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Digitalpreis „Diamond Star“ Aus der Ferne gegen Pfusch am Bau

Mit einem Klick auf die Baustelle: Die Viebrockhaus AG hat ein System entwickelt, um die Arbeiten aus der Ferne zu überprüfen. Es sorgt nicht nur für mehr Effizienz, sondern ermöglicht auch ein neues Geschäftsmodell.

Viebrockhaus-CIO Heiko Wachlin (3. v.l.) mit den Jury-Mitgliedern (von links) Marcus Schaper, Walter Brenner, Thomas Schildhauer, Uwe Dumslaff und Handelsblatt-Redakteur Christof Kerkmann. Quelle: Thorsten Jochim/Euroforum

MünchenSoll das so sein? Immer wieder stellen sich Bauherren diese Frage, wenn sie die Arbeit der Handwerker an ihrem zukünftigen Zuhause besichtigen. Pfusch am Bau kann schließlich teuer werden.

Die Überwachung könnte bald auf zahlreichen Baustellen engmaschiger ausfallen: Die Viebrockhaus AG hat ein System entwickelt, um Projekte häufiger und damit gründlicher zu begutachten – übers Internet. Dafür erhielt der Mittelständler am Dienstag auf der Handelsblatt-Tagung „Strategisches IT-Management“ den Diamond Star, einen Preis für innovative IT-Projekte.

Das System heißt Baucam. Handwerker machen mit Tablets Filme und Fotos von der Baustelle, die live in die Zentrale in Harsefeld nahe der niedersächsischen Stadt Stade übertragen werden. Dort sehen sich Prüfingenieure die Arbeiten an und gleichen sie mit den Bauzeichnungen ab. Mängel können die Ingenieure so direkt ausbessern lassen.

Das Unternehmen spricht von einer „kompletten Änderung des Qualitätsmanagementprozesses“: Anstatt lange zu den Baustellen rauszufahren, können sich die Ingenieure im Nu übers Internet einen Überblick verschaffen. Das senkt einerseits den Aufwand, steigert andererseits die Qualität – die Fachleute können achtmal so häufig die Projekte begutachten. Rund 11.500 virtuelle Überprüfungen absolvieren sie pro Jahr.

Dieses Prinzip, das IT-Chef Heiko Wachlin und sein zehnköpfiges Team entwickelt haben, ermöglicht außerdem ein neues Geschäftsmodell: Die Tochterfirma IfB Bauprüfgesellschaft bietet die Baustellenüberwachung als Dienstleistung an, die andere Baukonzerne für ihre Projekte buchen können. Die Viebrockhaus AG mit ihren 260 Millionen Euro Umsatz erschließt also dank der Digitalisierung neue Einnahmequellen.

Dem Unternehmen sei es gelungen, für eine „tradierte Industrie“ einen digitalen Ansatz zu entwickeln, um die Liefertreue und Qualität zu steigern, lobte Marcus Schaper, Chief Information Officer (CIO) des Energieversorgers Innogy und Mitglied der Jury. Dabei sei die Zusammenarbeit zwischen Geschäftsführung und der IT sehr eng gewesen – eine Voraussetzung für erfolgreiche Projekte. Nicht zuletzt habe der Mittelständler sein Gespür für ein neues Geschäftsmodell demonstriert, „das schon nach kurzer Zeit Gewinne einbringt“.

In der Jury saßen Prof. Walter Brenner von der Universität St. Gallen, Uwe Dumslaff, Technikchef bei Capgemini Deutschland, Marcus Schaper, CIO von Innogy, Prof. Thomas Schildhauer von der Universität der Künste Berlin und Jürgen Krusch, Leiter Prozess- und IT-Management der Deutsche Bank Bauspar AG.

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