Datenskandal Jeder dritte Facebook-Nutzer will seine Aktivitäten einschränken

Der Datenskandal verschreckt die deutschen Nutzer. Nach einer Umfrage will ein Drittel weniger aktiv sein oder den Account löschen.

Der Datenskandal verunsichert auch in Deutschland viele Nutzer. Quelle: AP

DüsseldorfFacebook weiterhin nutzen – oder abschalten? Über diese Fragen zerbricht sich so mancher Nutzer des weltgrößten Netzwerks gerade den Kopf. Schließlich werfen die Enthüllungen des Datenskandals von Facebook ein völlig neues Licht auf die Verwertung der teilweise sensiblen Daten: Facebook-Chef Mark Zuckerberg gestand vor einer Woche, dass die Daten von rund 89 Millionen Facebook-Nutzern weitergereicht wurden – ohne dass die Betroffenen etwas davon ahnten. Die Daten wurden auf unlautere Weise an die britische Analysefirma Cambridge Analytica weitergegeben.

Ein Datenmissbrauch mit weitreichenden Folgen. So musste Facebook-Chef Zuckerberg in dieser Woche an zwei Tagen vor dem US-Kongress Rede und Antwort stehen. Ein Auftritt mit Seltenheitswert, schließlich schickt der 33-jährige Unternehmensgründer lieber seine Führungskräfte zu heiklen Auftritten. Doch der Druck, unter dem das soziale Netzwerk steht, das mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit nutzen, ist immens.

Für viele Nutzer wirkt der Datenskandal wie eine Mahnung. Eine Mahnung, sich stärker um den Schutz der eigenen Daten zu kümmern. So machte kurz nach der Enthüllung des Datenmissbrauchs der Hashtag #deletefacebook die Runde – „löscht Facebook“. Mobilitätspionier Elon Musk ließ die Facebook-Seiten von Tesla und SpaceX löschen, Apple-Mitgründer Steve Wozniak deaktivierte seinen Account, und in Deutschland gehört Lars Lehne, Chef der Digitalagentur Syzygy und früherer Google-Manager, zu den bekennenden Facebook-Abmeldern.

Dieses Bild bestätigt eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Innofact, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Darin gaben 34,5 Prozent der Befragten an, sie würden als Konsequenz des Datenmissbrauchs ihre Aktivitäten auf der Plattform einschränken oder gar komplett einstellen und ihren Accounts löschen. 53 Prozent der Befragten hingegen ließ die aktuelle Datendebatte kalt. Sie meinten, sie würden nichts an ihrem Verhalten auf Facebook ändern. Innofact hat für die Umfrage rund 1000 Menschen in Deutschland befragt.

„Nachdem sich der erste Ansturm von Niedergangstimmung und #deletefacebook gelegt hatte, kam in der Folgewelle die Meinung auf, dass die Nutzer unbeeindruckt weitermachen würden. In Wahrheit zeigt sich allerdings nun, dass immerhin mehr als ein Drittel der Facebook-Nutzer in Deutschland reagiert hat oder reagieren will“, sagte Christian Thunig, Managing Partner von Innofact. „Das ist schon ein deutliches Zeichen und ernst zu nehmen.“

Seit vergangenem Montag informiert Facebook diejenigen Nutzer, deren Daten missbräuchlich weiterverwendet wurden. In der Innofact-Umfrage haben sich knapp acht Prozent der befragten Facebook-Nutzer als Datenmissbrauchs-Opfer zu erkennen gegeben – sie haben offenbar eine entsprechende Nachricht von dem US-Konzern erhalten.

Vor allem diese Gruppe reagiert zurückhaltend auf weitere Aktivitäten auf Facebook. 8,2 Prozent von ihnen will den eigenen Account löschen oder hat dies bereits getan - das ist eine knapp doppelt so hohe Prozentzahl wie bei den Nicht-Betroffenen Facebook-Nutzern.

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