Deutsche Telekom Die schräge Bilanz

Die Quartalszahlen beweisen: Kundenwachstum melden nur die Telekom-Konzerne, die erfolgreiche Discounter auf ihrem Mobilfunknetz als Untermieter zulassen.

Deutsche Telekom Quelle: dpa

Jetzt hat also auch die Deutsche Telekom ihre Halbjahres-Bilanz vorgelegt. Alle großen Telekom-Konzerne haben damit ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Auf dem ersten Blick zeigt sich: Im besonders spannenden deutschen Mobilfunkmarkt liefert sich die Deutsche Telekom ein Kopf-an-Rennen mit dem inzwischen fusionierten Telefónica-/E-Plus-Konzern. Telefónica konnte seit Jahresbeginn 492.000 Mobilfunkkunden dazugewinnen und die Kundenbasis auf 42,6 Millionen aktive Sim-Karten steigern. Die Telekom folgt knapp dahinter mit einem Plus von 476.000 Mobilfunkkunden und steht mit einer Kundenbasis von 39,4 Millionen aktiven Sim-Karten kurz davor, ebenfalls die Schallmauer von 40 Millionen Kunden zu knacken. Vodafone ist mit einem Verlust von 1,2 Millionen Kunden der große Verlierer des ersten Halbjahres 2015. Weit abgeschlagen kämpft der ehemalige Marktführer mit nur noch 30,3 Millionen Sim-Karten dagegen an, unter die Schwelle von 30 Millionen Kunden zu fallen.

Die zehn umsatzstärksten Telekomkonzerne der Welt

Telekom-Chef Timotheus Höttges und Telefónicas Deutschland-Chef Thorsten Dirks jubeln über den bisher so erfolgreichen Verlauf des Geschäftsjahres 2015. Doch eigentlich gibt es dafür keinen Grund. Wer sich die Zahlen genauer anguckt, der entdeckt einen gefährlichen Trend. Mehr als drei Viertel des Netto-Neukundenzuwachses geht bei Telefónica auf das Konto des Neulings Drillisch, der mit mehreren Discount-Marken und der neuen Filialkette „Yourfone“ als vierter (virtueller) deutscher Mobilfunkbetreiber zur Aufholjagd bläst und mit einem Nettozuwachs von knapp 400.000 Kunden durchaus beachtliche Anfangserfolge vorweisen kann. Nur weil Drillisch der größte Untermieter des Telefónica-Netzes ist, werden seine Kunden auch als Telefónica-Kunden gezählt. Aus eigener Kraft hat Telefónica damit weniger als 100.000 Neukunden im ersten Halbjahr gewonnen.

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Die heute vorgelegte Telekom-Bilanz zeigt in die gleiche Richtung. Zu den „sehr starken Zahlen“ (Höttges) gehört auch das überdurchschnittliche Plus von 408.000 Vertragskunden im abgelaufenen Quartal. Zu verdanken hat Höttges diesen Zuwachs aber hauptsächlich den Service Providern und virtuellen Mobilfunkbetreibern, die auf seinem Netz aktiv sind. Zum ersten Mal konnten diese Vertriebspartner mit einem Zuwachs von 236.000 Neuverträgen mehr Kunden gewinnen als die Telekom mit ihrem riesigen Filialnetz und ihren omnipräsenten Werbekampagnen. Die günstigen Flatrates von Discountern wie klarmobil, ja! mobil, penny mobil und congstar locken mehr Kunden an als die teureren Original-Tarife der Deutschen Telekom. Die Zeit, dass die Discounter lediglich einen kleinen Nischenmarkt besonders preissensibler Kunden besetzten, ist offenbar vorbei.

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