Dietmar Hopp "Langfristig eigenständig"

Der Mitgründer des Softwarekonzerns sieht für das Unternehmen keine Notwendigkeit mehr, unter das Dach eines US-Riesen zu schlüpfen.

Dietmar Hopp Quelle: Deniz Saylan für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Hopp, warum ist SAP bisher der einzige deutsche IT-Konzern mit Weltgeltung, und weshalb gibt es hierzulande kein Unternehmen wie Google oder Facebook?

Hopp: Als wir vor 40 Jahren SAP gründeten, hatten wir schlicht den Luxus der ausreichenden Zeit, um uns zu entwickeln. Wir haben die ersten zehn Jahre weitgehend unbehelligt an unseren Systemen gearbeitet und sind erst danach richtig in die Öffentlichkeit gegangen. Google oder Facebook als relativ junge Unternehmen bekommen keine zehn Jahre Zeit mehr. Sie müssen schnell Umsätze liefern. Das ist besonders schlimm für Biotech-Unternehmen, wie ich sie in meinem Beteiligungsportfolio habe. Hier sind die Entwicklungszyklen schlicht länger, und man benötigt als Investor einen langen Atem.

Weshalb erhalten Gründer in den USA deutlich einfacher Risikokapital als in Deutschland?

Das liegt unter anderem an der Steuergesetzgebung. Kein Risikokapitalgeber kommt nach Deutschland, wenn die Verlustvorträge bei Gesellschafterwechsel ganz oder teilweise verloren gehen – ein Zustand, der ausländische Investoren komplett aus Deutschland fernhält und deutsche Investoren empfindlich trifft. Ich lasse bei Beteiligungen daher von vornherein durchrechnen, ob ich ein Unternehmen komplett allein durchfinanzieren kann. Wenn später weitere Geldgeber benötigt werden, lasse ich lieber die Finger davon. Das Problem betrifft alle Startups.

Die Entwicklung von SAP

Profitieren US-amerikanische IT-Startups nicht auch durch die englische Sprache, die ihnen von Anfang an einen viel größeren Markt beschert?

Das mag sein. Außerdem ist die Gesellschaft dort Neuerungen gegenüber aufgeschlossener. In Deutschland sorgt man sich eher über die Risiken, während man in den USA primär die Chancen sieht.

Wieso haben Sie es trotzdem geschafft, aus einer kleinen Fünf-Mann-Bude einen Weltmarktführer zu zimmern?

Wir hatten zur richtigen Zeit die gute Idee, eine betriebswirtschaftliche Standardsoftware zu konzipieren, die nur noch im jeweiligen Unternehmen angepasst werden muss. Das war damals revolutionär. Dennoch hat es dann noch 17 Jahre bis zu unserem Börsengang 1988 gedauert, bis wir beim Umsatz die 100-Millionen-Euro-Schwelle überschritten haben. Dass wir mal ein Konzern mit inzwischen bald 15 Milliarden Euro werden würden, hätten wir in unseren kühnsten Träumen nicht erwartet.

Im Gegensatz zu früher hat SAP in den vergangenen Jahren für mehrere Milliarden Euro andere Unternehmen geschluckt, um technisch voranzukommen. Sind die Entwicklungstruppen in Walldorf nicht mehr gut genug für eigene Innovationen?

Mitnichten, das sehen Sie ja an der neuen Datenbanklösung Hana. Es wäre schlicht unwirtschaftlich gewesen, neue Märkte wie etwa analytische Anwendungen bei Business Objects oder die Mobiltechnologie von Sybase selber zu entwickeln. Auch ich war lange Zeit ein Verfechter des organischen Wachstums. Ich war der Meinung, dass Zukäufe Probleme bringen, vor allem durch die Integration von Menschen mit unterschiedlichen Unternehmenskulturen. Aber die Übernahmen, die SAP getätigt hat, sind deutlich kleiner als die des amerikanischen Wettbewerbers Oracle.

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Erwarten Sie, dass SAP weiter alle zwei bis drei Jahre mit einer Übernahme von sich reden machen wird?

Das ist weniger eine Frage des Zeitrhythmus als der Notwendigkeit. Und wenn man das Gesamtgebilde durch Zukäufe weiter stärken kann, wird man das sicher tun. Aktuell ist SAP meines Erachtens aber sehr gut aufgestellt.

Vor einigen Jahren wurde bekannt, dass SAP und Microsoft über eine Partnerschaft bis hin zu einer Übernahme durch den US-Softwarekonzern gesprochen haben. Sie hatten diese Verbindung als „Hochzeit im Himmel“ bezeichnet. Sehen Sie das immer noch so?

Nein, das sehe ich inzwischen anders. Unter den damaligen Umständen sollte eine solche Partnerschaft von SAP als eigenständige Einheit innerhalb von Microsoft die Zukunft sichern. Die ist durch die Stärke von SAP inzwischen aber auch so gesichert. Ich gehe davon aus, dass SAP langfristig eigenständig bleiben kann.

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