Dell-EMC Merger „Umsatzpotential mindestens dreimal höher als Einsparungen“

Michael Dell, Chef und Gründer des IT-Konzerns Dell, über den Zustand seines Unternehmens, die geplante Übernahme von EMC für 67 Milliarden Dollar, warum größer besser ist, sowie mögliche Kosteneinsparungen.

Die größten Computerhersteller der Welt
Platz 5: AsusDer Konzern aus Taiwan konnte um 16.9 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal 2013 zulegen. Der Marktanteil lag im dritten Quartal 2014 mit 7,3 Prozent aber trotzdem am Schluss des Rankings des Marktforschungsunternehmens Gartner. Apple ist im PC-Geschäft immer noch nicht groß genug, um unter die Top 5 Anbieter zu kommen. Quelle: AP
Platz 4: AcerMit 8,6 Prozent Marktanteil im dritten Quartal 2014 landet die ebenfalls taiwanische Konkurrenz Acer Group auf dem vierten Platz. Im Vergleich zum dritten Quartal 2013 verkaufte Acer 9,0 Prozent mehr PCs. Dem Marktforschungsunternehmen zufolge sanken die Computer-Verkäufe im letzten Jahr, unabhängig vom betrachteten Hersteller, in allen Regionen der Welt um 0,5 Prozent. Quelle: REUTERS
Platz 3: DellMit 12,8 Prozent Marktanteil liegt Dell ein ganzes Stück weit hinter den beiden Erstplatzierten. Die weltweiten PC-Verkäufe legten im Vergleich zum Vorjahresquartal um 9,7 Prozent zu. Eine gute Bilanz für den ehemaligen Branchenprimus aus Texas. Quelle: REUTERS
Platz 2: HPDer langjährige Marktführer Hewlett-Packard musste sich erneut der Konkurrenz aus China geschlagen geben. Der Marktanteil lag im dritten Quartal 2014 bei 17,9 Prozent. Die Marktforschungsfirma Gartner stellte bei dem US-Konzern ein stärkeres Wachstum von 4,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal fest. Quelle: AP
Platz 1: LenovoDer Marktanteil im dritten Quartal 2014 lag bei 19,8 Prozent. In der aktuellen Studie von Gartner liegt Lenovo damit noch vor HP. Der chinesische Konzern hat seine Spitzenposition als der größte PC-Hersteller der Welt weiter ausbauen können: Lenovo steigerte die Verkäufe im Vergleich zum Vorjahresquartal um 11,4 Prozent. Quelle: REUTERS

Michael Dell ist im Februar 50 geworden. Seine Neugierde und Angriffslust hat das Alter nicht gebremst. „Ich habe derzeit eine Menge Spass“, so Dell im Gespräch mit der WirtschaftsWoche in Austin/Texas. „In der Informationstechnologie tuen sich so viele Dinge, ich könnte gar nichts anderes machen.“

Da er bereits im jugendlichen Alter von 19 Jahren sein Unternehmen gründete,  ist der Texaner zugleich ein Dinosaurier der PC-Branche. Sein 1984 in Dells Studentenbude in Austin mit 1000 Dollar Startkapital aus der Taufe gehobene PC-Anbieter hat seitdem eine Menge Geld mit Informationstechnologie  umgesetzt. „Es sind ingesamt 900 Milliarden Dollar in den vergangenen 30 Jahren“, sagt Dell auf seiner gerade in Austin laufenden Kundenkonferenz DellWorld stolz.

Nun will der Unternehmer beweisen, dass Größe immer noch besser ist. Ganz im Gegensatz zu seinem Konkurrenten Hewlett Packard, der sich zum ersten November in zwei Unternehmen aufspaltet. „Wir müssen das tun, um agiler zu sein“, begründet dessen Chefin Meg Whitman. Im „alten HP“   der HP Inc - wird das Traditionsgeschäft mit Druckern und Personalcomputern gebündelt, das „neue HP“ – HP Enterprise – kümmert sich vorrangig um das Geschäft mit IT-Infrastruktur und Lösungen für Unternehmen. Dell hingegen will noch größer werden. Für sagenhafte 67 Milliarden Dollar plant er den Erwerb des Bostoner Speichergiganten EMC und dessen Töchter. Zum Vergleich: Der Börsenwert von Volkswagen beträgt derzeit rund 60 Milliarden Dollar.

Geschäftsentwicklung von Dell

Geht der mit dem Silicon Valley Finanzier Silver Lake ausgeheckte Deal durch, dann entsteht der größte Anbieter von Personalcomputern, Servern und Speicherlösungen mit einem Jahresumsatz von 80 Milliarden Dollar. Die Billion Dollar in Gesamtumsatz seit Gründung rückt damit nahe.

Whitman, die das „neue HP“ führen wird, prophezeit dem neuen Giganten beim Zusammenführen vor allem eins: „Chaos“. Dell kennt Whitmans email an ihre neuen Mitarbeiter. „Sie hat da wohl einiges falsch verstanden“, frotzelt er. „Wir waren sehr gründlich, haben alle möglichen Szenarien durchgespielt.“ 

„Hatte noch nie Probleme, meinen Weg zu gehen“

Dell versteht Whitmans Strategie wiederum nicht. „Bislang hat mir noch kein Technologiechef erzählt, dass er lieber mit zwei statt einem Anbieter zu tun hat.“ Allerdings richte er seine Strategie nie danach aus, was die Konkurrenz mache: „Ich hatte noch nie Probleme damit, meinen eigenen Weg zu gehen.“

Dell kann sich vorstellen, das von EMC-Chef Joe Tucci entwickelte Federation-Modell, also der Bund von verschiedenen Unternehmen nebeneinander, beizubehalten. Das sei jedoch nur ein Weg. Bei Dell habe man beispielsweise den im Januar 2011 übernommenen Sicherheitsspezialisten SecureWorks bewußt autonom gelassen. „Es hätte keinen Sinn gemacht, ihn tief in Dell zu integrieren“, so Dell. „Aber wo Grösse sinnvoll ist, werden wir natürlich Sparten zusammenführen.“

Dell tritt Befürchtungen entgegen, dass die geplante Übernahme von EMC in das Streichen von Stellen münden würde. „Wir machen das vor allem wegen Umsatzwachstum“, bekräftigt er. „Die Synergien beim Umsatz sind mindestens dreimal größer als das Kostensparpotential.“

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