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Daten-Skandal Facebook-Chef auch selbst betroffen

Mark Zuckerberg selbst von Datenmissbrauch bei Facebook betroffen Quelle: REUTERS

Auch seine Informationen seien an das umstrittene Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica gegangen, erklärte Mark Zuckerberg bei einer Anhörung im US-Kongress am Mittwoch.

Auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist persönlich von dem aktuellen Datenskandal bei dem Online-Netzwerk betroffen. In einer Anhörung im US-Kongress am Mittwoch sagte Zuckerberg auf eine entsprechende Frage, dass auch seine Informationen an das umstrittene Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica gegangen seien. Weitere Details dazu gab es zunächst nicht.

Bei dem aktuellen Datenskandal hatte der Entwickler einer Umfrage-App vor mehr als vier Jahren Informationen von Facebook-Nutzern unrechtmäßig an die Firma Cambridge Analytica weitergereicht, die später unter anderem für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump arbeitete. Dabei ging es nicht nur um die Daten der rund 300 000 Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde. Der Daten-Zugriff für App-Entwickler ließ diesen breiten Einzug von Informationen von 2007 bis 2014 zu.

Nach Einschätzung von Facebook könnten die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern weltweit betroffen sein - darunter potenziell von gut 70 Millionen Amerikanern. Cambridge Analytica selbst erklärte, man habe Informationen zu 30 Millionen Nutzern erhalten. Facebook wusste seit Ende 2015 von der unerlaubten Datenweitergabe - gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, dass sie vernichtet worden seien und informierte die betroffenen Nutzer nicht. Das wird erst jetzt nachgeholt.

Bereits am Dienstag hatte er sich vor einem Ausschuss des Senats reumütig gezeigt: "Wir haben uns die Dimension unserer Verantwortung nicht vergegenwärtigt und das war ein großer Fehler." Doch in der fast fünfstündigen Anhörung ließ sich Zuckerberg keine konkreten Zusagen dafür abringen, eine stärkere Kontrolle des weltgrößten sozialen Netzwerks zuzulassen. Angesichts des Datenskandals denken Politiker über eine stärkere Regulierung nach. Einzelne Volksvertreter haben sogar eine Zerschlagung von Facebook mit seinen mehr als zwei Milliarden Nutzern gefordert.

Zuckerberg verwies auf die Veränderungen, die Facebook vorgenommen habe. So gebe der Konzern Nutzern mehr Kontrolle über ihre eigenen Informationen und vereinfache die Verwaltung der Einstellungen. Werbekunden sollen davon nicht gestört werden. Das Gros der Einnahmen des Tech-Riesen kommt aus den Anzeigen.

Mark Zuckerberg erwartet nach eigenen Angaben eine künftige Regulierung seiner Industrie. Es sei „unvermeidbar, dass es irgendeine Art von Regulierung geben wird“, sagte Zuckerberg bei der Anhörung am Mittwoch in Washington. Abgeordnete sollten aber bei Vorschlägen vorsichtig sein, sagte er. Größere Unternehmen wie Facebook hätten mehr Ressourcen, um sich an Vorschriften zu halten, als kleine Start-ups. Insgesamt ist der Facebook-Chef glimpflich durch die fünfstündige Marathon-Anhörung im US-Senat gekommen. Die Senatoren scheiterten mit ihren Fragen und Kritik zum Teil an mangelndem Wissen über das Online-Netzwerk und an gekonnten Ausweichmanövern des 33-jährigen Milliardärs.

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