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Deutsche-Telekom-Vorstand Dominique Leroy: Kein unbeschriebenes Blatt

Exklusiv
Dominique Leroy wird die neue Europa-Chefin im Vorstand der Deutschen Telekom. Quelle: PR

Dominique Leroy wird die neue Europa-Chefin im Vorstand der Deutschen Telekom. Die frühere CEO des Telekommunikationsanbieters Proximus war im vergangenen Jahr des Insidertradings angeklagt – und verglich sich.

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Die Polizei fuhr an einem Donnerstag vor etwas mehr als einem Jahr vor der Brüsseler Privatwohnung von Dominique Leroy vor – eine Hausdurchsuchung stand an. Auch in ihrem Büro in der Chefetage des belgischen Telekom-Konzerns Proximus wurden Unterlagen sichergestellt. Nach eingängiger Prüfung wollte die Staatsanwaltschaft in diesem Mai die Anklage erheben. Doch die heute 55-Jährige zog es vor, in einem Vergleich 107.841 Euro Strafe zu zahlen, statt sich dem Richter in einem Prozess zu stellen.

Das war auf alle Fälle die richtige Entscheidung: Am gestrigen Dienstag, nur vier Monate nach dem Vergleich, verkündete die Deutsche Telekom, dass Leroy ab November bei dem Bonner Konzern Vorstandsmitglied werde – ohne den noch frischen Skandal auch nur zu erwähnen.

Leroy hatte sich in ihren fünf Jahren bei Proximus in schwierigen Zeiten verdient gemacht: Sie führte das Unternehmen zurück in schwarze Zahlen. Im vergangenen Juli verhandelte sie die Verlängerung ihres CEO-Vertrags – und führte parallel auch extern Gespräche. Mittendrin verkaufte sie Proximus-Aktien in Höhe von 285.000 Euro an der Börse – nur drei Wochen, ehe sie ihren Abschied von dem belgischen Konzern bekannt gab, um zum niederländischen Konkurrenten KPN zu wechseln – ebenfalls in den Chefsessel.

Die belgische Börsenaufsicht FSMA vermutete, dass das Timing kein Zufall war. Der Verdacht: Leroy habe beim Verkauf bereits gewusst, dass sie ihren Arbeitgeber verlassen würde. Sie habe durch den Verkauf den Verlust vermeiden wollen, den die Nachricht ihres Abgangs auslöste. KPN zog binnen einer Woche die Reißleine und zog den Vertrag für Leroy zurück. Durchaus ein finanzieller Verlust für Leroy: Er wäre mit 935.000 Euro dotiert gewesen.


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Die Belgierin beteuert ihre Unschuld: Der Verkauf habe für sie seit dem Quartalsende im Juni festgestanden, die Aktien hätten sich in einer Lock-Up-Periode befunden. Sie habe zum Zeitpunkt des Verkaufs Gespräche geführt, sich aber noch nicht entschieden gehabt: „Ich verstehe, dass das Timing des Verkaufs im Nachhinein die Wahrnehmung erzeugen kann, ich habe das genau vor und wegen meines Abgangs getan, aber das war sicher nicht der Grund für meinen Aktienverkauf“, schrieb sie in einer schriftlichen Stellungnahme auf der Proximus-Website: „Das entspricht nicht meinen Werten, wo ich Integrität und Transparenz sehr hoch halte.“

Leroy arbeitete in der Zeit seit dem Vergleich als externe Beraterin im Brüsseler Büro für die Unternehmensberatung Bain & Company, für die auch der frühere US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney arbeitete. Ihre Spezialität: Telekommunikation, Konsumgüter und Retail. Auf ihrer Linkedin-Seite hatte sie wohl vermerkt, dass sie auf der Suche nach einer neuen CEO-Position in Europa oder den USA war.

Die Deutsche Telekom nahm auf Anfrage der Wirtschaftswoche Stellung: „Es ist richtig, dass es Ermittlungen der belgischen Behörden gab. Diese Ermittlungen wurden gegen Zahlungen einer Geldsumme und ohne Schuldeingeständnis eingestellt.“

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