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Datawin Scanner aus Niederbayern werten US-Wahl aus

Exklusiv

Schon seit mehr als 30 Jahren ist Peter Schrittenlocher ein „Belegscannerfritze“, nun macht der 64-Jährige das Geschäft seines Lebens: Die von ihm gegründete und geleitete Firma Datawin hat 75 Hochleistungsscanner in die USA geliefert, mit denen am Wahltag Stimmzettel ausgezählt werden.

Ein Beispiel-Wahlzettel für die US-Wahl Quelle: dpa

300 Wahlzettel pro Minute schaffen die 90 Kilogramm schweren Geräte aus dem niederbayrischen Erdolging. Und auch gefaltete Stimmzettel aus der Briefwahl sind für die Datawin-Scanner kein Problem. „Dafür gab es vorher kein Gerät auf dem Markt“, sagt Schrittenlocher stolz. Das ist auch der Grund dafür, dass die 25-Mann-Firma den Auftrag vom größten US-Wahldienstleister ES&S bekommen und sich gegen Konkurrenten wie den japanischen Bürogeräteriesen Ricoh durchgesetzt hat.

Die Skurrilitäten der US-Präsidenten
Die 44 Präsidenten, die die USA bislang sahen, bilden ein buntes Bild: Emsige und Faulpelze, Asketen und Schwelger, Langeweiler und Trunkenbolde. Quelle: AP
Einer der großen Präsidenten der amerikanischen Geschichte war William Howard Taft (1909 bis 1913) sicher nicht. Aber der schwerste. Mit gut 150 Kilo schaffte er etwas, was keinem anderem Präsidenten gelang: Er steckte in der Badewanne des Weißen Hauses fest. Die Mitarbeiter mussten ihn mit Butter einschmieren und befreien. Quelle: dpa
Zu den Stilleren gehört zweifelsohne Calvin Coolidge (auf dem Bild mittig mit Ball und Hut). Er galt als guter Redner - aber miserabler Smalltalker. Bei einem Essen saß die Schriftstellerin Dorothy Parker neben „Silent Cal“ und sagte, sie habe gewettet, mehr als zwei Worte aus ihm herauszubekommen. Coolidge guckte sie an, sagte nur „Wette verloren“ - und schwieg den Rest des Abends. Parker rächte sich 1933. Als sie vom Tod Coolidges erfuhr, sagte sie trocken: „Woran habt Ihr gemerkt, dass er tot ist?“ Quelle: dapd
Wenige Wochen später wurde Franklin D. Roosevelt Präsident der USA (hier auf einer Bank mit Winston Churchill (links) und Josef Stalin (rechts). Er war reich, brauchte aber die Reichen als Wahlkampfspender. Als einer im Gegenzug Botschafter in London werden wollte, sagte Roosevelt, er solle die Hosen runterlassen. Der verblüffte Millionär tat es, weil er den Posten unbedingt wollte. Roosevelt sagte, er habe nur die Beine prüfen wollen, schließlich müsse der Botschafter vor dem König Kniebundhosen tragen „und Du bist der krummbeinigste Mann, den ich je sah, Joe“. Der Mann bekam den Job, aber es war eine gezielte Demütigung gegen einen Emporkömmling, den Roosevelt hasste: Joseph Kennedy, Vater des späteren Präsidenten John F. Kennedy. Quelle: dpa
Roosevelt war auch der Präsident mit der längsten Amtszeit: Vier Wahlperioden, auch wenn er zu Beginn der vierten starb. Die kürzeste hatte William Henry Harrison (auf dem Bild als Wachsfigur rechts). Er war 1841 mit 68 Jahren der älteste Präsident, den die USA in ihren ersten 200 Jahren hatten. Erst Ronald Reagan war 1981 ein Jahr älter. Um seine Robustheit zu beweisen, hielt Harrison seine gut zweistündige Rede zur Amtseinführung ohne Hut und Mantel. Eine schlechte Idee: Der geschwächte Senior holte sich später eine Lungenentzündung und starb - nach gerade einmal 30 Tagen im Amt. Quelle: WirtschaftsWoche
Bei James Buchanan (1857-1861) weiß man hingegen, was zu seinem Tod zumindest beitrug: Buchanan nutzte seine sonntäglichen Ausritte, um sich volllaufen zu lassen. Auch sein Vorgänger trank. Dieser Franklin Pierce (1853-1857) hatte jedoch auch Schicksalsschläge hinnehmen müssen: Alle seine drei Söhne starben noch als Kinder. „Es gibt nichts mehr zu tun, als betrunken zu werden“, sagte er resignierend. Für spätere Präsidenten war Alkohol im Weißen Haus hingegen tabu, selbst bei Staatsempfängen. Eine der eifrigsten Verfechterinnen war Präsidentengatin Lucy Webb Hayes - in die Geschichtsbücher eingegangen als „Lemonade Lucy“. Quelle: dpa/dpaweb
Einem Nachfolger wurde neun Jahre später hingegen Wärme zum Verhängnis. Zachary Taylor nahm am 4. Juli 1850 in brütender Hitze die Parade zum Nationalfeiertag ab. Nach der stundenlangen Zeremonie kippte der Ex-General Eiswasser in sich hinein und aß unreifes Obst. Seine Verdauung rebellierte und fünf Tage später war Taylor tot. Bis heute halten sich Gerüchte, der Präsident sei mit Gift gemeuchelt worden. Eine Exhumierung 1991 brachte aber keine Hinweise. Quelle: REUTERS

100 Geräte zu einem Stückpreis von 37.000 Euro haben die Amerikaner bestellt, Datawin rechnet damit, dass es in den nächsten Jahren bis zu 400 werden. Ein doppelt so großer Folgeauftrag scheint sicher, immerhin hat der Auftraggeber schon 200 Zubehörteile bekommen. In Deutschland sind die Geräte laut Wahlgesetz nicht zugelassen, doch an anderer Stelle wurden sie hierzulande in diesem Jahr erstmalig eingesetzt: bei der Hauptversammlung der Metro.

Ansonsten beflügelt der neu entwickelte Spezialscanner vor allem die Geschäfte im Ausland. „So ein Auftrag ist wie ein Sechser im Lotto“, sagt Schrittenlocher, „der hat uns in eine andere Liga katapultiert“. Schrittenlocher verhandelt derzeit mit Banken, Versicherungen oder Kaufhäusern in Ländern wie Südkorea oder Russland über neue Aufträge. In Bangladesch werden jetzt Multiple-Choice-Tests an Universitäten mit den Geräten gescannt. Der Datawin-Chef hat derzeit soviel zu tun, dass er auch die Einladung zur Wahlparty in die USA ausgeschlagen hat.

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