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Die Macher hinter Rocket Internet Das Samwer-Imperium ist nur eine riskante Wette

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Start-up-Beteiligungen von United Internet

Dass es sich bei solchen Fragen nicht um einen akademischen Diskurs handelt, ist seit ein paar Tagen klar. Mitte August beteiligte sich der Web-Dienstleister United Internet aus Montabaur mit 10,7 Prozent an Rocket Internet und lieferte nebenbei ein finanzakrobatisches Meisterstück ab.

Auf dem Papier musste United Internet die stolze Summe von 435 Millionen Euro für das Aktienpaket berappen. Einen Teil davon – nämlich 102 Millionen Euro – zahlte das Unternehmen aber nicht bar. Stattdessen erhielt Rocket Internet allerlei Start-up-Beteiligungen. Die Anteile stammten aus einer gemeinsam geführten Gesellschaft von United Internet und Global Founders, dem Privatfonds der Samwers.

Die größten Onlineshops
Platz 10: EspritE-Commerce-Umsatz: 327,6 Millionen Euro. Das Modelabel zählt zu den beliebtesten Marken der Deutschen - vor allem der deutschen Frauen. Dennoch verliert Esprit zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr. Esprit kämpft seit einigen Jahren mit Qualitätsproblemen, einem schleichenden Imageverlust und hat in diesem Jahr zum ersten Mal seit dem Börsengang 1993 einen Verlust von über 400 Millionen Euro eingefahren. Mehr über die Probleme bei Esprit lesen Sie hier: "Esprit läuft die Zeit davon"Quelle des Rankings: EHI Retail-Institute + Statista Studie E-Commerce-Markt Deutschland 2013 - untersucht wurde der Markt der Top 1000 Onlineshops. Als E-Commerce-Umsatz gilt der Nettoumsatz im Jahr 2012, bereinigt von Retouren, exkl. Umsatzsteuer und nur aus der reinen Geschäftstätigkeit des Onlineshops (ohne sonstige betriebliche Erträge des Unternehmens). Quelle: Screenshot
Platz 9: CyberportE-Commerce-Umsatz: 343,1 Millionen Euro. Das Portal für Computer, Unterhaltungselektronik, Handys und Zubehör kann seinen Platz im Vergleich zum Vorjahr halten. Die Produktgruppe Computer & Co. ist mit rund 14 Prozent am Gesamtumsatz der Top-1000-Onlineshops das drittstärkste Segment im gesamten E-Commerce. Quelle: Screenshot
Platz 8: BonprixE-Commerce-Umsatz: 357 Millionen Euro. Die Otto-Tochter Bonprix ist seit 1986 am Markt. Sie wirbt mit günstigen Preise für junge Mode und spricht damit in erster Linie Frauen an. Im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert sich Bonprix um einen Platz. 20 Prozent aller Umsätze der Top 1000 Onlinehändler wurden 2012 mit Modeartikeln gemacht. Quelle: Screenshot
Platz 7: TchiboE-Commerce-Umsatz: 360 Millionen Euro. Vom Teesieb bist zur Regenjacke - bei Tchibo gibt es nahezu alles - das scheint den Kunden zu gefallen. Der einstige Kaffeeröster schießt von Platz 16 auf Platz 7. Der Umsatzanteil der Generalisten, zu denen auch Tchibo zählt, blieb mit knapp 37 Prozent und fast 11 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Rund die Hälfte aller Onlineshops betreibt wie auch Tchibo, zusätzlich ein oder mehrere stationäre Geschäfte. Beliebt sind außerdem Marktplätze wie Amazon und ebay, die von knapp 45 bzw. fast 29 Prozent der Händler genutzt werden. Smartphone- sowie Tablet-optimierte Websites oder Apps inklusive Shopfunktion sind um gut 36 Prozent gewachsen und haben ihren Marktanteil auf über 29 Prozent (Vorjahr: 21,4 Prozent) ausgebaut. Kataloge oder Magazine halten über 23 Prozent innerhalb der Vertriebskanäle. Quelle: Screenshot
Platz 6: ConradE-Commerce-Umsatz: 372,9 Millionen Euro. Werkzeug, TV-Geräte, Glühbirnen - Conrad ist das Technik-Dorado der Schrauber und Bastler. Filialen, Katalog und Onlineportal führen mehr als 220.000 Produkte. Die Conrad-Gruppe geht zurück auf Max Conrad der 1923 das "Radio Conrad" gründete. Im Vergleich zum Vorjahr verliert Conrad einen Platz im Ranking und tauscht ihn mit.... Quelle: Screenshot
Platz 5: WeltbildE-Commerce-Umsatz: 388,9 Millionen Euro. Die Verlagsgruppe Weltbild beschäftigt mehr als 6.400 Mitarbeiter. Zum Sortiment gehören Bücher und E-Books, Musik und DVDs, Software und Games, Haushaltsartikel, Spielwaren und Geschenkartikel. Im Online-Buchhandel ist der Internetshop nach eigener Aussage bereits die Nummer zwei in Deutschland. Weltbild.de macht im Vergleich zum Vorjahr im Ranking der umsatzstärksten deutschen Onlineshops einen Platz gut - von 6 auf 5. Quelle: Screenshot
Platz 4: ZalandoE-Commerce-Umsatz: 411,6 Millionen Euro. Zalando.de, hat mit Platz 4 das Sieger-Treppchen zwar knapp verfehlt, aber volle 16 Plätze im Vergleich zum Vorjahr aufgeholt. Mit seinem Mode-, Schuh- und Accessoires-Sortiment hat das "Schrei-vor-Glück"- Unternehmen das zweitgrößte Segment im Onlinehandel kräftig aufgemischt und könnte schon an die Börse gehen. Zalando feiert in diesem Jahr seinen fünften Geburtstag. Quelle: Screenshot

