarifanpassungen gedroht. Zudem könnte América Móvil wie schon seit langem geplant nun seine Fühler in das Pay-TV-Segment in Mexiko ausstrecken.

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Die mexikanische Abgeordnetenkammer hatte das Ausführungsgesetze zur Telekommunikationsreform erst am Dienstag gebilligt. Slims Reaktion folgte prompt. Das neue Gesetz stärkt die Befugnisse der Telekomaufsicht und erlaubt harte Sanktionen gegen Unternehmen. Erklärtes Ziel ist es, das Oligopol von Medienkonzern Televisa und América Móvil in Mexiko zu brechen.

Während Slim, laut Forbes-Magazin der zweitreichste Mann der Welt, auf dem Heimatmarkt einen Rückschlag erleidet, treibt er seine Expansion in Europa weiter voran. Er will seinen Anteil an der Telekom Austria auf mehr als 50 Prozent steigern. Bislang hält América Móvil rund 27 Prozent an dem österreichischen Unternehmen.

Mit Material von dpa

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