Datenobergrenze Drosselt die Telekom

Durch die geplante Abschaffung von Internetflatrates durch die Deutsche Telekom droht eine gefährliche Wettbewerbsverzerrung. Surfen wird dann so langsam, wie in den Frühzeiten des Internets.

Ab Mai sollen DSL-Flatrates der Telekom Obergrenzen für das Datenvolumen bekommen. Quelle: dpa

Lange gab es bei Internetanschlüssen nur eine Entwicklung: Schneller, mehr, billiger. Damit ist es nun vorbei, zumindest für Kunden der Deutschen Telekom. Ab Mai wird für neue Kunden die bisherige Flatrate abgeschafft, wie jetzt schon bei Verträgen für Smartphones wird nur noch ein bestimmtes Datenvolumen verkauft. Sobald dieses erschöpft ist, drosselt die Telekom die Übertragungsgeschwindigkeit. Das Surfen wird dann so langsam, wie in den Frühzeiten des Internets - solange man keine Zusatzkapazitäten dazu bucht.

Telekom drosselt Netzgeschwindigkeit

Wirtschaftlich steht diese Entscheidung dem Konzern erst einmal frei. Angesichts des enorm steigenden Datenverkehrs und der Kosten für die dafür notwendigen Leitungsnetze wirkt der Schritt sogar verständlich. Die Telekom sieht es nicht ein, Milliarden in Glasfaserleitungen zu investieren, damit Youtube und Co. das Geld an den Inhalten verdiene, die dadurch transportiert werden. Also beteiligt sie ihre Kunden an den Kosten: Wer mehr surft, muss künftig auch mehr zahlen.

Wem das nicht passt, der kann zur Konkurrenz wechseln. Allerdings wird bereits darüber spekuliert, ob Vodafone bald nachzieht.

Das eigentliche Problem ist jedoch ein ganz anderes. Denn die Telekom wird ihr eigenes TV-Angebot Entertain bei der Berechnung ausklammern. Was für Kunden auf den ersten Blick positiv scheint ist in Wirklichkeit eine enorme Diskriminierung der Konkurrenz: Wer bereits einige Filme geschaut und sein Volumen so aufgebraucht hat, wird künftig am Monatsende Angebote wie Lovefilm, iTunes, Maxdome, Youtube oder die Livestreams von Fernsehsendern nicht mehr nutzen können - das Telekom-Unterhaltungspaket hingegen schon. Selbst die Mediatheken und Internetangebote der Öffentlich-Rechtlichen, für die mit Verweis auf das Internet gerade die geänderte Haushaltszwangsgebühr eingeführt würde sind dann nicht mehr nutzbar - GEZahlt werden muss freilich trotzdem.

Fakten zur Drosselung
Für wen gelten die Obergrenzen?Zunächst einmal geht es nur um Neukunden, die einen Vertrag vom 2. Mai 2013 an abschließen.
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein gewöhnlicher Haushalt die Obergrenze in seinem Tarif überschreitet?Das lässt sich heute mit Blick auf das Jahr 2016 schwer sagen. Der Telekom zufolge kommt ein Kunde heute im Schnitt auf 15 bis 20 Gigabyte im Monat. Das passt zwar mehrfach in die niedrigste angekündigte Daten-Obergrenze von 75 Gigabyte für Anschlüsse mit einer Geschwindigkeit von bis zu 16 MBit pro Sekunde. Allerdings nimmt der Videokonsum aus dem Netz rasant zu. Neue TV-Geräte sind internettauglich, Sender bauen ihre Mediatheken aus, immer mehr Dienste bieten Streaming von Filmen und Serien an. Bis 2016 kann der Datenhunger der deutschen Haushalte also noch stark wachsen. Quelle: AP
Wie weit kommt man denn so mit 75 Gigabyte?Laut Telekom reicht das neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von Mails zum Beispiel für zehn Filme in herkömmlicher Auflösung sowie drei HD-Filme, 60 Stunden Internetradio, 400 Fotos und 16 Stunden Online-Gaming. Wenn solche Online-Dienste insbesondere in einem Haushalt mit mehreren Personen fest zum Alltag gehören, häuft sich locker eine höhere Nutzung an. Allerdings: Der hauseigene Telekom-Videodienst Entertain zehrt nicht an dem Daten-Kontingent. Quelle: REUTERS
Und was ist mit den anderen Anbietern?Nach aktuellem Stand würden die Nutzung von Entertain-Konkurrenten wie Apples iTunes-Plattform, Amazons Streaming-Dienst Lovefilm oder des ähnlichen Angebots Watchever sowie von YouTube das Inklusiv-Volumen verbrauchen. Bis 2016 könnten die Anbieter aber noch Partnerschaften mit der Telekom abschließen, die ihnen für gesonderte Bezahlung einen
Was passiert, wenn man das Inklusiv-Datenvolumen überschritten hat?Entweder man begnügt sich mit der Vor-DSL-Geschwindigkeit von 387 Kilobit pro Sekunde, mit der man vielleicht E-Mails checken und mit viel Geduld auch im Internet surfen kann. Oder man bucht mehr Datenvolumen hinzu. Die Tarife dafür wurden von der Telekom noch nicht genannt. UPDATE: Die neue Grenze liegt bei 2 MG/s (Stand: 12. Juni 2013). Quelle: dpa
Machen andere Internet-Provider bei der Drosselung mit?Vodafone will nicht mitziehen: „Wir haben keine Pläne, die DSL-Geschwindigkeit unserer Kunden zu drosseln.“ Auch Unitymedia Kabel Baden-Württemberg erteilte einer Drosselung eine Absage: Bereits heute könnten Datenübertragungsraten von 150 Megabit pro Sekunde angeboten werden, die mit wenigen technischen Anpassungen auf 400 MBit pro Sekunde erhöht werden könnten. Bei Kabel Deutschland dagegen gibt es bereits Datengrenzen - sie funktionieren aber anders als bei der Telekom. So ist ein Tages-Volumen von 10 Gigabyte vorgesehen, nach dem das Tempo gedrosselt werden kann. Derzeit passiert das aber erst ab 60 GB am Tag. Bei 1&1 gehört das Prinzip fest zum günstigsten Tarif dazu: Bis 100 GB im Monat surft man mit bis zu 16 MBit pro Sekunde, danach nur noch mit der langsamsten DSL-Geschwindigkeit von 1 MBit pro Sekunde. Quelle: dpa

Dies führt zu einer skandalösen Wettbewerbsverzerrung, entsprechend groß ist der Aufschrei im Netz. Denn die Telekom verletzt damit ein Grundprinzip des Internets: Die Gleichbehandlung sämtlicher Daten.

Davon ausgenommen werden können so genannte "Managed Services" erklärt das Unternehmen, so wie auch schon jetzt der Musikdienst Spotify bei entsprechenden Telekom-Mobilfunkverträgen - im Gegensatz zur Konkurrenz wie beispielsweise dem deutschen Simfy.

  • 1
  • 2
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%