Erstaunlich: In den eigenen Büchern hatte United Internet diese Anteile nicht mit 102 Millionen Euro bewertet, sondern nur mit 30 Millionen Euro. Das explosionsartige Plus erklärt ein United-Internet-Sprecher mit einer „Neubewertung“ der Beteiligungen. Davon profitierten auch die Samwers. Denn auch sie gaben ihre gemeinsam mit United Internet gehaltenen Anteile an den Start-ups im Tausch gegen zusätzliche Rocket-Internet-Aktien ab – ein klassischer Samwer-Deal.

Etwas getrickst

Noch 35 Minuten bis zum Abflug. Der Taxifahrer steuert schweigend durch den Berliner Feierabendverkehr, vorbei an Häuserschluchten, Imbissbuden und Spielcasinos. Hier, mitten in der Hauptstadt, begann der Fabelaufstieg der drei Dotcom-Brüder.

1999 startete das Trio in einer Bürogemeinschaft in Berlin-Mitte Alando. Das Unternehmen sollte den Markt für Online-Auktionen aufmischen, ein deutsches Ebay werden. Schnell kristallisierte sich die Rollenverteilung innerhalb der Bruderschaft heraus: Oliver Samwer ist Anführer der Formation, Alexander der Stratege und Marc der Diplomat. Gemeinsam ist ihnen der unbändige Siegeswille. Um mehr Angebote auf die Alando-Web-Site zu bekommen, vertickten die Brüder anfangs Teile ihres Jugendzimmerinventars samt Baseballhandschuh und Modelleisenbahn.

Auch bei der Beschaffung der notwendigen Technik und der Finanzierung des Projekts waren sie nicht zimperlich. „Da mussten wir etwas tricksen“, räumte Oliver Samwer später ein. „Den Venture-Capital-Gesellschaften haben wir erzählt, die Technologie sei schon so gut wie installiert. Und die Technologiefirmen haben wir überzeugt, dass die Finanzierung schon so gut wie gesichert ist.“

Die Idee ging auf: Nach wenigen Monaten übernahm Ebay den Laden – und machte die Samwers zu Millionären. Das systematische Kopieren, Ausrollen und schnelle Weiterverkaufen von erprobten Online-Konzepten wurde fortan zu ihrem Geschäftsmodell. Alando gab die Blaupause ab: voller Einsatz, waghalsiges Tempo und mitunter ein paar Tricks.

Wann immer sich ein neuer Trend im Netz abzeichnete, schickten die Samwers nun einen deutschen Nachbau ins Rennen. Mit Rocket Internet konstruierten sie 2007 eine Plattform, um diesen Kopier- und Ausrollprozess vollends zu industrialisieren. Statt Waren laufen bei Rocket Internet-Start-ups vom Band. Unternehmen wie die Partnerbörse eDarling, der Kosmetikversender Glossybox, die Möbelhändler Home24, die Online-Bettenbörse Wimdu und der Kreditvermittler Lendico entstanden – allesamt inspiriert von Wettbewerbern. Die Kopiermasche sorgt denn auch für Empörung. Als „niedrigste Form von Müll“, beschimpfte etwa die US-Web-Koryphäe Jason Calacanis das Vorgehen der Samwers.

Die sind von den Klon-Vorwürfen genervt. Ideen gebe es schließlich wie Sand am Meer, sagt Oliver Samwer. Auf die Umsetzung komme es an. Dabei macht ihm niemand etwas vor.

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